Sie sehen schick aus, machen hochauflösende Fotos und bringen das Internet in die Hosentasche: Smartphones sind aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom nutzen 81 Prozent aller Deutschen zumindest ein internetfähiges Mobiltelefon.

Das Erstaunliche dabei: Ganz so praktisch, wie es die Werbung verspricht, ist die Technik mitnichten. Die Deutsche Telekom gibt das offen zu. „Das Smartphone zwingt uns heute in eine unnatürliche Haltung“, erklärt Telekom-Sprecherin Verena Fulde. „Den Kopf nach vorne gebeugt tippen wir auf ein kleines Display und müssen unser Verhalten der Technik anpassen.“ Ihre schonungslose Prognose: „Das Smartphone wird bald nur noch im Museum zu sehen sein.“ Ähnlich hatte sich in der Vergangenheit schon Telekom-Vorständin Claudia Nemat geäußert.

Tatsächlich beschäftigt Experten die Frage, ob Smartphones in ihrer heutigen Form in Zukunft noch existieren. Längst tüfteln die Hersteller an der übernächsten Generation, vielleicht sogar an Geräten, die komplett anders funktionieren als heutige Handys. Eine Uhr mit Hologramm? Ein Implantat unter der Haut? Nichts scheint ausgeschlossen.

Empfindliche Technik

Eines der größten Probleme moderner Handys ist ihre Anfälligkeit. Fällt ein Gerät auf den Boden, ist der Bildschirm schnell zersprungen. Kontakt mit Wasser führt oft zum Totalverlust – angeblich nehmen vier von fünf Deutschen ihr Handy mit auf die Toilette, wo es immer wieder zu Unfällen kommt.

Der Materialforscher Bastian Rapp vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) will Smartphones widerstandsfähiger machen. Zum einen arbeitet er an einem hochreinen, bruchsicheren Glas, das Schutzfolien überflüssig machen könnte. Zum anderen forscht er an einem Wasserschutz, der auf dem Lotusblüten-Effekt basiert: Wasser bleibt nicht hängen, sondern perlt ab.

Bastian Rapp träufelt Flüssigkeit auf die von ihm entwickelte wasserabweisende Fläche. <em>Bild: Steve Przybilla</em>
Bastian Rapp träufelt Flüssigkeit auf die von ihm entwickelte wasserabweisende Fläche. Bild: Steve Przybilla | Bild: Steve Przybilla

„Man kann Smartphones heute schon gut abdichten“, sagt Rapp. „Trotzdem gibt es immer neuralgische Punkte, die anfällig sind, zum Beispiel die Ladebuchse oder die Lautsprecher.“ Rapps wasserabweisende Oberfläche, genannt Fluoropor, würde dieses Problem lösen: Fällt ein Handy ins Wasser, bildet sich eine Luftblase und verhindert das Eindringen von Flüssigkeit. „Es funktioniert“, versichert Rapp. „Jetzt müssen wir nur noch die Industrie überzeugen.“

Firmen verhindern langlebige Handys

Doch genau da liegt das Problem. „Hersteller sehen Smartphones als Wegwerf-Produkt“, sagt der Materialforscher. Die meisten hätten gar kein Interesse an langlebigeren Materialien – immerhin beruhe ihr Geschäft darauf, alle paar Monate ein neues Modell auf den Markt zu bringen. „Das ist ein extrem preissensibler Markt, in dem die Gewinnmargen sehr hoch sind. Wenn ich mit Herstellern spreche, soll immer alles doppelt so gut und halb so teuer sein.“

Ähnlich verhält es sich mit dem bruchsicheren Glas. „Wir können dieses Material per 3D-Drucker herstellen“, sagt Rapp. „Wenn ein Hersteller anbeißt, könnten wir in 18 bis 24 Monaten ein fertiges Produkt liefern.“ Am Ende läuft es aber auch bei dieser Innovation auf die Kosten hinaus: „In der Herstellung wird ein Handy durch das Display um ein bis zwei Euro teurer“, schätzt Rapp. „Die Frage ist: Ist es das den Kunden wert? Oder kaufen sie lieber alle paar Monate ein neues Gerät?“

Bild: Schönlein, Ute

Evolution oder Revolution?

Bastian Rapp ist davon überzeugt, dass sich der Markt komplett wandeln wird. „Ich weiß nicht, ob es das Handy, wie wir es kennen, in ein paar Jahren noch gibt“, mutmaßt der Wissenschaftler. Ginge es nach den Verbrauchern, stünden bodenständige Verbesserungen auf dem Programm: Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom wünschen sich 53 Prozent der Befragten einen besseren Akku, 27 Prozent eine schnellere Lademöglichkeit und 45 Prozent mehr Speicherkapazität.

Wie auch immer wir in Zukunft kommunizieren: Mit allzu genauen Prognosen sollte man vorsichtig sein. Das zeigt das Beispiel des Zukunftsforschers Sven Janszky, der bereits 2016 das Ende der Smartphone-Apps prophezeite. In „zwei, drei Jahren“, so Janszky damals, werde es die Programme auf dem Handy nicht mehr geben – also heute. Immerhin: Auch wenn die Prognose nicht zutraf, hat der Trend trotzdem gestimmt. Assistenz-Systeme (Apples „Siri“, Microsofts „Cortana“ oder Amazons „Echo“) gewinnen an Bedeutung. Vielleicht kommt das Ende der Apps also doch. Nur etwas später.

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Auch an diesen Teilen wird geforscht

Nicht nur am Gehäuse wird geforscht. Auch unter der Haube könnte sich in den kommenden Jahren einiges verändern. Smartphones werden nicht nur leichter zu bedienen sein, sondern über eine künstliche Intelligenz verfügen – zumindest in Maßen.
 

  • Akkus: Über die Hälfte der Handy-Nutzer wünscht sich bessere Akkus. Die Chancen, dass dieser Wunsch wahr wird, stehen nicht schlecht. Das Institut für Materialwissenschaft der Uni Kiel forscht an einem Akku, der zehnmal so viel Energie aufnehmen kann wie aktuelle Graphit-Anoden. Mit allzu schnellen Ergebnissen dürfte aber nicht zu rechnen sein, denn Akkus sind immer eine heikle Angelegenheit. 2016 gingen mehrere „Samsung S7“-Handys in Flammen auf, weil ihre Akkus überhitzt waren.
  • Ausstattung: Schneller, schneller, schneller. Die Prozessoren der nächsten Generationen gewinnen weiter an Leistung. Dadurch werden selbst komplexe Anwendungen (Spiele, Videobearbeitungen) auf einem Mobiltelefon reibungslos laufen. Auch die Auflösung der Kameras dürfte sich erhöhen.
  • Bedienung: Biegbare Displays gibt es schon. Doch braucht man in Zukunft überhaupt noch einen Bildschirm? Weltweit arbeiten Wissenschaftler an neuen Eingabemöglichkeiten, zum Beispiel Tastaturen, die sich als „Tattoo“ auf die Haut kleben lassen. Oder Computerchips, die unter die Haut implantiert werden. Auch Hologramme könnten eine wichtige Rolle spielen. In naher Zukunft werden es aber zunächst die Sprachassistenten sein, die deutlich an Bedeutung gewinnen. Alle großen IT-Unternehmen arbeiten an der Verbesserung ihrer Produkte.
  • Künstliche Intelligenz: Schon heute sind teure Smartphones mit einem Chip ausgestattet, der sie „intelligent“ machen soll. So können manche Huawei-Geräte bestimmte Gegenstände auf Fotos erkennen und die Bilder automatisch bearbeiten. In Zukunft dürfte sich die Leistung noch deutlich erhöhen. Laut einem Bericht eines Computermagazins werden Smartphones bald in der Lage sein, Sprache und Mimik ihrer Nutzer ohne Zeitverzögerung zu analysieren. Dadurch ergeben sich völlig neue Anwendungen.
  • Schnelligkeit: Bis 2020 soll die fünfte Generation des Mobilfunks („5G“) in Deutschland verfügbar sein. Die Übertragungsgeschwindigkeit wird zehnmal so schnell sein wie das heutige LTE – praktisch nicht nur, um Serien zu schauen und Videos zu streamen, sondern auch für hochkomplexe Anwendungen. So können künftige Smartphones noch besser und direkter mit Autos kommunizieren – und diese vielleicht sogar steuern. (prz)

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