Und wieder liegt ein Unwetterwochenende hinter uns: Nach der kleinen, aber recht heftigen Mini-Hitzewelle der vergangenen Tage, gab es prompt die Quittung. Wetterkapriolen mit Starkregen und Sturmböen haben in Deutschland vielerorts für Chaos und enttäuschte Gesichter gesorgt - vor allem für die Festival-Besucher.

Das Ausmaß nach der Unwetter-Katastrophe auf dem Southside-Fesival: Zwischen Chaos und Mülldeponie.
Das Ausmaß nach der Unwetter-Katastrophe auf dem Southside-Fesival: Zwischen Chaos und Mülldeponie. | Bild: Felix Obermeyer

Unwetter vermiesen Festival-Besuchern das Wochenende

Das Southside Festival in Neuahusen ob Eck ist dieses Jahr für rund 60.000 Besucher wortwörtlich ins Wasser gefallen. Bereits am Freitagabend sind 82 Musikfans aufgrund eines schweren Unwetters verletzt worden, davon kamen 25 laut Veranstaltern leicht verletzt ins Krankenhaus. Das Festival wurde zuerst unterbrochen, danach komplett abgesagt. Die Sicherheit auf dem Gelände könne nicht mehr gewährleistet werden, teilten die Veranstalter mit.


Das Gelände sehe «zermalmt» aus, so als sei jemand «mit einem Bagger darin rum gefahren - fürchterlich», sagte ein Gast. Pavillons hängen in Absperrungen, Zelte stehen kopfüber oder unter Wasser, überall liegen Schuhe, Bierdosen und Essen. Die Wege sind nur noch mit Gummi-Stiefeln passierbar. Der Bürgermeister ist selbst immer wieder in der Nacht, am Morgen und am Vormittag auf dem Gelände. "Mindestens 50 Prozent der Zelte sind zerstört, teils stand der Platz 40 Zentimeter unter Wasser."


Im Umland von Neuhausen ob Eck kam es nach Polizeiangaben zu etwa 80 überfluteten Kellern. Außerdem wurde eine Kläranlage überflutet. Eine Trafo-Station stand unter Wasser, wodurch in Teilen der Gemeinde der Strom ausfiel. Überflutungen und umgestürzte Bäume führten zu vereinzelten, kurzfristigen Verkehrsbehinderungen.



Auch der zweite Tag des Hurricane-Festivals im niedersächsischen Scheeßel ging ohne ein einziges Konzert zu Ende. Nach mehreren Unwettern vom Anreisetag Donnerstag an hatten heftige Regengüsse Festival- und Camping-Gelände unter Wasser gesetzt. Nachdem der Beginn des Programms am Samstag mehrmals verschoben worden war, sagten die Veranstalter die Konzerte für Samstag am Abend komplett ab. Einige Musikfans feierten bei der Aftershowparty trotzdem - in Matsch und Regen.

Dreckswetter: Besucher des Hurricane-Festivals stehen in Regencapes auf dem überschwemmten Zeltplatz. Foto: Sophia Kembowski
Dreckswetter: Besucher des Hurricane-Festivals stehen in Regencapes auf dem überschwemmten Zeltplatz. Foto: Sophia Kembowski | Bild: Foto: dpa


Zwischen schweren Gewittern in Baden-Württemberg...

Aufgrund eines Gewitters und infolge des Starkregens musste die Kreisstraße 6332 zwischen Wyhlen und Inzlingen am Hochrhein für mehrere Stunden voll gesperrt werden. Mehrere Verkehrsteilnehmer meldeten der Polizei umgestürzte Bäume und Geröll auf der Klosterstraße. Der Werkhof machte sich sofort auf den Weg und sperrte zusammen mit der Feuerwehr am Samstag gegen 15:00 Uhr die Rührbergstrecke aus Richtung Wyhlen und Inzlingen. Um weitere Gefahren ausschließen zu können, führten Mitarbeiter der Gemeinde und des Landratsamtes Lörrach eine Ortsbegehung durch. Erst um 19:00 Uhr konnte die Rührbergstrecke für den Verkehr wieder freigegeben werden.

Ein heftiges Unwetter hat am Samstagabend auch über Pfullingen - südlich von Stuttgart - getobt. Dort traten zwei Bäche über die Ufer und fluteten Straßen und Keller. «Mehrere Menschen sitzen in Tiefgaragen fest und könnnen nicht raus», sagte ein Sprecher der Feuerwehr.Die Wasserstände von Echaz und Eierbach lagen zeitweise zwei Meter über dem Normalwert. Die Feuerwehr war unterunterbrochen im Einsatz, um überflutete Keller und rund ein Dutzend Tiefgaragen abzupumpen, weggespülte Fahrzeuge zu bergen und einen Kellerbrand zu löschen. In der 18.000-Einwohner-Gemeinde gingen 400 Notrufe ein. An mehr als 200 Einsatzstellen leisteten die Feuerleute Hilfe. 

Feuerwehrkräfte versuchen nach einem Starkregen in Pfullingen (Baden-Württemberg) eine überschwemmte und verschlammte Straße zu reinigen.
Feuerwehrkräfte versuchen nach einem Starkregen in Pfullingen (Baden-Württemberg) eine überschwemmte und verschlammte Straße zu reinigen. | Bild: Andreas Rosar (dpa)

Fahrzeuge stehen nach einem Starkregen in einem Parkhaus in Reutlingen unter Wasser.
Fahrzeuge stehen nach einem Starkregen in einem Parkhaus in Reutlingen unter Wasser. | Bild: Andreas Rosar (dpa)

Überflutungen und Hochwasser gab es vor allem in Karlsruhe: Die Schifffahrt auf dem Rhein ist bei Karlsruhe wegen der Unwetterfolgen erneut gestoppt worden. Der Pegelstand überschritt in der Nacht zum Sonntag die Grenzmarke von 7,50 Metern, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Daher dürfen zwischen Iffezheim und Germersheim keine Schiffe mehr fahren. Der Rhein wird laut dem Sprecher voraussichtlich am Montagmittag wieder freigegeben. Am Sonntagmorgen lag der Pegel in Maxau bei 7,63 Meter.

...und Überschwemmungen in ganz Deutschland

Die Karl-May-Spiele von Bad Segeberg hielten bis zur Pause durch - danach war Schluss. Wegen des starken Regens war ein Weiterspielen in dem Freilichttheater unmöglich, wie die Veranstalter am Samstagabend entschieden. «Bei diesem sintflutartigen Regen, der da plötzlich einsetzte, konnten wir nur absagen», sagte Geschäftsführerin Ute Thienel später. Trotz der Unwetter tagsüber waren am Abend rund 7000 Zuschauer in die Arena am Kalkberg in Schleswig-Holstein gekommen.

Besucher der Karl-May-Spiele Premiere "Der Schatz im Silbersee" sitzen in Regenkleidung in der Kalkberg-Arena. Nach der Pause musste die Aufführung wegen Starkregens abgebrochen werden.
Besucher der Karl-May-Spiele Premiere "Der Schatz im Silbersee" sitzen in Regenkleidung in der Kalkberg-Arena. Nach der Pause musste die Aufführung wegen Starkregens abgebrochen werden. | Bild: Markus Scholz (dpa)

In Straubing in Niederbayern machte das schlechte Wetter den Besuchern eines Volksfestes einen Strich durch die Rechnung. Familien mit kleinen Kindern wurden am Samstagabend aufgefordert, nach Hause zu gehen. Bei den Rettungskräften in der Region gingen in der Zeit von 18.30 bis 22.30 Uhr rund 420 Notrufe ein, wie die Polizei mitteilte. Der Regen machte Straßen unbefahrbar und flutete Keller. Blitze schlugen in Gebäude. Kleinere Orte waren am Abend ohne Strom.

In Rheinland-Pfalz wurden am Samstagmorgen zehn Menschen bei einem Zugunglück verletzt, weil ein Regionalexpress wegen eines Erdrutsches entgleiste. Der Regionalexpress entgleiste nach Angaben der Deutschen Bahn auf der Rheinstrecke zwischen Oberwesel und Bacharach. Bei dem Unglück wurden nach Angaben der Bundespolizei zehn Menschen verletzt. In der Region hatten die schweren Unwetter zu einer Reihe von Erdrutschen geführt und Gleise unterspült.

Erstmal keine Besserung in Sicht - Wo bleibt der Sommer?

Heute ist es zunächst freundlich, am Nachmittag ziehen im Westen Schauer auf und es kann lokal auch mal blitzen und donnern. Schwere Unwetter sind aber keine mehr dabei. Zum Public Viewing beim Deutschlandspiel sollte man aber vorsichtshalber auf Regenkleidung zurückgreifen. Gegen 17:00 Uhr besteht fast überall ein kleines Schauerrisiko, stellenweise kann es auch ein kurzes Gewitter geben. Das Wetter am kommenden Montag bringt uns 17 bis 25 Grad. Der Tag startet freundlich, danach gibt es aber Schauer oder längere Zeit Regen. So dümpelt dann auch die gesamte letzte Juniwoche vor sich hin und auch zum Julistart wird es nicht besser. Neue Hitze ist erstmal nicht in Sicht. Bleibt nur zu hoffen, dass der Sommer und die Sonne bald zu uns zurückkehren - dieses Mal aber bitte ohne Unwetter-Katastrophen.