Die Nachricht traf am Sonntag ein wie ein Blitz: erneut ein Haiangriff mit tödlichem Ausgang, diesmal am bei Touristen beliebten Cable Beach in Westaustralien. Ein 58-jähriger Schwimmer wurde beim Baden nur etwa 40 Meter vom Strand entfernt von einem Hai attackiert. Ein Ehepaar, das nicht weit entfernt von ihm ebenfalls badete, konnte den Vorfall beobachten und eilte zur Hilfe.

Der männliche Retter schaffte es, in einem selbstlosen Akt den Verletzten aus dem Wasser zu ziehen, während seine Frau den Notarzt rief. Der Verletzte, dessen Hand von dem Hai abgebissen hatte, erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Der Blutverlust war zu hoch.

Das letzte Mal gab es 1929 so viele Todesopfer durch Haie

Ein Tag später ist der traurige Vorfall bereits als Nummer in der offiziellen Hai-Angriff-Statistik des australischen Naturschutzbundes Taronga festgehalten. In der Spalte „fatale Haiangriffe“ steht nun eine 8. Das ist fast ein Rekord und eine drastische Abweichung der Norm. Im Jahresschnitt starben in den vergangenen 50 Jahren 0,9 Menschen im Jahr in Australien. Nur im Jahr 1929 gab es mehr Tote, nämlich 9.

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Ein Tag später ist auch die Nervosität unter Surfern und Schwimmern in Sydney größer. Weniger Surfer als üblich sind im Ozean, als schon um 9.30 Uhr morgens der Hai-Alarm in Maroubra, dem beliebtesten Surf-Strand Sydneys, los geht. Dieser ertönt, wenn ein Hai gesichtet wird oder ein Surfer oder Schwimmer etwas Verdächtiges meldet.

Wie sich später herausstellt, konnte diese Sichtung am Montagmorgen sogar bestätigt werden. „Ein etwas drei bis vier Meter großer Hai war das. Er ist am Ufer entlang geschwommen und dann wieder raus aufs offene Meer“, so Rettungsschwimmer Aaron Foster. „Wir merken, dass die Leute vorsichtiger werden. Aber auch bei uns Rettungsschwimmern ist die Nervosität groß.“

Ein Schild in Strandnähe warnt vor Hai-Attacken.
Ein Schild in Strandnähe warnt vor Hai-Attacken. | Bild: Rebecca Le May, dpa

Mehr Köderfische in Küstennähe

Forscher sind sich bislang nicht sicher, warum es bislang in diesem Jahr zu so vielen Toten kam. In einigen Fällen waren Schwärme von kleineren Köderfischen in der Nähe des Vorfalles gesichtet worden. Das wäre ein Indiz dafür, dass der Hai sich auf seinem Beutezug befand und der Mensch ihm quasi in die Quere kam.

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Die Meeresforscherin und Hai-Expertin Blake Chapman von der Universität Queensland sieht als Ursache dafür das Wetterereignis La Niña. Denn dieses könnte das Migrationsverhalten von Lachsen beeinflussen. Durch veränderte Winde und Strömungen halten diese sich näher am Strand auf als unter normalen Bedingungen. Laut Hai-Forscherin Blake Chapman ist es schwer, den Grund für die gehäuften Todesfälle durch Haie zu finden.

Mehrmals zugebissen

Tatsächlich sei die Anzahl der Todesfälle dafür zu gering. Was sie dennoch beobachten konnte: „In einigen Fällen scheint es so gewesen zu sein, dass der Hai mehr als nur einmal zugebissen hat, was ein eher untypisches Verhalten des Weißen Haies ist“, so Chapman. Wenn dies geschieht, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Ausgang tödlich ist, da es zu einem größeren Blutverlust kommt. La Niña könnte auch einen Einfluss auf das Verhalten des Bullenhais haben, der neben Weißem und Tigerhai der gefährlichste Hai in australischen Gewässern ist.

Forscher der Macquarie Universität in Sydney bestätigten, dass durch die erhöhten Regenmassen der Salzwassergehalt des Meeres leicht reduziert ist. Der Bullenhai, der sich gerne in Flussmündungen aufhält, würde so zu Gebieten gelockt, wo Menschen gerne baden.

Star vieler Hollywood-Filme: Der Weißer Hai. Doch im Vergleich zu anderen Raubtieren sind tödliche Angriffe durch Weiße Haie selten.
Star vieler Hollywood-Filme: Der Weißer Hai. Doch im Vergleich zu anderen Raubtieren sind tödliche Angriffe durch Weiße Haie selten. | Bild: Franck Robichon, dpa

Anpassung an Klimawandel

Professor Nathan Hart und sein Team werteten Daten zum Zusammenhang von Temperatur und Niederschlag mit Hai-Angriffen aus. Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit eines Hai-Angriffes war nach starkem Regen leicht erhöht.

Grund war, dass mit dem Regen viele Nährstoffe in den Ozean gespült und auch sich kühle sowie trübe Wassermassen an Flussmündungen und entlang der Küste ansammeln. Dies alles lockt kleinere Fisch und Seehunde an, die wiederum Beute des Haies sind. Der stärkere Ost-Australstrom, der vor der australischen Küste entlangläuft, sorge dafür, dass sich kältere Strömungen in Küstennähe entwickeln.

Der Weiße Hai bevorzugt solche kalten Strömungen. Wissenschaftler sind sich einig, dass der Klimawandel die Meeresströmungen und Wetter beeinflussen. Laut Nathan Hart könnten ein sich veränderndes Verhalten der Haie die Antwort auf den Klimawandel sein.