Die Fußball-Hymne „You’ll Never Walk Alone“ kennt jeder. Gerry & the Peacemakers brachten das Stück Anfang der 60er-Jahre in die Charts, es gab Versionen von Frank Sinatra, Doris Day und anderen. Das Original jedoch stammt von Richard Rodgers (Musik) und Oscar Hammerstein II. (Text). „You’ll Never Walk Alone“ ist der zugkräftigste Song ihres Musicals „Carousel“, uraufgeführt 1945 am Broadway, vielfach nachgespielt – jetzt auch vom Theater Basel.

„You’ll Never Walk Alone“: Großer Auftritt für Cheryl Studer. Die pfundige Mezzosopranistin singt und spielt die Café-Besitzerin Nettie Fowler. Mit dem Lied will sie die schwangere Fabrikarbeiterin Julie trösten. Julie war Billy verfallen, Karussell-Ausrufer, Schläger, Charmeur. Nach einem misslungenen Raubüberfall auf den Fabrikbesitzer nahm sich Billy das Leben. Man kennt Billys Geschichte auch unter dem Titel „Liliom“, einem Theaterstück von Ferenc Molnár, mehrfach verfilmt. Ein bekanntes Drama, publikumswirksame Filme, ein erfolgreiches Musical mit einem Song, der zur Fußball-Hymne wurde – eine Steilvorlage für das Theater. Dennoch geht der Schuss daneben.

Man wollte mit dem Musical die Stärke des Drei-Sparten-Theaters beweisen. Schauspiel, Tanz und Gesang, alles drin. Doch zu erleben war letztlich nur, dass die hauseigene Produktion des Basler Stadttheaters den Kommerz-Musicals, die am Basler Musical-Theater gastieren, nicht gewachsen ist. Dass ein Stadttheater-Musical in Bezug auf Equipment, Präzision und Perfektion nicht mit der globalen Unterhaltungsindustrie mithalten kann, war absehbar. Dass allerdings Regie (Alexander Charim) und Choreografie (Ballett-Chef Richard Wherlock) dieses Defizit nicht mit der Kraft ihrer Fantasie wettmachen, das war die große Enttäuschung dieses über dreistündigen Abends.

Bühnenbildner Stefan Mayer und Regisseur Alexander Charim verweigern mit einigem Recht den Musical-typischen Kulissenzauber, ohne jedoch an dessen Stelle eine beeindruckende Grundidee zu setzen. Augenscheinlich wollte man zeigen, dass dieses Musical nur ein künstliches Artefakt ist. Das Karussell ist ein leeres Metallgerüst mit bunten Lampen. Die Frauen arbeiten, die Männer lungern herum, das Grundmotiv von der Arbeiterin und dem Hallodri vervielfachend. Im zweiten Teil mischt sich die Theater-Inspizientin ein: „Umbau zum Himmel.“ Der Himmel, wo sich Billy nach seinem Selbstmord befindet, ist die leere Bühne.

„You’ll Never Walk Alone“? Gute Geister jedenfalls begleiteten diese Premiere nicht. Der Hauptdarsteller meldete sich krank. Bariton Stefan Zenkl, eingesprungen für Christian Miedl in der Rolle des Billy, war ein guter, aber kein ausreichender Ersatz. Der formidable Bariton tat, was er ohne Proben konnte. Seine Versiertheit rettete die Premiere.

Das Musical ist ein sehr eigenes, anspruchvolles Genre. Schauspieler müssen singen können, Sänger zum Spielen gebracht werden. Es braucht geübte Musical-Regisseure. Ein solcher ist Alexander Charim nicht. Zur Pause hatten die ersten Zuschauer die Premiere verlassen, aber „You’ll Never Walk Alone“: Am Ende spendete das gut gelaunte Publikum einen dicken Applaus.

Weitere Aufführungen am 20., 22., 28. und 31. Dezember 2016 sowie am 2., 7., 15. und 30. Januar 2017. Karten und Informationen im Internet auf www.theater-basel.ch