Im Königsdrama um den britischen Prinzen Harry und seine Frau, Herzogin Meghan, steigt die Betriebstemperatur. Als alte weiße Frau traut man sich kaum noch, die einfache Frage zu stellen: Was eigentlich soll so schlimm daran sein, sich über das Aussehen eines neuen Babys Gedanken zu machen? Es spekuliert doch jede Familie: Gerät das Kind nach Mutter oder Vater, welche Farbe haben Augen und Haare? Und was die Hautfarbe betrifft: Haben Meghan und ihr Prinzgemahl nicht registriert, dass ihr Erstgeborener als Bub of Color im Palast doch herzlich willkommen war?

Nun ist die königliche Familie keine normale Familie, sondern ein Vorbild, an dem sich Normalfamilien orientieren. Deshalb das breite öffentliche Interesse an den Royals. Davon profitierte schon der Dichter William Shakespeare mit seinen „Rosenkrieg“-Dramen, randvoll mit mordenden, geisteskranken und machtbesessenen Königen. Harry und Meghan, clever genug, spielen ein anderes Stück: die Tragödie von Romeo und Julia. Ein Liebespaar gegen das Herrscherhaus. Allein gegen alle. Diese Geschichte müsste Solidarität eigentlich geradezu erzwingen!

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Ihr Problem ist nur: Sie wählen als Bühne den Boulevard und als Richter ausgerechnet jene Instanz, von der sie zuvor verfolgt worden sind – die Medien-Öffentlichkeit. Und weil sie sich auf dieses schmierige Pflaster begeben haben, müssen sich jetzt fiese Fragen gefallen lassen.

Also: Harry will nicht, dass es Meghan so ergeht wie Diana. Aber missbraucht er damit nicht das Schicksal seiner toten Mutter als Durchlauferhitzer? Und Meghan: Warum heizt sie als werdende Mutter die bösartige Gerüchteküche an? Wer genau hatte Bedenken wegen der Hautfarbe? Gab es überhaupt solche Bedenken, inwieweit waren sie fundamental – oder springen hier Romeo und Julia nur auf das Trittbrett der Rassismus-Debatte auf?

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Dass Meghan ihre Gefühle der Öffentlichkeit anvertraut, mag manchem Publikum schmeicheln – ist aber letztlich emotionale Erpressung. Denn den Gefühlen anderer kann niemand widersprechen. Und ihre Aussage, dass sie mit ihren Selbstmord-Gedanken keine Hilfe im Königshaus fand, kann nur heißen: Ihr Fernsehzuschauer, ihr seid meine einzige Hilfe! Ein Schuft, wer ihr da nicht beispringt.

Wer sich als Opfer hinstellt (wie einst mit größerem Recht Lady Diana im BBC-Interview 1995), hat das Publikum stets auf seiner Seite. Allerdings wäre es dumm, Meghan ein arglistiges Täuschungsmanöver zu unterstellen. Der Fernseh-Soap-Star Markle glaubt wie jede Schauspielerin an die Rolle, die sie spielt. So stark, dass ihr die Tränen kommen. Chapeau. Was aber echt ist und was gespielt, das werden wir wohl nie erfahren.