Der Ex-Handballprofi merke zurecht an, dass Sportlern im öffentlichen Rampenlicht Zurückhaltung auferlegt werde, weil sie unterschiedliche Loyalitäten hätten, sagte der Wissenschaftler von der Deutschen Sporthochschule Köln am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der Vorwurf, nur noch „diplomatische Sprachrohre“ zu sein, würde vielen Sportlern aber Unrecht tun.

Athleten bezögen zunehmend öffentlich Position und seien „keine schweigenden Lämmer“, sagte Mittag. Das hätten etwa kritische Äußerungen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland gezeigt. Gleichzeitig seien sie aber auch Angestellte eines Vereins und müssten sich gegenüber Mannschaft und Sponsoren verantworten. Darum falle Kritik häufig nicht sehr radikal aus. Mittag ist sich sicher: „Offizielle Sprachverbote gibt es nicht“, wie alle Menschen des öffentlichen Lebens könnten Sportler bei politischen Themen Stellung beziehen. Einige, wie etwa Kretzschmar, täten das drastisch und konsequent, andere hielten sich eher zurück.

Der frühere Nationalspieler Kretzschmar hatte mit einem Interview eine Debatte um Meinungsfreiheit unter Profisportlern ausgelöst. Der ehemalige Profi sagte, dass Profisportler in Deutschland keine gesellschafts- oder regierungskritische Meinung haben dürften. Zuspruch bekam Kretzschmar von Seiten der AfD. Deren Kreisverband in Heidelberg hatte Kretzschmars Äußerungen auf Twitter weiterverbreitete.