2020 wird neben viel Unwägbarem den 300. Geburtstag von Fürstabt Martin Gerbert Mitte August und den 300. Todestag von Abt Augustin Fink im Spätherbst bereit halten. Martin Gerbert glaubt man einigermaßen zu kennen, Augustin Fink ist im Allgemeinbewusstsein unbekannt geblieben. Die 1768 restlos zerstörte, nur auf Stichen, Gemälden und in eingehenden Beschreibungen noch erinnerbare Vorgängerkirche des Doms trug nach rund 700 Jahren in ihrem Endzustand die Handschrift des unstrittig großen Abtes Augustin Fink (1695 bis 1720).

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Aus mehreren Darstellungen seiner Kirchenausstattung ragt wohl die Arbeit des 1970 unerwartet früh verstorbenen Freiburger Münsterbaumeisters und gebürtigen Todtmoosers Dr.-Ing. Paul Booz heraus. In unermüdlicher Forschung hat er in seiner „Bau- und Kunstgeschichte des Klosters St. Blasien und seines Herrschaftsbereichs“ beispielsweise Künstler, Etappen und Veränderungen im sogenannten Neuen Münster zusammengetragen. Dieser Kirchenbau an der Nordseite der späteren, bis heute bestehenden Klosteranlage erwächst von 1086 bis 1125 und wird eigentlich erst wenige Jahrzehnte vor dem eingangs erwähnten Zerstörungsjahr fertig. Jahrhunderte der verändernden An- und Umbauten, durch die dieses dreischiffige Münster mit einer Länge von etwa 70 Metern zum gewiss ehrwürdigsten Zeugen des benediktinischen Jahrtausends geworden ist, werden nun übersprungen. Abt Augustin, der gleich zu Beginn des 18. Jahrhunderts dem aufkeimenden Bau- und Kunststil seiner Zeit folgt, schmückt die Kirche mit einem inneren wie äußeren barocken Gewand. Den Ursprung im fernen 11./12. Jahrhundert tilgt er nicht ganz, auch wenn die anfänglich kleinen Fenster deutlich vergrößert werden.

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Wer jetzt eine in alle Einzelheiten verliebte Beschreibung dieses zweifelsfrei wunderschönen kirchlichen Höhepunkts vor dem Dombau erwartet, wird enttäuscht. Die Beschränkung auf einige wesentliche Teile ist zwingend. Im Langhaus, also der „eigentlichen“ Kirche vor dem Mönchschor, entstehen Wandmalereien auf feuchtem Kalkputz (Fresken) und zusätzliche Stuckarbeiten. Diese wurden sowohl im Kloster wie auch in der Kirche von Stuckateuren der berühmten Wessobrunner Schule (Oberbayern) gefertigt. In einem Tagebucheintrag vermerkt der Abt ausdrücklich den guten Verdienst, mit dem die Künstler wieder heimwärts gezogen seien. Die Motive und das Aussehen der Gemälde sind nicht mehr ermittelbar. Ende Mai 1705 gibt es einen Vertrag mit dem Freiburger Baumeister Hans Adam Wiser zur weitgehenden Umgestaltung des Chorraumes im östlichen Teil des Münsters. Das Chorgestühl mit wertvollen Einlegearbeiten (Intarsien) dürfte zu den einmaligen Kostbarkeiten der später vom Feuer vernichteten Kirche gezählt haben. Dem jeweiligen Abt (seit 1746 Fürstabt) war zwischen den beiden Türmen im Obergeschoß der Westfassade eine durch ein vergoldetes Holzgitter abgetrennte Kapelle vorbehalten.

Brandkatastrophe 1768

Erst 1710 werden auf den beiden Türmen weithin sichtbare Kreuze aufgerichtet. Die Abtkapelle wurde ergänzt durch zwei dem heiligen Laurentius (an ihn erinnert heute noch das Brauchtum des Laurentiustags im Feldberg-Menzenschwander Gebiet) und dem heiligen Vincentius (aus der Kirche gerettet und als rechtes Medaillon auf dem jetzigen modernen Chorgitter des Doms) gewidmete Laienkapellen in den Untergeschossen der Türme. Die auf 14 Register angelegte Orgel des Orgelbauers Joseph Schmid aus dem schweizerischen Laufenburg soll zu den künstlerischen Besonderheiten des nun zuletzt barockisierten Neuen Münsters gehört haben. Auch sie ein Opfer der verheerenden Brandkatastrophe jenes unauslöschlich in die Klostergeschichte eingegangenen 23. Juli 1768.

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