Wenn die Sonne scheint, sind die Terrassen von Cafés und Gasthäusern oft voll, Autos mit auswärtigen Kennzeichen und zahlreiche Menschen mit Wanderschuhen und Rucksäcken sind unterwegs. Fast könnte man meinen, dass der Tourismus schon wieder an vor-Corona-Zeiten herankommt. Nur ein subjektiver Eindruck, oder ist da was dran? Wir haben bei den Tourismusprofis nachgefragt.

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„Am Anfang lief es schleppend, jetzt wird es immer mehr“, sagt Madeleine Baschnagel von der Touristinfo in St. Blasien. Diese sei jetzt auch wieder komplett geöffnet. So viele Feriengäste wie in der normalen Hochsaison seien allerdings nicht da. Dennoch sei sie von den Statistiken her ganz zufrieden mit dem Touristenaufkommen im Ort. „Es sind viele Wanderer unterwegs“, ist Baschnagel aufgefallen, auch die Printprodukte zum Thema Wandern in der Touristinfo würden gerne gegriffen. Viele kämen derzeit als Tageswanderer aus der weiteren Umgebung.

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Dass derzeit viele Wanderer in der Region unterwegs sind, bestätigt auch Petra Köpfer von der Touristinfo Dachsberg und Ibach. Vor allem die zertifizierten Wanderwege seien im Moment sehr gut besucht. Die Gäste kämen dabei auch von weiter her, innerhalb Deutschlands und, seit die Grenze wieder offen ist, auch aus der Schweiz.

Hoffnung auf erneuten Schub

„Ganz stark sind Wohnmobilstellplätze und Ferienwohnungen, bei den Hotels läuft es auch wieder an, aber noch ein bisschen verhalten“, sagt Werner Baur, Tourismuschef in Bernau. Erfolg hat laut Baur auch die Restart-Kampagne der Schwarzwald Tourismus GmbH, an der Bernau sich beteiligt hat. Nachdem die entsprechenden Anzeigen erschienen seien, habe es sofort wieder Prospektanfragen gegeben.

„Wir sind auf einem guten Weg“, zeigt sich Baur optimistisch. Auch aus der Schweiz, dem zweitwichtigsten Quellmarkt nach Deutschland, seien wieder Gäste da, auch im Tagestourismus. Attraktionen wie der Hochtalsteig oder der Zauberwaldpfad seien besonders gefragt. Auch Franzosen und Niederländer könne man bereits wieder in Bernau begrüßen, einen erneuten Schub verspricht sich der Tourismusfachmann vom Beginn der Sommerferien in weiteren deutschen Bundesländern. Dass der Schwarzwald dauerhaft neue Besuchergruppen dazu gewinnt, davon ist er allerdings nicht überzeugt.

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In diesem Jahr vielleicht, aber eine Studie des Deutschen Tourismusverbandes zeige, wer bisher in den Badeurlaub geflogen sei, werde auch bald wieder im Flieger sitzen. „Länder, die davon leben, überbieten sich jetzt mit Lockangeboten. Wir haben Gott sei Dank andere Standbeine“, sagt Baur und verweist auf die hohe Qualität der familiengeführten Betriebe und die hohen Sozialstandards in der hiesigen Ferienregion.

Überwiegend vormittags verzeichnet auch Magda Coelho von der Touristinformation in Höchenschwand seit etwa drei Wochen eine gesteigerte Nachfrage von Touristen. Die meisten der Gäste, die in die Touristinfo kommen, wohnten auch im Ort, sagt sie, vor allem in Ferienwohnungen oder auf dem Campingplatz. Die meisten kommen aus Deutschland, einige Schweizer und Franzosen seien auch schon da gewesen. Hauptsächlich Wanderungen und Fahrradtouren seien derzeit gefragt.

Einschränkungen durch Corona

Die Beobachtungen seiner Kollegen vor Ort kann auch Herbert Kreuz von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH bestätigen. Genaue Zahlen kann er allerdings noch nicht nennen, da viele Gastgeber die Meldescheine noch händisch bearbeiten und es daher eine Zeit dauere, bis alle Informationen vorliegen. Campingplätze und Ferienwohnungen seien auf jeden Fall sehr gut frequentiert, „da sind die Leute unter sich“, es gebe weniger Aufwand, die Corona-Vorschriften einzuhalten. Bei den Hotels seien die Gäste noch zögerlicher, vor allem, da es lange Einschränkungen bei den Wellness-Angeboten gab und sie diese Leistungen nicht in Anspruch nehmen konnten.

Buchungen nach Lockerungen

Für den Herbst sehe es aber laut den Rückmeldungen der Gastgeber ganz gut aus, sagt Kreuz. Sobald bundesweite Lockerungen in Kraft waren, seien auch schon wieder Buchungen eingegangen. Von Januar bis Juni sei die Branche deutlich im Hintertreffen, aber seit Beginn der Restart-Kampagne Anfang/Mitte Mai seien bei den Buchungen deutliche Zuwächse zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen.

Kreuz warnt allerdings vor zuviel Euphorie: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und hoffen, dass alles gut geht.“ Laut einer Studie seien vor allem Risikogruppen noch skeptisch, was Reisen angehe, und viele Menschen hätten aufgrund der Corona-Folgen auch kein Geld zum Verreisen.