Pandemien stellen nicht den einzigen Katastrophenfall dar, für den sich Rheinfeldens Einsatzkräfte wappnen. Wie Polizei, Feuerwehr, DRK, DLRG und THW auf Krisen reagieren und inwiefern es in diesen Organisationen genügend Nachwuchs für zukünftige Einsätze gibt, haben wir herausgefunden.

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Vier Nachwuchskräfte unterstützen die Polizei in Rheinfelden. „Drei davon beenden nun ihr Praktikum im gehobenen Dienst, eine Person beginnt ihre Ausbildung im mittleren Dienst“, erzählt Bernhard Weis. In Rheinfelden sei man unter anderem auf Chemieunfälle vorbereitet. „Dafür gibt es Notfallpläne der Katastrophenschutzbehörden und der Chemieunternehmen“, berichtet der kommissarische Revierleiter. Im Ernstfall sei die Polizei für die Absperrung und Sicherung betroffener Gebiete sowie die Warnung der Bevölkerung über Lautsprecherdurchsagen zuständig.

„Außerdem stellen wir Fachbehörden, die im Schadensfall ermitteln“, so Weis. Auch Hochwassermeldealarme und Unwetterwarnungen laufen bei der Polizei auf. „Probleme mit extremen Hochwasserlagen hatten wir in Rheinfelden bisher allerdings äußerst selten.“ Zudem trainiere man regelmäßig für Einsätze bei Amokläufen und lebensbedrohlichen Einsatzlagen. „Gerade die Schulen haben für den Notfall Verhaltenspläne, während wir über architektonische Details wie zum Beispiel Ein- und Ausgänge potentiell gefährdeter Objekte verfügen“.

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Komme es zur Katastrophe, sei die Zusammenarbeit vieler Einsatzkräfte und Institutionen gefragt. So könne bei Naturunglücken wie Hochwasser, Erdbeben oder Sturmschäden etwa das technische Hilfswerk angefordert werden. Dieses wurde ursprünglich gegründet, um im Verteidigungsfall für den Zivilschutz zu sorgen: „Gäbe es einen Fliegerangriff, wären wir zum Beispiel für den Wiederaufbau von Brücken zuständig“, erklärt der Ortsbeauftragte des THW Rheinfelden, Kevin Kaiser. Los geht das Engagement im THW bei Vielen schon ab zehn Jahren mit dem Eintritt in die Jugend. Ab 16 kann dann die Grundausbildung zum THW-Helfer absolviert werden. In einer anschließenden zwei- bis dreijährigen Fachausbildung sowie weiterführenden Lehrgängen lernen die Engagierten den Umgang mit Geräten, Einsatztechniken und die Einsatzführung. „Dennoch ziehen wir bei Bedarf Fachberater zu Rate, die über das nötige Detailwissen verfügen“, meint Kaiser.

Netzwerk aus Experten

In Krisen „Köpfe“ zu kennen, also ein Netzwerk aus Experten aktivieren zu können, ist auch ein Leitsatz der Feuerwehr. „Als Mädchen für alles ist die Feuerwehr in fast allen Krisensituationen gefragt“, berichtet Dietmar Müller aus der freiwilligen Feuerwehr Rheinfelden. In jüngster Zeit bereite sich die Abteilung verstärkt auf Langzeitstromausfälle und Hochwasserlagen vor. Ziel sei es, im Krisenfall auf klare Handlungsvorgaben zurückgreifen zu können und die Bevölkerung zu warnen. Dazu kommen Sirenen, Fahrzeuge mit Beschallungssystemen, Medien und moderne Warn-Apps zum Einsatz. „Unser höchstes Schutzziel ist das Leben und die Gesundheit des Individuums“, erklärt der Feuerwehrkommandant. Und wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? „Derzeit ist die einzige nennenswerte Nachwuchsquelle unsere Jugendfeuerwehr, die momentan 80 Mitglieder zählt. Man kann mit zehn Jahren eintreten, im Alter von 17 Jahren die Grundausbildung durchlaufen und wird mit Erreichen des 18. Lebensjahres aktive Einsatzkraft.“ Zwar sei die Nachwuchssituation grundsätzlich gut, „mit einem Frauenanteil von derzeit circa 5,4% in der Einsatzabteilung kann man aber nicht zufrieden sein“, meint Müller.

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Gerade für Einsatzkräfte wie das DRK Rheinfelden bestehen Krisensituationen immer dann, wenn Menschen medizinische Hilfe benötigen. Um diese möglichst schnell zu gewährleisten, trainieren die Rettungseinheiten alle zwei Jahre im Katzenbergtunnel. „Wir stellen uns dann folgenden Fragen: Wie kommen wir hin? Wie holen wir Leute raus? Und wo gibt es einen Verbandsplatz?“, erzählt Manfred Gollin, Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Rheinfelden. Gehandelt werde dabei nach den Maßgaben der Leitstelle Lörrach und den organisatorischen Leitern vor Ort. Aktuell geben drei Auszubildende in Rheinfelden Hoffnung, dass auch in Zukunft genug Mitarbeitende im Rettungsdienst zur Verfügung stehen. „An sich stehen wir ganz gut da, könnten aber mehr Führungskräfte gebrauchen“, resumiert Gollin.

Zusammenarbeit im Ernstfall gefragt

Für gute Jugendarbeit ist zudem die DLRG Rheinfelden bekannt. „Bei uns kann man vom Nichtschwimmer zum Schwimmer, dann Rettungsschwimmer und nach einer Ausbildungszeit von circa zweieinhalb Jahren Wasserrettungshelfer werden“, erklärt Markus Weber. Der Einsatzleiter zählt aktuell 14 Auszubildende zum Team der Rheinfelder DLRG. „Wir sind sowohl lokal auf dem Gewässerabschnitt, der uns zugewiesen ist, als auch landkreisweit gemeinsam mit weiteren DLRG-Ortsgruppen im Einsatz.“ Zudem helfe die Schnell-Einsatz-Gruppe der DLRG im Katastrophenfall auch bundesweit. “Abhängig von der Anzahl der Verletzten und der Schwere des Vorfalls greifen unterschiedliche Einsatzszenarien“, so Weber. Damit immer ausreichend Helfer vor Ort sind, alarmiere man die benachbarten Ortsgruppen, auch jene aus der Schweiz. „Wir funktionieren nie alleine – jeder Einsatz ist ein Zusammenspiel aus Feuerwehr, DRK, THW, Polizei und vielen weiteren Kräften.“