Wie bitte? „Boris Godunow“, in der Regie von Barrie Kosky als Eröffnungspremiere? In diesem September? Am Opernhaus Zürich geschieht genau dies. Wer nun aber vor dem inneren Auge bereits massive Aerosol-Wolken von Chorsängern auf sich zufliegen sieht oder um die Gesundheit der Orchestermitglieder bangt, weiß wohl noch nicht: Die Kollektive Chor und Orchester sind gar nicht im Haus.

Sie singen und spielen in dem Großformat von Modest Mussorgski in einem fünf Gehminuten entfernten und groß dimensionierten Orchesterprobenraum, der zu einem Aufnahmestudio umgebaut worden ist. Ohne Verzögerung werden die Klänge ins Opernhaus übertragen, auf dessen Bühne gleichzeitig die Sängerdarsteller wirken. Hinzu kommen weitere Schutzmaßnahmen.

Der Chor im Audiostudio des Opernhauses. Hier können die Mitglieder mit genügend Abstand voneinander singen.
Der Chor im Audiostudio des Opernhauses. Hier können die Mitglieder mit genügend Abstand voneinander singen. | Bild: Andrin Fretz

Aus diesem Konzept resultiert auch eine Planungssicherheit für die ganze Spielzeit. Denn entsprechend dem Entwicklungsstand der Pandemie könnten die Instrumentalisten und Chorsänger jederzeit wieder „heimkehren“, ohne dass deshalb Anpassungen am jetzigen Spielplan vorgenommen werden müssten.

Nachgeholt wird jetzt die im April ausgefallene Premiere der Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kalman, in der Annette Dasch die Titelfigur gibt. Als Film-Opern-Projekt aufersteht die Barockoper „L‘Olimpiade“ von Giovanni Battista Pergolesi.

Regisseur David Marton reagiert künstlerisch auf die szenischen Corona-Abstandsregeln, indem er auch Dokumentarfilmaufnahmen nutzt. Hausherr Andreas Homoki (Inszenierung) und Generalmusikdirektor Fabio Luisi machen Verdis Dreiakter „Simon Boccanegra“ zur Chefsache.

Gaetano Donizettis „Maria Stuarda“ mit Diana Damrau in der Titelrolle (rechts) ist ab 27. September wieder am Opernhaus zu sehen.
Gaetano Donizettis „Maria Stuarda“ mit Diana Damrau in der Titelrolle (rechts) ist ab 27. September wieder am Opernhaus zu sehen. | Bild: Monika Rittershaus/Dominic Büttner

Als dritte gemeinsame Arbeit für das Opernhaus zeigen Christoph Marthaler (Regie) und Anna Viebrock (Ausstattung) Glucks „Orphée et Euridice“. Sebastian Baumgarten inszeniert die 1966 uraufgeführte Oper „Amerika“ von Roman Haubenstock-Ramati. Kafkas gleichnamiges Romanfragment wird hier mit Raumklangkonzepten verbunden.

In einer Neuinszenierung von Offenbachs „Les contes d‘Hoffmann“ durch Andreas Homoki singt der Tenor Saimir Pirgu den Dichter Hoffmann. Christof Loy bringt das einaktige Konversationsstück „Capriccio“ von Richard Strauss auf die Bühne. Dirigentin Speranza Scapucci und Regisseurin Tatjana Gürbaca zeichnen als Leitungs-Duo einer neuen „Lucia di Lammermoor“ von Donizetti.

Georg Friedrich Händels „Alcina“ mit Cecilia Bartoli steht in der kommenden Saison auch wieder auf dem Spielplan der Oper Zürich.
Georg Friedrich Händels „Alcina“ mit Cecilia Bartoli steht in der kommenden Saison auch wieder auf dem Spielplan der Oper Zürich. | Bild: Andrin Fretz

Ballettdirektor Christian Spuck deutet den Klassiker „Dornröschen“ neu. In einer zweiten Ballettpremiere fahnden die Choreografen Jo Strømgren, Louis Stiens und Itzik Galili nach den Geheimnissen der Liebe. Ein weiterer dreiteiliger Ballettabend titelt nach dem Tanzstück „Walking Mad“ des Schweden Johan Inger. Ferner gibt es Familienopern, Konzerte, Liederabende und natürlich Wiederaufnahmen – darunter auch Händels „Alcina“ mit Cecilia Bartoli.

Weitere Informationen: http://www.opernhaus.ch

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