Was ist Liebe? Und wie lieben wir heute? Diese Fragen haben wir Menschen aus unserer Region gestellt. Manche Antworten zeigen, wie stark sich die Vorstellungen in den vergangenen Jahren verändert haben.

"Mir fehlt nichts"

Achim Schwinghammer, 44, kommt aus Engen und ist bekennender Single.

Achim Schwinghammer
Achim Schwinghammer | Bild: Jürgen Waschkowitz

Ich bin selbstständig und habe mich in den vergangenen zehn Jahren sehr auf meinen Beruf konzentriert. Für eine langfristige Beziehung war da einfach zu wenig Zeit. Und ehrlich gesagt ist mir das mit den Beziehungen auch immer ein bisschen zu kompliziert.

Früher ist man als Jugendlicher einfach mit 20 Freunden rausgegangen und hat Mädchen kennengelernt. Heute gibt es Facebook und Co, diese ganzen Portale im Internet. Dabei muss ich einem Menschen doch Auge in Auge begegnen, um erkennen zu können, ob die Chemie stimmt!

Eine Frau zu finden, das wird ohnehin immer schwieriger, je älter man wird. Zum einen, weil man selbst so seine Macken hat, zum anderen, weil man die Macken der anderen immer weniger erträgt. Als junger Mensch ist man da noch unbedarft.

Hinzu kommt: Hast du erst mal eine Zeit lang alleine gewohnt, bringt ein neuer Partner deine gewohnte Ordnung durcheinander. Auch daran musst du dich erst mal gewöhnen.

Ich habe gelernt, es gelassen zu nehmen, dass meine Beziehungen selten länger als fünf Monate halten. Ich suche nicht mehr verzweifelt nach der Frau meines Lebens, sondern lasse es einfach auf mich zukommen: Entweder begegne ich ihr noch oder eben nicht. Ich habe genügend anderes zu tun, mir fehlt nichts.

"Wir glauben an die Liebe bis ans Lebensende"

Carlotta Orlando und Henri Ibi (beide 29) aus Konstanz schmieden gerade Hochzeitspläne.

Carlotta Orlando und Henri Ibi
Carlotta Orlando und Henri Ibi | Bild: Jana Mantel

Liebe ist das Wichtigste in unserem Leben! Wir kennen uns seit acht Jahren und auf die Frage warum wir heiraten wollen, stellen wir die Gegenfrage: Warum nicht?

Wir haben uns beim Studium in Rom kennengelernt und schon an mehreren Orten zusammengewohnt. Wir sind einfach gern zusammen und möchten für den anderen einstehen. Und natürlich glauben wir an die Liebe, die bis an das Lebensende reicht!

Wenn beide Partner bereit sind Kompromisse einzugehen, auf Dinge verzichten können und bereit sind alles zu teilen – dann kann das funktionieren! Daran glauben wir ganz sicher!

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Es stimmt, dass das Heiraten etwas aus der Mode gekommen ist, das finden wir schade! Denn, wenn man doch sicher ist, dass man mit dem anderen zusammen leben will – warum dann nicht heiraten?

Ebenso finden wir es wunderbar, dass in Deutschland mittlerweile auch gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen werden können! Jeder, der möchte, kann nun vor dem Gesetz ein Paar werden und diese Beziehung legalisieren lassen. Das finden wir überhaupt nicht altmodisch, sondern ganz im Gegenteil wunderbar! Wir freuen uns jetzt schon auf unsere Hochzeit im nächsten Jahr!

"Wir werden immer noch oft angestarrt"

Andreas Bühler, 26, aus Bad Säckingen und Philip Richert, 24, aus Tiengen sehen eine gewandelte Einstellung gegenüber homosexuellen Paaren.

Andreas Bühler (links) und Philip Richert (rechts)
Andreas Bühler (links) und Philip Richert (rechts) | Bild: Andreas Bühler

Das größte Ziel im Leben ist es, glücklich zu sein. Der Weg dorthin ist individuell. Für uns ist es ein großes Glück, dass wir uns durch Zufall kennengelernt und ineinander verliebt haben.

Die Zukunft kennt niemand, aber wir genießen unsere gemeinsame Zeit sehr und hoffen, dass dies ein Leben lang anhält. Die Voraussetzungen dafür bringen wir mit. Wir teilen ähnliche Wertvorstellungen, können uns gut aufeinander einlassen und nehmen uns selbst nicht allzu ernst.

Schön ist, dass sich unsere Gesellschaft in dieser Hinsicht auch gewandelt hat. Heute wird nicht mehr unbedingt erwartet, dass man früh heiratet, ein Haus baut und Kinder bekommt, dazu am besten noch Karriere macht. Damit sind viel mehr Möglichkeiten offen, und wir glauben, dass damit auch mehr Menschen ihr Glück finden.

Zwar werden wir beide, wenn wir Hand in Hand unterwegs sind, immer noch oft angestarrt, aber nicht offen attackiert – ganz im Gegenteil. Die meisten Reaktionen sind positiv, und wir hoffen, dass sich unsere Gesellschaft weiter in Richtung Akzeptanz und Vielfalt entwickelt.

"Leute lächeln uns an"

Christin Löhner, 47, wohnt in Stockach und hat im Herbst ihre Frau Michelle geheiratet. Es war die erste Trauung eines gleichgeschlechtlichen transsexuellen Paars in Baden-Württemberg.

Christin Löhner und ihre Frau Michelle
Christin Löhner und ihre Frau Michelle | Bild: Christin Löhner

Das ist jetzt schon meine dritte Ehe, aber ich hoffe, dass sie lange hält. Ich glaube auf jeden Fall an die eine große Liebe. Meine Frau habe ich in einer Selbsthilfegruppe kennengelernt. Ein halbes Jahr lang haben wir uns jeden Monat gesehen, aber mehr als ein „Hallo“ und „Tschüss“ gab es nicht.

Anfangs passte sie auch nicht in mein Beuteschema. Dann ging es mir seelisch sehr schlecht, und sie war für mich da, hat mich den ganzen Tag mit lieben Worten vollgetextet. Da habe ich gemerkt, was ich an ihr habe.

Sonst musste immer ich die Verantwortung tragen. Jetzt darf ich auch mal das verletzliche Prinzesschen sein. Ich begleite viele transsexuelle Menschen und höre immer wieder von den Problemen, die sie mit Toleranz und Akzeptanz haben, auch in der eigenen Familie. Bei uns ist das völlig anders – wir werden verstanden und akzeptiert.

Die Leute lächeln uns an und interessieren sich für uns – das ist wunderschön. Am Tag unserer Hochzeit hat uns ein Unbekannter von der anderen Straßenseite „Alles Gute zur Hochzeit“ zugerufen. Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Die Akzeptanz ist viel größer geworden, was vor allem auch daran liegt, dass diese Themen in den Medien angekommen sind.