Ein ansehnliches Hotelprojekt am Hang über dem einstigen Gasthaus „Krone“ beschäftigt seit Jahren die örtlichen Überlegungen. In gewisser Weise soll es anknüpfen an die ruhmvolle Tradition des aufsprießenden Kurorts vom letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Als Sinnbild dieser Kurortblüte wird immer und berechtigterweise das mächtige und glänzende Kurhaus am Platz des späteren Eurotels und jetzigen „Haus an der Alb“ aufgerufen. In den Erinnerungsschatten gerät dabei das leicht ältere und imposante Hotel „Hirschen“ oder auch „Neuer Hirschen“.

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Zwei strahlende gastronomische Namen werden zum Mit-Träger der explosionsartigen Kurortentwicklung im ausklingenden 19. Jahrhundert. In beachtenswerter Fügung gelangen beide nahezu gleichzeitig in den Kurort – wohl unter dem Eindruck des St. Blasien langsam zufallenden medizinischen Rufs durch die Behandlung der Lungentuberkulose und Gründung des Sanatoriums. Der blutjunge, in Königsschaffhausen am Kaiserstuhl geborene Otto Hüglin erwirbt zu Beginn des Jahres 1882 den „Klosterhof“ und errichtet zehn Jahre später das immer noch selige Erinnerungen auslösende Kurhaus.

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Im April 1881 wird der Gastronom Hermann Dossenbach aus Säckingen (damals noch ohne den Zusatz Bad) als Betreiber des „Alten Hirschen“ aufgeführt. Dieser Stammvater der hiesigen Dossenbach-Dynastie muss ein Unternehmer ersten Grades gewesen sein. Als Anschlussbau ortseinwärts direkt neben dem alten oder auch kleinen „Hirschen“ gestaltet er das große oder neue „Hirschen“-Hotel, das zum 1. Mai 1890, also vor 130 Jahren, eröffnet wird. Die Zeitzeugen haben von den offensichtlich großartigen Fastnachts-, Bürger- und Vereinsbällen im dadurch berühmt gewordenen Hotelsaal berichtet und geschwärmt, nicht weniger übrigens auch vom Wiener Café im wenige Jahre später erworbenen Nebenhaus des Hotels (bis einschließlich jetzt Reisebüro Wild).

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Die Eigenwerbung des Hotelbetriebs rühmte sich seiner 100 Betten, der elektrischen Beleuchtung, der Bäder und der zur Verfügung stehenden Equipagen, also der Kutschen, denen die Motorisierung noch nicht den Rang abgelaufen hatte. Das Dossenbach-Hotel gegenüber Alb und heutigem Parkplatz beim Dom war ganz ohne Übertreibung von der Lage (Einfahrt in das Kurortzentrum) und von Angebot und Ausstattung her eine Art Vorposten des kurz danach erbauten Kurhauses. Der gesamte Hirschen-Komplex (also zusammen mit dem volkstümlichen und beliebten Gasthaus „Alter Hirschen“) bleibt über Jahrzehnte hinweg, das heißt über das Ende des verklärten Kurorts und über den Ersten Weltkrieg hinaus bis zur zweiten Kriegskatastrophe, im Familienbesitz.

Mehrfache Bau- und Nutzungsveränderungen

Erst 1940 muss der Hoteltrakt veräußert werden. In den letzten Kriegszuckungen 1945 und danach finden erste Flüchtlinge Aufnahme; sie erleben und erleiden vor genau 75 Jahren den Großbrand des Hotels, das danach als Geschäfts- und Wohnhaus wieder aufgebaut wird.

Mehrfache Bau- und Nutzungsveränderungen durchziehen die Nachkriegsjahrzehnte bis in unsere Gegenwart. Wenn indes die leuchtende Vergangenheit des Kurorts zu ihrem Recht kommen soll, dann haben der neue oder große „Hirschen“ und die Familie Dossenbach ein Anrecht darauf, in der Reihe der einprägsamen Kurortgestalter nicht unerwähnt zu bleiben.

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