Auf einem alten Foto strahlen die beiden Geschwister in Cowboy-Kostümen glücklich in die Kamera. Schaut man sich Franz (Sebastian Fräsdorf) und Lilly (Karin Hanczewski) heute an, könnte man denken, dass sie sich ihren Kindheitstraum erfüllt haben. Im lässigen Trab reiten die beiden ihr Weideland irgendwo im wilden Osten Deutschlands ab, wo nur die nahe gelegene Autobahn an das hektische Leben der Restbevölkerung erinnert.

Bruder und Schwester haben den Rinderzuchtbetrieb des Vaters übernommen, als der nach einem Unfall seine Beine nicht mehr bewegen konnte. Das Dach des Stalls ist löchrig, und der alte Hof mit seiner Holzveranda erinnert eher an eine Western-Ranch als an einen modernen Landwirtschaftsbetrieb.

Er ist zufrieden, sie nicht

Franz ist zufrieden mit dem ökonomischen Status quo, der ihm ein bescheidenes Landleben und ein gelegentliches Whisky-Besäufnis in der der Dorfkneipe sichert. Lilly hingegen will mehr, träumt von einem gut organisierten Fleischverkauf, von Anerkennung und Veränderung. Die tritt in Form des Musikers Chris (Godehard Giese) in ihr Leben, der sie beim Dorffest auf die Bühne holt und mehr als eine Nacht in ihrem Bett verbringen will.

Franz glüht vor Eifersucht – nach einem heftigen Streit verlässt Lilly den Hof. Als sie Monate später dorthin zurückkehrt, ist aus dem Cowboy-Bruder ein kleiner Spießer geworden, der nun mit der Buchhalterin Sophie (Jenny Schily) zusammenlebt und Vieh und Hof verkaufen will.

Franz (Sebastian Fräsdorf, links) und Lilly (Karin Hanczewski) führen zusammen eine Rinderzucht.
Franz (Sebastian Fräsdorf, links) und Lilly (Karin Hanczewski) führen zusammen eine Rinderzucht. | Bild: Kinostar Filmverleih GmbH / dpa

Schon in seinem Kinodebüt „Im Sommer wohnt er unten“ hat Tom Sommerlatte die Dynamik geschwisterlicher Beziehungen untersucht, und auch in seiner zweiten Regiearbeit „Bruder Schwester Herz“ bleibt er diesem Themenfeld treu.

Als tragikomischer Inzest-Western ist der Film angelegt, in dem die enge emotionale Abhängigkeit zwischen Bruder und Schwester durchaus auch amouröse Züge trägt. Leider sind die Liebesverhältnisse, die zur Geschwisterbeziehung in Konkurrenz gebracht werden, mit dem Provinz-Rockmusiker und der kontrollsüchtigen Hofbuchhalterin etwas zu schematisch ausgefallen, um interessante Konflikte zu generieren.

Die Hauptdarsteller überzeugen

Während die Story wie eine misslungene Familienaufstellung wirkt, bringen Sebastian Fräsdorf und Karin Hanczewski mit ihrem schnörkellosen Spiel zumindest punktuell ein gewisses Maß an emotionaler Glaubwürdigkeit ins Geschehen ein. Auch die sonnendurchfluteten Bilder, die sanft-ironisch mit klassischen Western-Motiven spielen, entfalten reizvolle Schauwerte, die ein wenig über die dramaturgische Bemühtheit hinweg trösten.