Wie schafft man Musik über die Grenze? Das ist manchmal gar nicht so einfach. Musiker jedenfalls wissen, was es bedeutet, mit teuren Musikinstrumenten aus der Schweiz nach Deutschland einzureisen oder umgekehrt. Da sind Bescheinigungen und Zertifikate gefordert, um die Legalität zu belegen. Musik überschreitet Grenzen? Ja, als Metapher mag das durchgehen. Aber sonst?

Nun hatten die Höri Musiktage eine Idee, wie Musik tatsächlich Grenzen überwinden könnte. „Schallwellen im Trialog um die Seegrenze“ heißt das Projekt, das bei schönstem Sommerabendwetter an den Seeufern um die Insel Werd (bei Stein am Rhein) stattfand. Drei Bläserquartette, bestehend aus je zwei Trompeten und zwei Posaunen, positionierten sich gerade noch in Sichtweite voneinander auf der kleinen Insel und den beiden gegenüberliegenden Ufern des Rheins und traten in einen musikalischen Trialog. So trug das Wasser Fanfarenklänge von Richard Wagner und Benjamin Britten oder Märsche von Telemann von einem Ufer zum anderen. Dazwischen auch ein paar Klassik-Hits wie Ausschnitte aus Beethovens Pastorale oder aus Händels Feuerwerksmusik.

Video: Schwind, Elisabeth

Konzipiert war das Ganze von dem Posaunisten Philipp Limberger. Und auch wenn die drei Standorte der Quartette alle in der Schweiz lagen, darf man doch davon ausgehen, dass der Klang auch noch im Strandbad Öhningen zu hören war. Denn Schall kennt de facto keine Grenzen – außer der Schallgrenze, doch die lag hier noch weit weg.

Mal also kamen die Klänge von links, mal kam die Antwort von rechts – zumindest, wenn man auf der Insel Werd Platz genommen hatte, direkt vor dem kleinen Kloster mit der Kapelle. Mehr Idylle geht nicht. Das gilt natürlich auch für die akustische Idylle. Dass sich Wind und Wasservögel in das Konzert einmischen und mitmusizieren würden, war mit einkalkuliert. Letztlich aber blieb es doch erstaunlich ruhig – offenbar lauschte auch die Natur andächtig dem Kulturereignis, über das sich allmählich die Nacht senkte.

Eines der Quartette war auf der Uferwiese Moosberger platziert.
Eines der Quartette war auf der Uferwiese Moosberger platziert. | Bild: Elisabeth Schwind

Am schönsten gelang der musikalische Trialog dort, wo nicht nur Stücke wie die „12 Heroic Marches“ von Telemann auf die drei Ensembles verteilt wurden, sondern sie sich tatsächlich in Rede und Gegenrede übten – wie etwa in der barocken Fanfare von Jean-Joseph Mouret.

Der dramaturgische Bogen erstreckte sich über einen ganzen Tag – von Bachs Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ bis hin zum „Abendgebet“ aus Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, zu dem sich alle Musiker auf der Insel Werd versammelten. Ja, nicht nur Grenzen wurden hier überschritten, sondern auch die Zeit.

Die Höri-Musiktage dauern bis 11. August. Infos: http://www.hoeri-musiktage.de