Martin Wietzel ist neuer Bürgermeister von Utzenfeld. Der 51-jährige Sicherheitsingenieur und Utzenfelder Gemeinderat setzte sich bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag überraschend deutlich mit 71,9 Prozent der Stimmen gegen Hartmut Schwäbl, 51-jähriger Realschullehrer und ebenfalls Utzenfelder Gemeinderat, durch. Schwäbl erhielt 26,3 Prozent der Stimmen. Zur Wahl gingen 70,75 Prozent der Stimmberechtigten und damit deutlich mehr als bei der letzten Bürgermeisterwahl im Jahr 2013.

Die Auszählung begann unmittelbar nach Schließung des Wahllokals um 16 Uhr am Sonntagnachmittag.
Die Auszählung begann unmittelbar nach Schließung des Wahllokals um 16 Uhr am Sonntagnachmittag. | Bild: Martin Klabund

Um kurz vor halb fünf am Sonntagnachmittag trat Amtsinhaber Harald Lais an die Öffentlichkeit vor der Gemeindehalle und verkündete, wer ihm nach 24 Jahren in das Amt des Utzenfelder Rathauschefs folgen sollte: „Wir haben ein relativ eindeutiges Ergebnis“, sagte Lais. Martin Wietzel hat 257 von 358 Stimmen bekommen – Applaus brandete auf in der doch recht anschaulichen Schar von Bürgern, die zur Halle gekommen waren, darunter die meisten Bürgermeister und Alt-Bürgermeister aus der Umgebung. Und Harald Lais sorgte für einen Lacher, als er Martin Wietzels Ehefrau Alexandra bei der Übergabe des obligatorischen Blumenstraußes „kondolierte“ – ein kleiner Seitenhieb darauf, dass das Leben als „First Lady“ für eine frischgebackene Bürgermeister-Gattin auch in Utzenfeld ein anderes sein wird als bisher. „Sie werden auf Ihren Mann jetzt noch etwas öfter verzichten müssen“, meinte auch Landrätin Marion Dammann. „Er ist ja auch in Vereinen noch zusätzlich engagiert.“

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Die Landrätin wünschte Martin Wietzel, er möge „ganz viel für seine Gemeinde erreichen“ – wissend, dass es die eigenständigen kleinen Gemeinden des Gemeindeverwaltungsverbands rund um Schönau nicht immer leicht haben, sich mit ihren Wünschen nach Zuschüssen durchzusetzen. „Sie sind aber verwaltungstechnisch gut im GVV eingebettet und auch das Landratsamt steht Ihnen zur Seite.“ Wietzel möge eine „glückliche Hand“ haben. Einer der ersten Gratulanten war natürlich Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn. „Viel Erfolg, auch im Namen der Verbandsverwaltung“, sagte der Chef des Verbands, in dessen Sitzungen Martin Wietzel also bald das neueste Bürgermeister-Gesicht sein wird. „Wir stehen Gewehr bei Fuß, um Dich zu unterstützen. Willkommen im Kreise der Verbandsbürgermeister.“

Schelshorn dankte auch dem unterlegenen Kandidaten Hartmut Schwäbl: „Es war toll, dass wir eine Wahl hatten.“ Ein Umstand übrigens, den alle Redner würdigten. Zum Beispiel Zells Bürgermeister Peter Palme, der bei seiner Wahl 2017 als einziger Kandidat Wahlkampf gegen Unbekannt machen musste. „Ein eindeutiges Ergebnis. Sehr schön, dass zwei Kandidaten da waren. Ich wünsche Martin Wietzel alles Gute. Wir werden ihn in unser Team integrieren.“ Auch Landrätin Dammann kommentierte in diese Richtung: „Es ist toll, wenn eine Gemeinde mindestens zwei Kandidaten zur Auswahl hat und damit auch Demokratie zeigen kann“, sagte Landrätin Marion Dammann.

Die aufmunternden Worte taten Hartmut Schwäbl sichtlich gut, denn der unterlegene Kandidat wirkte tatsächlich etwas geknickt nach der doch deutlichen Auszählung. „Ich war etwas überrascht, so kurz vor knapp der Bewerbungsfrist doch auf einen Gegenkandidaten zu stoßen“, sagte der 51-Jährige und meinte damit den Umstand, dass Martin Wietzel seine Kandidatur auf den letzten Drücker – am Abend des letzten Tages der Frist – eingereicht hatte. „Ich hätte mir aber keinen sympathischeren Gegenkandidaten vorstellen können. Wir haben im Gemeinderat schon gut zusammengearbeitet, das wird auch weiter so sein und es wird auch weiter Spaß machen, Politik zu machen.“ Natürlich sei der Moment der Niederlage „nichts Schönes – aber das gehört in einer Demokratie dazu“.

Der Wahlsieger dagegen strahlte natürlich. „Ich bin überwältigt von der hohen Wahlbeteiligung und den vielen Stimmen“, sagte Wietzel. „Ich hatte eher mit einem zweiten Wahlgang im Mai gerechnet.“ Er möchte nun auf die Amtsübergabe Anfang Juli hinarbeiten und dann erst einmal „checken, was wir dann umsetzen können“.

Der amtierende Bürgermeister wird alles tun, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. „Wir hatten einen entspannten und ruhigen Wahlkampf, genauso werden wir die kommenden zweieinhalb Monate weitermachen und in aller Ruhe die Amtsgeschäfte übergeben“, sagte Harald Lais. „Irgendwie habe ich es natürlich gern gemacht. Etwas vielfältigeres als den Beruf des Bürgermeisters gibt es eigentlich nicht.“