Die Stadt Rheinfelden will mit der Plattform Crossiety erreichen, dass sich Mitglieder der Verwaltung, Vereine, Schulen und das lokale Gewerbe einbringen – und zwar über den Rhein hinweg. So sollen der grenzüberschreitende Dialog, die Quartiersarbeit und das bürgerschaftliche Engagement gefördert werden. Bei der Vorstellung des Projekts im Hauptausschuss am Montag gab es auch kritische Stimmen.

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Der Hintergrund

Die Lenkungsgruppe „Smart City“ hat im Jahr 2019 eine digitale Agenda festgelegt und den Fokus auf Projekte gelegt, die zur Digitalisierung beitragen sollen. Zudem haben sich die Teilnehmer des grenzüberschreitenden Bürgerdialogs beider Rheinfelden eine gemeinsame digitale Plattform gewünscht. Daraufhin haben die Verwaltungen beider Städte mehrere Plattformen gesichtet und sich für den Anbieter Crossiety entschieden.

Frank Uhlich, Abteilungsleiter Steuerung, Schulen und Sport der Stadt, und Stefanie Franosz, Leiterin des Bürgertreffpunktes und der Freiwilligenagentur, stellten das Projekt am Montag dem Hauptausschuss vor. Es sollen hauptsächlich drei Bereiche von der Plattform profitieren: die Bürgerbeteiligung, das bürgerschaftliche Engagement und die Quartiersarbeit. Zudem könne auch das Konzept 2025 für Integration und Teilhabe durch die Plattform unterstützt werden.

Das bietet Crossiety

Auf der Plattform kann sich jeder Rheinfelder anmelden. „Das Besondere ist, dass man sich mit Klarnamen registrieren muss und die Betreiber der Plattform einen überprüfen“, so Uhlich. So soll Transparenz entstehen. Die Plattform besteht aus zwei Bereichen. Auf dem digitalen Marktplatz können sich alle Angemeldeten, also Bürger, Vereine, Verwaltung, Schulen und lokale Betriebe beider Rheinfelden austauschen und präsentieren.

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„Mitarbeiter von Crossiety sichten die Mitteilungen und prüfen sie auf unangemessene Inhalte“, so Uhland. Es gibt die Gelegenheit, Gegenstände und Hilfe anzubieten und Fragen zu stellen. In einem Veranstaltungskalender können Gruppen ihre Termine eintragen. Zudem sollen Informationen und Aktuelles rund ums Ehrenamt zu finden sein. Im zweiten Bereich können Vereine und Gruppen privat mit- und untereinander chatten.

Das soll die Anwendung bringen

Die Projektplaner erhoffen sich mehr Bürgerbeteiligung, da Themen schneller und einfacher gestreut werden könnten. Auch sollen die Rahmenbedingungen des bürgerschaftlichen Engagements optimiert werden, da Engagierte und Institutionen sich besser vernetzen können. Die Quartiersarbeit soll durch die größere Reichweite, den Zugang zu weiteren Zielgruppen, Transparenz und eine Beschleunigung der Arbeit profitieren. Der lokale Einzelhandel findet eine einfach handhabbare Plattform vor, um Neuigkeiten und Aktionen anzukündigen.

Da Bürger beider Rheinfelden die Plattform nutzen können, soll der grenzüberschreitende Dialog gefördert werden. Zudem möchte die Verwaltung eine zu starke Splittung auf viele Kanäle wie Homepage, Facebook und weitere verhindern.

Das sagen die Fraktionen

Paul Renz (CDU) sieht den Bedarf eines solchen Instruments für die moderne bürgerschaftliche Kommunikation als gegeben an. „Sehr reizvoll ist der grenzüberschreitende Charakter.“

Uwe Wenk (SPD) nannte die Entscheidung für das Tool überzeugend und die Kosten von etwa einem Euro pro Einwohner „absolut vertretbar“.

Von einer „tollen Sache“ und einem guten Ziel sprach Alexander Strehmel (Grüne). Wichtig sei jedoch, dass die Stadt die Plattform gut bewerbe.

Etwas kritischer war Karin Reichert-Moser (Freie Wähler). „Die meisten Vereine haben schon Internet-Plattformen, das ist nicht der große Renner“, sagte sie. Zudem wollte sie wissen, ob Rheinfelden/Schweiz dem Projekt schon definitiv zugesagt habe. Laut OB Klaus Eberhardt habe die Nachbarstadt „ihre Zustimmung signalisiert“.

„Smart City ist das noch nicht, aber ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Eckhart Hanser (CDU). Er fragte sich aber, wie man die Menschen überzeugen wolle, von Facebook wegzukommen, wo es bereits einige Gruppen zu Rheinfelden gibt. Der OB konnte darauf „keine abschließende Antwort“ geben, betonte aber die Wichtigkeit der geplanten „Kick-off-Veranstaltung“ zur Vorstellung der Plattform.

Ein „komisches Gefühl“ plagte Gustav Fischer (SPD) in Bezug auf die finanzielle Zukunft der Stadt. Er spielte auf die Klausurtagung am Freitag an, bei der über mögliche Einsparpotenziale gesprochen worden war.

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„Das wird nun schon nicht umgesetzt.“ Zudem sieht er keinen großen Bedarf für die Plattform und wolle erst eine definitive Zusage der Schweizer. „Daher enthalte ich mich“, so Fischer.

Jörg Moriz-Reinbach (Grüne) wünscht sich ein Gesamtkonzept, wie Crossiety mit der Homepage der Stadt und Facebook zusammenspiele.

Mit einer Enthaltung stimmten die Mitglieder des Hauptausschusses schließlich zu, dem Gemeinderat die Einführung der Kommunikationsplattform vorzuschlagen.