Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Altbürgermeister Johann Meier im Kollegsfestsaal geriet am Samstagabend je länger je mehr zu einem großen Fest der Begegnungen und Wiederbegegnungen langjähriger Wegfährten. Meier ist nach 88 Jahren der zweite Bürgermeister der Domstadt, dem diese höchste Auszeichnung zuteil wurde. Die Ansprachen entfalteten das Bild eines erfolgreichen Kommunalpolitikers, würdigten aber auch Meiers gewaltiges bürgerschaftliches Engagement, in dessen Zentrum die Etablierung der Domfestspiele stand.

Hermann Primus, Bürgermeister der Partnergemeinde St. Paul und Freund von Johann Meier, überreichte ein Geschenk.
Hermann Primus, Bürgermeister der Partnergemeinde St. Paul und Freund von Johann Meier, überreichte ein Geschenk. | Bild: Susanne Filz

Bürgermeisterstellvertreter Thomas Mutter erinnerte in seiner Laudatio an die Überschwemmung, die die Stadt im Februar 1990 heimgesucht hatte und bei der sich Johann Meier, damals seit knapp vier Jahren Bürgermeister, durch sein zupackendes, sachverständiges und ruhiges Handeln das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger erworben hatte. „Donnerwetter, da haben wir wohl doch den richtigen Bürgermeister gewählt“, habe es damals in der Stadt geheißen. Mutter erinnerte auch an bürgermeisterliche Projekte, die „angestoßen und zu Ende gebracht“ wurden, so den zentralen Busbahnhof, das neue Bauhofareal oder die Pflege der Städtepartnerschaften mit der Kärntener Gemeinde St. Paul und den Schweizer Gemeinden Klingnau und Saint-Blaise.

Gemeistert, und das mit langfristiger Perspektive für die Stadt, habe Meier dann die nächste Herausforderung, die eine kulturelle war: den 200. Todestag des Fürstabtes Gerbert im Jahr 1993, zu dem man etwas Besonderes habe bieten wollen. Dass die Geschichte des Klosters St. Blasien und die Rolle des Abtes Gerbert, der den Ortsnamen St. Blasien im 18. Jahrhundert in die europäischen Geschichtsschreibung eingeführt hatte, den Stoff für herausragende kulturelle Ereignisse bieten müsse, davon sei Johann Meier überzeugt gewesen.

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Und er war der Meinung: „Das funktioniert nur mit einheimischen Leuten.“ Und er sollte Recht behalten. Meier habe damals erkannt, dass die Zeit reif war für ein bürgerschaftliches Großprojekt wie ein eigenes Festspielstück zur Stadt- und Klostergeschichte. Sechs Festspiele, an denen jeweils rund 300 einheimische Kräfte in allen Sparten der Theaterkunst mitwirkten, sind seit der ersten Aufführung 1993 verwirklicht worden, das jüngste davon 2018, dem Jubiläumsjahr des 25-jährigen Bestehens der Festspiele, bei dem Johann Meier wie immer in einer Nebenrolle mitspielte.

Rückblick auf die Festspielgeschichte

Tatsächlich war seine Rolle im Hintergrund der Spiele aber bedeutend größer, wie Wolfgang Endres, Autor und Regisseur so mancher Festspiel-Inszenierung, in seiner Laudatio im Rückblick auf die Festspielgeschichte würdigte. In Wirklichkeit sei er Projektplaner, Cheforganisator, Motor in der Bewerbung der Spiele und der Sponsorensuche, als Kulissenbauer und Berater gewesen.

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Dass beim Festakt die Männerschola unter der Leitung von Michael Neymeyer mit Gregorianik akustische Erinnerungen an vergangene Aufführungen aufkommen ließ, passte bestens. Auch Stadtmusik und Jugendkapelle St. Blasien (Leitung: Patrick Stich), deren Vorsitzender Meier lange Jahre war, und der Männergesangverein „Eintracht“ Menzenschwand (Leitung: Hanspeter Dietsche) umrahmten den Abend. Patrick Stich erinnerte in seiner Ansprache an die Verdienste des Musikameraden Meier um die Stadtmusik, etwa die Anschaffung des Festzeltes und den Ausbau des Probelokals im Haus des Gastes.

Goldene Siegelring

Die eigentliche Auszeichnung erhielt Maier aus den Händen des amtierenden Bürgermeisters Adrian Probst – mitsamt einem goldenen Siegelring, in dessen Siegelfläche ein Hirsch eingeprägt ist. Johann Meier habe während seiner Amtszeit von 1986 bis 2010 nachhaltige infrastrukturelle Maßnahmen auf den Weg gebracht, zitierte Probst aus der Ehrenurkunde. „Beispielhaft für die Bürger hat er seine Erfahrung, seine technisch-praktische Begabung und seine Gestaltungsfreude in viele Vereine und Gruppierungen eingebracht im Dienste und zum Wohle einer lebendigen Gemeinde“, so Probst weiter.

Und der neue Ehrenbürger selbst?

Der bekannte, dass er nach erfolgter Wahl zum Bürgermeister 1986 vorhatte, neben den bürgermeisterlichen Tätigkeiten den großen Fürstabt Gerbert deutlicher im Bewusstsein der Bürger zu verankern. Dass beim öffentlichen Gerbert-Fest 1989 so viele Bürger bei der Gestaltung mitgezogen hatten, habe ihn ermutigt, weitergehende Überlegungen anzustellen. Viele Begegnungen mit späteren Akteuren der Festspiele ebneten den Weg zu der Festspieltradition, die zu einem Markenzeichen der Domstadt werden sollten. Er nehme, so Meier, die Ehrung dankend an. „Ich hätte diese Ehrung nie erhalten, wenn ich in meinem Leben nicht zufällig mit euch, mit jedem Einzelnem von euch, in irgendeiner Art zusammengekommen wäre.“