St. Blasien – Wie ein roter Faden zogen sich die Werke des belgisch-französischen Komponisten César Franck, der vor 200 Jahren geboren wurde, durch die Internationalen Domkonzerte 2022. Bei den Abschlusskonzerten war der Höhepunkt der Franck-Hommage erreicht, als der künstlerische Leiter Bernhard Marx die drei Choräle aus Francks Todesjahr 1890 in Kombination mit Choralvorspielen Bachs aufführte.

Die Besucherzahlen hätten noch nicht das Niveau der Vor-Corona-Ära erreicht, aber insgesamt könne man mit der Saison zufrieden sein, erklärte der Organist. Es habe sich bewährt, die Konzerte jeweils ab 17 und 20 Uhr aufzuführen. Dadurch habe man weitere Zielgruppen erreichen können, zum Beispiel Gäste aus der Region, die nach den Nachmittagskonzerten noch die Möglichkeit zur Rückkehr hatten. Natürlich sei es für die Musiker anstrengend, zweimal am selben Tag aufzutreten, und dies galt gerade für den Abschlusstag, denn Francks Choräle sind komplexe und aufwendige Werke.

Dass Kompositionen der Spätromantiker so oft mit Bach-Werken kombiniert werden, hat einen guten Grund, der besonders in dem Arnstädter Frühwerk „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ deutlich wurde: Der 18-jährige Bach war seiner Zeit etwa eineinhalb Jahrhunderte voraus, und seinen Zeitgenossen erschienen die Zwischenspiele zu wild und gefühlt improvisiert, die Harmonien zu entfernt und kühn.

Die gefälligere Seite Bachs

Die andere, gefälligere Seite Bachs zeigte Bernhard Marx in den populären Choralbearbeitungen „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und „Jesus bleibet meine Freude“. Die Melodien der Vorspiele sind so bekannt wie die Choräle selbst, und die Themen wechselten sich nicht nur ab, sondern wurden meisterhaft ineinander verwoben, wobei sie durch die Registrierungskunst des Organisten sehr klar zu verfolgen waren.

Klarheit und große suggestive Wirkung: Diese Qualitäten Bachs zeichnen auch die drei Choräle Francks aus, der die Themen nicht dem Fundus der Kirchenlieder entnommen, sondern selbst erfunden hatte. Bei diesem Konzert brachte Bernhard Marx die Qualitäten der Schwarz-/Klais-Orgel hervorragend zur Geltung: die Vielfalt der Farben, ihr überwältigendes Volumen und vor allem den romantischen Klangcharakter mit den sehr markanten Zungenregistern, die für das französisch-romantische Repertoire so typisch sind.

Als Zugabe spielte der künstlerische Leiter Bernhard Marx einen Ausschnitt aus Händels Feuerwerksmusik und Charpentiers „Te Deum“.