Der Wald war und ist unschätzbarer Bestandteil des St. Blasier Landschafts-, Fauna- und Klimakapitals – ungeachtet der Entwicklungen auf dem Holzmarkt. Die Wald- und Wildheger im umfassendsten Sinn müssten also eigentlich auf Händen getragen werden. Einer von ihnen hat es immerhin zum Ehrenbürger gebracht.

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Nach Felix Hecht, dem Retter kurörtlicher Gastronomie, dauert es knapp 20 Jahre, ehe dem Bezirks- und späteren Oberförster Hermann Lubberger (Dienstvorstand der Bezirksforstei Wolfsboden von 1866 bis 1891) und indirekt auch seinem Kollegen Alexander Wasmer (der Wasmerstein gilt allerdings seinem gleichnamigen Vater) höchste Anerkennung der Gemeinde zuteil wird.

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Die beiden Forstmänner hatten erkannt, dass die Waldbetreuung mit Auslichtungen, einem großzügigen Netz von Waldwegen, Aussichtspunkten und Schutzhütten den gerade aufstrebenden Kurort ergänzen und fördern sollte.

Gewisses Mehr an Einsatz

Das Los der Ehrenbürgerwürde wird für Lubberger allein gezogen, weil er noch das gewisse Mehr an Einsatz für die Gemeinde (die damals noch immer auf den Stadttitel wartet) bringt: Von 1868 bis 1874 glänzt er als tüchtiger Feuerwehrkommandant und von 1885 bis zu seinem Wegzug 1891 ist er gleichsam der geborene Vorsitzende des Schwarzwaldvereins. Zu seinem Feuerwehramt muss die für ihn betrübliche und sogar nervige Episode erzählt werden: Ausgerechnet beim verheerenden, die Grundfesten St. Blasiens erschütternden Spinnerei-, Klostergebäude- und Dombrand am 7. Februar 1874 ist Lubberger wegen einer Reise abwesend.

Der Lubberger-Brunnen im Sandboden.
Der Lubberger-Brunnen im Sandboden. | Bild: Thomas Mutter

Für den äußerst gewissenhaften Mitbürger Hermann Lubberger, der auch als gelegentlich erregbar und temperamentvoll überliefert wird, ist die unverschuldete Abwesenheit und folglich fehlende Unterstützung der Feuerwehrkameraden eine Frage der Ehre. Es bleibt ungeklärt, ob die anschließende Niederlegung des Kommandos seine Zerknirschtheit ausdrückt.

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Der seinerzeitige Gemeinderat stört sich an diesem von Lubberger als persönliches Missgeschick empfundenen Zusammentreffen zweier sich überschneidender Ereignisse nicht und würdigt den kurörtlichen und gesellschaftlichen Einsatz dieses auch mutigen Mannes, der sich bilderbuch- und filmreif gegen die damals umtriebigen Wilderer stellt. Er verlässt im Spätsommer 1891 als Ehrenbürger den großherzoglichen Kurort und stirbt bereits ein Jahr später in Karlsruhe. Der im Frühsommer 1894 ihm zu Ehren errichtete Brunnen mit verschnörkelter Gedenkplatte an der Sandbodenhütte wertet Hermann Lubberger und sein Andenken als kurzlebiger Ehrenbürger bis heute auf.

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