Gerade hatten die Schausteller alles für das Frühlingsfest aufgebaut, da kam die Corona-Krise: Familie Buhmann musste unverrichteter Dinge wieder abbauen – und hat seither keine Messen ausrichten können. Bis jetzt, denn am kommenden Samstag, 26. September, soll der Herbstrummel in Rheinfelden starten, mit Hygienekonzept, Maskenpflicht und Abstand.

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„Wir fangen da wieder an, wo wir aufgehört haben“ – das ist das erste, was Nicole Buhmann am Telefon sagt. Ihre Stimme überschlägt sich fast, so aufgeregt ist sie, dass der Herbstrummel in Rheinfelden stattfinden kann. Endlich wieder richtig arbeiten zu können, das bedeutet ihr und ihrer Familie viel. „Wissen Sie, das ist unser Beruf, wir können nichts anderes. Wenn einem das genommen wird, das ist schlimm.“

Nichts ging im vergangenen halben Jahr. „Das war nicht einfach, wir waren nur zuhause.“ Ihre vier Kinder seien mit dem Rummelleben aufgewachsen. Die jüngste, sieben Jahre alt, habe irgendwann zu ihr gesagt: „Mama, ich will nicht mehr zuhause sein, ich will wieder unterwegs sein!“

Am 12. März, zwei Tage vor der Eröffnung des Frühlingsfestes, hatte sich die Familie noch mit der Stadt Rheinfelden geeinigt, das Fest stattfinden zu lassen, mit maximal 200 Besuchern auf dem Gelände. Tag für Tag kamen neue Erkenntnisse über das Virus, keiner wusste so recht, wie gefährlich es denn nun ist.

Am 13. März dann die Nachricht: Alle Veranstaltungen, ob öffentlich oder privat, an denen mehr als 50 Personen teilnehmen, werden verboten. Das Frühlingsfest fiel aus, die Schaustellerfamilien mussten zusammenpacken. „Das war echt schlimm, wir hatten ja schon alles aufgebaut“, sagt Buhmann. Ihre Familie richtet schon seit Jahrzehnten den Rummel in Rheinfelden aus – und ausgerechnet hier bricht diese große Krise über sie hinein.

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Umso schöner, dass es jetzt, wo ein Umgang mit dem Risiko so langsam möglich scheint, gerade in Rheinfelden wieder losgeht für Familie Buhmann. Vor dem abgesagten Frühlingsfest im März konnte gerade noch der Fridlini-Rummel in Bad Säckingen stattfinden. Jetzt ist es andersherum, nach dem Herbstrummel in Rheinfelden geht es für die Buhmanns wieder nach Bad Säckingen.

Aber auch das sei eine ganze Weile in der Schwebe gewesen, weil unklar war, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Vergangene Woche dann seien positive Signale aus den Städten gekommen, diesen Donnerstag habe das Ordnungsamt Rheinfelden ihr Hygienekonzept für gut befunden.

Zum ersten Mal eine Laufgeisterbahn

„Wir sind sehr dankbar, dass wir den Herbstrummel machen können, auch die Schausteller“, sagt Buhmann. Gut zwei Drittel von denen, die im März zusammenpacken mussten, seien jetzt wieder dabei. Rund 15 Attraktionen wird es geben, sagt Buhmann, Autoscooter, Kettenkarussell und zum ersten Mal eine Laufgeisterbahn. Die Buden stünden in größerem Abstand als sonst zueinander.

Es werde einen offenen Biergarten geben, mit genügend Abstand zwischen den Tischen, aber ohne Zelt. Dazu getrennte Ein- und Ausgänge, Desinfektionsmittelspender, Maskenpflicht beim Anstehen und auf den Fahrzeugen. Ordner sollen das Einhalten der Regeln kontrollieren.

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Mit den Hinweisschildern und allem drum und dran habe sie das mehrere Tausend Euro gekostet, sagt Buhmann. Allerdings dürfen sich nur maximal 500 Personen auf dem Gelände aufhalten, inklusive Schausteller. Ob sich das wohl lohnt? Nicole Buhmann seufzt. „Und wenn sich‘s nicht lohnt, wenn es ein Nullsummenspiel wird, dann haben wir wenigstens gezeigt, dass wir das können, dass ein Rummel auch mit Hygienekonzept geht.“ Auch im Hinblick auf die kommenden Monate, denn das Virus verschwinde schließlich nicht so schnell wieder.

Natürlich sei der Rummel ein Risiko. „Wir haben viel Geld investiert – und wir wissen nicht, ob die Leute kommen.“ Die Gäste müssten sich sicher fühlen, daher sei ihnen wichtig, vorab auch mit dem Hygienekonzept Werbung zu machen. Die Sorge um eine Ansteckung begleite einen immer, auch beim täglichen Einkaufen. „Aber wir gehen davon aus, dass die Gäste vernünftig sind und mit Halsschmerzen nicht kommen. Da verlassen wir uns auf unser Publikum.“

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