Man wusste zwar von der Liebe vieler Franzosen zu Froschschenkeln und in Knoblauchbutter getränkten Weinbergschnecken – also einer für deutsche Gaumen manchmal gewagten Auslegung von gutem Essen.

Aber manche Dinge hätte man hier trotzdem nicht erwartet. Ausgerechnet in Frankreich, dem Land der Gourmets und Gastronomietempel, sollen gegrillte Grashüpfer, Stierhoden oder ein Schafsauge, adrett angerichtet in Tomatensaft, auf dem Teller landen?

Schafsauge in Tomatensaft – eine Spezialität aus der Mongolei.
Schafsauge in Tomatensaft – eine Spezialität aus der Mongolei. | Bild: Loic Venance / AFP

Sie tun es zumindest zu Vorführzwecken bei der Wanderausstellung „Disgusting Food Museum“ (Museum für widerliches Essen), die derzeit in Nantes Station macht. Gezeigt werden nicht vorrangig französische Spezialitäten, auch wenn ein Tartar-Steak oder die beliebte Gänsestopfleber nicht fehlen. Vielmehr stammen die Ausstellungsstücke aus aller Welt.

Casu Marzu, ein Schafskäse aus Sardinien, reift so lange, bis er Maden enthält.
Casu Marzu, ein Schafskäse aus Sardinien, reift so lange, bis er Maden enthält. | Bild: Loic Venance / AFP

Darunter ist eine nach kambodschanischem Rezept in Salz und Zucker eingelegte und dann in Knoblauchöl gebratene Tarantel, deren Beine laut Beschreibung knusprig sind und das Fleisch zart. Auch der Bauchbereich kann verzehrt werden, der „aus Organen, Exkrementen und eventuell Eiern“ besteht – wollte man das so genau wissen?

Ein Rezept aus Kambodscha: frittierte Tarantel.
Ein Rezept aus Kambodscha: frittierte Tarantel. | Bild: Loic Venance / AFP

Oder die Larven von australischen Nachtfaltern, deren Textur im Inneren laut den Ausstellungsmachern an „gebratenes Eigelb“ erinnert. Zum Trinken gibt es chinesischen Reiswein mit eingelegten Mäusen. Beruhigend natürlich wirkt gegen solche Angriffe auf den – guten – Geschmack die „Stinky Toe Fruit“, eine nach stinkenden Zehen riechende Frucht von den Antillen.

Während ihr optisches Erscheinungsbild durchaus an Füße denken lässt, erinnere der süßliche Geschmack an Milchpulver, heißt es zur Erklärung, „mit einem Hauch von Parmesan und leicht pfeffrigen Kräutern“. 80 Beispiele für Essbares, dessen Anblick sensiblen Besuchern den Magen umdrehen dürfte, sind ausgestellt.

Babymäuse, eingelegt in Reiswein – in China wird das tatsächlich getrunken.
Babymäuse, eingelegt in Reiswein – in China wird das tatsächlich getrunken. | Bild: Loic Venance / AFP

Passenderweise gibt es am Eingang statt eines Tickets Spucktüten, obwohl kein Besucher die Ausstellungsstücke schlucken muss. Für drei Euro kann er allerdings einige davon probieren, von der stark gesalzenen Lakritze aus Finnland bis zu vergorenem Haifischfleisch.

Vor allem aber soll er zum Nachdenken über seine eigenen Prägungen angeregt werden. „Was am Ekel fasziniert, ist, dass er kulturell bestimmt wird: Dinge, mit denen Sie aufgewachsen sind, werden Sie köstlich finden, während Sie etwas Fremdes, Verrücktes oder Andersartiges eher als ekelhaft wahrnehmen“, erklärt der Kurator der Ausstellung, Samuel West.

Chefkurator Samuel West (links) und Andreas Ahrens, Direktor des schwedischen „Disgusting Food Museums“ in Malmö.
Chefkurator Samuel West (links) und Andreas Ahrens, Direktor des schwedischen „Disgusting Food Museums“ in Malmö. | Bild: Loic Venance / AFP

Diese stammt aus dem gleichnamigen „Disgusting Food Museum“, das vor einem Jahr im schwedischen Malmö eröffnet wurde und seither rund 40.000 Besucher anzog. Laut Museumsdirektor Andreas Ahrens will es „die Menschen zu der Erkenntnis bewegen, dass wir uns neuen Proteinquellen zuwenden müssen, die besser für die Umwelt sind“. Als Beispiele nennt er Insekten und künstliches Fleisch.

In Nantes wird die kostenlose Ausstellung, die noch bis 3. November 2019 gezeigt wird, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Les Tables de Nantes“ (Die Tische von Nantes) gezeigt. Diese will sensibilisieren in Zeiten, wo die Landwirte immer weniger von ihrem Beruf leben können und sich viele Konsumenten zugleich immer mehr für das interessieren, was sie täglich essen.

Für uns unglaublich, aber wahr: Süßkram aus Gelatine mag nicht jeder.
Für uns unglaublich, aber wahr: Süßkram aus Gelatine mag nicht jeder. | Bild: Loic Venance / AFP

Die Veranstaltung in der westfranzösischen Stadt, die sich durch ihren großen Hafen auf eine lange Tradition beim Handel mit Nahrungsmitteln sowie deren Weiterverarbeitung stützt, möchte daher ein Ort sein, der all diese Fragen aufwirft und zu Debatten anregt. Die Ausstellung zieht im Anschluss weiter nach Las Vegas.