Eishockey: Mit gerade einmal 25 Jahren ist Troy Bourke für einen ausländischen Spieler der DEL noch relativ jung, trotzdem wagte er den Schritt zu den Wild Wings. Wie zieht es jemanden, der eine Stunde nordwestlich vom kanadischen Edmonton in einem kleinen Ort mit vielen Farmen und rund 900 Einwohnern lebt, nach Schwenningen? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ich wollte einfach was Neues ausprobieren. Und Deutschland ist eine gute, nordamerikanisch geprägte Liga. Da wollte ich hin“.

Die Neugier ist Bourke anzumerken. Obwohl der Angreifer selbst sehr gerne kocht, erkundigt er sich nach Restaurants in der Gegend, in denen er die deutsche Küche noch besser kennenlernen kann: „Alles, was ich bisher probiert habe, war sehr lecker.“ Besonders gut findet Bourke, dass man alle Sachen frisch einkaufen und direkt weiterverarbeiten kann.

Die Begeisterung an seinem neuen Eishockey-Standort bekam zuletzt einen Dämpfer. Derzeit ist er gehandicapt, der rechte Arm steckt in einem Gipsverband. Was genau Bourke hat, möchte er nicht sagen, nur so viel: „Es ist nichts Schlimmes. Ich denke, in einer Woche kann ich wieder auf dem Eis voll mittrainieren.“ Bis dahin müsse er mehr Zeit im Kraftraum verbringen.

Trotz seines jungen Alters hat der 1,78 Meter große Bourke schon eine Menge Erfahrung sammeln können. 244 Spiele in der AHL und die Teilnahme bei zwei Nachwuchs-Weltmeisterschaften hat er bereits absolviert. Nun will er in Schwenningen weiter dazulernen. Vor allem, da er in der vergangenen Saison bei den Syracus Crunch in der AHL keinen Stammplatz mehr hatte und immer mal wieder in die niedrigere ECHL zu den Orlando Solar Bears „geschoben“ wurde. In der Neckarstadt soll nun ein Neustart her. Völlig begeistert ist der Kanadier von den Wild Wings-Fans: „So viele Leute bei Spielen kenne ich schon, doch in Nordamerika schauen sie eher ruhig zu und jubeln nur bei Toren. Hier sind sie positiv verrückt und pushen uns wirklich sehr“, war er vor allem beim Testspiel der Schwenninger in Bietigheim von der Masse der Fans beeindruckt. Doch auch die 2500 Zuschauer beim öffentlichen Eistraining in der Helios-Arena waren für die Nummer 70 der Wild Wings „überragend“.

Troy Bourke bezeichnet sich als ein Spielmacher, der noch häufiger selbst den Abschluss suchen sollte. „Da fehlt mir manchmal ein bisschen das Selbstbewusstsein“, weiß er, woran er arbeiten muss. Deshalb nimmt er hilfreiche Tipps der Mitspieler gerne entgegen. Ohnehin seien die Stimmung und der Zusammenhalt der neuformierten Wild Wings außerhalb der Eisfläche überdurchschnittlich. „Das wird uns auf dem Eis mit Sicherheit helfen“, ist der Linksschütze überzeugt, dass das Saisonziel Playoffs erreicht wird. „Mit diesem Team ist vieles möglich“, sagt Bourke voller Optimismus.

Wenn der 25-Jährige nicht gerade auf einer Eisfläche steht, hört er viel Musik, vor allem Country. Doch derzeit ist vor allem Videotelefonie mit der Familie und den Freunden in Kanada angesagt. Sein Bruder hat ihn aus Übersee in den Schwarzwald begleitet. Die Region um Schwenningen und um seinen neuen Wohnort Trossingen hat Bourke schon ein wenig kennengelernt. Doch er möchte noch mehr sehen, wann immer die Zeit es zulässt. In Deutschland will der neugierige Nordamerikaner Neues erleben – das gilt sowohl für die Eisfläche als auch das Leben abseits der Helios-Arena.