Unumstößlich bleibt die Tatsache, dass der Jubilar – mit seinem Tauftag am 12. August 1720 und seinem daraus ableitbaren Geburtstag einen Tag zuvor (die rasche Taufe nach der Geburt war seinerzeit üblich)– dank seines 300. Geburtstags im historischen Blickpunkt bleibt.

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Es gäbe ein wirksames Mittel, den Leser dieser Zeilen am Weiterlesen zu hindern: Es müssten nur die lateinischen Titel der rund 50 Bücher und Schriften von Martin Gerbert lückenlos aufgezählt werden. Doch kann aus dieser Vielzahl auf die Begabungen und Interessenvielfalt des einstigen Klostervorstehers geschlossen werden.

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Naheliegend hat er sich umfassend und teilweise für seine Zeit fast schon revolutionär mit Fragen des Glaubens, der Glaubensverkündigung, der Bildung und Unterweisung der Klosterinsassen und der Selbsteinkehr (Exerzitien und Meditation) beschäftigt. Viele Jahre vor seiner Wahl zum Fürstabt 1764 hat Martin Gerbert seine wissenschaftliche Schriftstellertätigkeit begonnen – in der Klosterzelle und in der Bibliothek, in die er sich tage- und wochenlang zurückzog, ohne die Pflichten als Theologieprofessor, Bibliothekar oder Fürstabt zu vernachlässigen.

Zahlreiche Reiseberichte

Über seine Reisen in alle wichtigen europäischen Regionen und Zentren bis hin zur Begegnung mit dem späteren Papst Pius VI. verfasste er zahlreiche Berichte. Diese Fahrten sind Ausdruck seines modernen Bestrebens, Länder und Menschen kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern. Seine Eindrücke, um deren Drucklegung er sich teilweise erst nach seiner Abtwahl kümmern konnte, spiegeln mit Tiefgang Kultur und Wesen der besuchten Regionen und Menschen wider; Wesentliches müsste heute nicht korrigiert werden. Gleiches gilt für seine „Geschichte des Schwarzwaldes“ mit dem Schwerpunkt der Besiedlung und Bildung durch die Benediktiner.

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Diese Schrift wurde aus dem schweren Spät- und Kirchenlatein von dem inzwischen verstorbenen Neustädter Lateinlehrer Adalbert Weh in zwei Bänden übersetzt und 1993 und 1996 vorgelegt. Zwei Texte beschreiben dabei ausführlich die Feierlichkeiten der Domweihe 1783 sowie die Überführung der Gebeine einiger Habsburger aus der Schweiz in eine vorläufige Gruft, die sich in etwa tief unter der Domorgel befindet .

Erkenntnisse und Ergebnisse zeitlos

Alle schriftlichen Werke vermitteln ausgeprägtes Interesse, Vielfalt der Begabung, Auseinandersetzung mit Regionen, Menschen und Kulturen. Die Schriften lassen zudem eine vornehme, objektive, manchmal wissenschaftlich distanzierte Betrachtungsweise Martin Gerberts erkennen. Umso gesicherter erscheint der nahezu zeitlose Gewinn seiner Erkenntnisse und Ergebnisse.

Neben seinen zahlreichen Schriftstücken, die von Fleiß und Disziplin zeugen, hinterließ der Fürstabt auch eine beeindruckende Fülle kirchenmusikalischer Kompositionen. Einige dieser Werke sind in den Hintergrund getreten, andere aber – sogar auf einer CD veröffentlicht – bleiben hörenswert. Im Rahmen einer Musikakademie im Jubiläumsjahr waren Erörterungen zum musikalischen Schaffen Gerberts vorgesehen.

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