Im Jahr der Europawahlen setzt das Bodenseefestival auf die drei Länder der Benelux-Union. Belgien, die Niederlande und Luxemburg bilden in diesem Jahr zusammen den Länderschwerpunkt. Dass der Zusammenschluss der drei Staaten, auch wenn er für die heutige EU wegweisend gewesen sein mag, in erster Linie ein wirtschaftliches Bündnis ist und nicht von einer gemeinsamen kulturellen Identität zeugt, wollen die Veranstalter dabei gar nicht leugnen.

Im Gegenteil. Sie wollen die kulturelle Vielfalt, die in jedem dieser Länder steckt, an den Bodensee bringen. Die niederländische Violinistin Janine Jansen machte beim Eröffnungskonzert im Friedrichshafener Graf-Zeppelin-Haus den Anfang. Bei der Eröffnungsfeier vorab gab auch der luxemburgische Pianist und Elektro-Künstler Francesco Tristano Kostproben seines Könnens. Rund 70 Veranstaltungen werden bis zum 10. Juni folgen.

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Jansen und Tristano sind die Artists in Residence des Bodenseefestivals. Wobei im Falle der prominenten und entsprechend gut gebuchten Geigerin Jansen kaum von „Residence“, also einem Aufenthalt vor Ort, die Rede sein kann. Eine handvoll ausgewählter Konzerte wird sie in den nächsten Wochen im Festival geben. Die allerdings dürften sich lohnen. Zumindest wenn man von ihrem fulminanten Auftritt beim Eröffnungskonzert mit dem SWR Symphonieorchester unter Leitung von Christoph Eschenbach auf das Kommende schließen mag.

Populäres Programm

Sie spielte das Violinkonzert des Finnen Jean Sibelius, das als Paradebeispiel für nordisches Komponieren gilt. Weite, einsame Landschaften scheinen sich in der Musik zu entrollen. Janine Jansen entwickelt ihr Solo entsprechend wie aus dem Nichts heraus. Trotzdem bietet ihre Interpretation viel mehr als die Bestätigung von Klischees. Von Einsamkeit kann auch insofern nicht die Rede sein, als Jansen immer den Kontakt zum Orchester sucht, so als wolle sie die Mitmusiker zur Diskussion auffordern. Ihr Spiel ist klar, fordernd, aber immer auch einfühlsam. Und niemals übertrieben sentimental. Selten trifft man auf solche Solisten, die einerseits eine klare Führungsrolle übernehmen, sich zugleich aber auch als Teil eines Ganzen begreifen. Sibelius' Konzert tut das sehr gut.

Überaus populär war auch das weitere Programm des Eröffnungskonzerts. Vor dem Sibelius-Konzert erklang Carl Maria von Webers „Freischütz“-Ouvertüre, danach noch Antonin Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Da hieß es für das SWR Symphonieorchester, nicht einfach in Routine zu verfallen. Doch der Gedanke daran war schon nach wenigen Takten gebannt. Der 79-jährige Christoph Eschenbach legte am Dirigentenpult die Agilität eines Jungspunds vor und schöpfte die komplette Bandbreite an Dynamik und Ausdruck aus. Nicht nur die Ecksätze mit den mitreißenden Ohrwurmthemen kamen so zur Geltung. Vor allem der langsame zweite Satz überzeugte durch seinen konzentrierten, introvertierten Ton. So frisch und unverbraucht können vielgespielte Klassiker klingen.

Das Programm des Festivals: http://www.bodenseefestival.de