Zu Pandemiezeiten haben viele Geschäfte mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Andere haben von Corona sogar profitiert. Doch wie sind die Direkterzeuger vom Dinkelberg durch die schweren Corona-Zeiten gegangen? Wir haben nachgefragt.

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  • Die Minsler Brennerei Wiedmann-Wenk stellt mit etwa 30 verschiedenen Sorten Spirituosen aus so ziemlich allem her, was auf dem Dinkelberg wächst, und bietet im Herbst zusätzlich Lohnmosten und frischen Süßmost von der Trotte an. In der Coronazeit sei der Zulauf an Kundschaft stark zurückgegangen, resümiert René Wenk. Als die Winzergenossenschaft beschloss, den Verkauf einzustellen, habe sein Familienbetrieb den eigenen Hofladen ebenfalls geschlossen. „Als Direkterzeuger durften wir aber bereits nach einer Woche wieder öffnen“, erzählt Wenk. „Dass die Kundschaft danach nur langsam wieder erschien, lag vermutlich daran, dass die meisten Gaststätten noch länger geschlossen hatten. Viele dachten, dass auch wir dann nichts verkaufen“, meint Wenk. Mit dem Herbst habe sich die Lage glücklicherweise entspannt: „Momentan sind wir am mosten und hoffen, dass die zweite Infektionswelle ausbleibt – wenn es so weiter läuft, sind wir zuversichtlich.“
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  • Mit Einfallsreichtum trat die Bioland-Gärtnerei des St. Josefshauses der Pandemie entgegen. Da auch im St. Josefshaus die Bewohnerkontakte zur Außenwelt weitestgehend reduziert werden mussten, fielen mehrere Mitarbeitende als Arbeitskräfte für die Gärtnerei aus. „In dieser Zeit konnten wir lediglich drei bis vier Bewohner des Hauses beschäftigen“, berichtet Werner Alles von der Zeit der Corona-Zwangspause. Binnen einer Woche musste zudem der Laden der Gärtnerei geschlossen werden, wo neben Gemüse aller Art auch Zierpflanzen, Setzlinge und andere Gartenartikel verkauft werden. „Doch dann kam uns die Idee für ein Alternativangebot: Das Gemüse in Kisten nach Hause zu liefern“, erzählt der Gärtnereileiter. Die Nachfrage nach den Bioland-Abokisten sei binnen weniger Wochen auf aktuell 150 Kisten pro Woche gestiegen. Mit dieser Entwicklung zeigt sich Alles zufrieden: „Wir befüllen unsere Kisten saisonal und haben so eine sichere Abnahmequelle für unser Gemüse dazugewonnen.“ Der Laden sei mittlerweile am Freitagvormittag wieder geöffnet, die herangezogenen Pflanzen werden vor der Tür verkauft. Der Gärtnereileiter klingt hoffnungsvoll und blickt voller Zuversicht in die Zukunft: „Wir haben einen guten Weg gefunden, durch diese Krise zu gehen“.
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  • Beim „Dorflädeli“ in Karsau habe der Zulauf während der Hochphase der Pandemie leicht zugenommen. „Wir vermuten, dass die Leute mehr Zeit hatten, um Läden wie den unseren aufzusuchen. Viele waren in Kurzarbeit und hatten die Kinder zuhause; da liegt es nahe, zu erkunden, was die Region zu bieten hat“, erzählt Ingrid Mutter-Wilhelm. Die Inhaberin und Bäckerin bietet von handgemachten Backwaren über frisches Obst und Gemüse bis hin zu Haushaltswaren fast alles an, was es zum Leben braucht. „Während des Lockdowns haben wir ausnahmsweise vom ein oder anderen Produkt mehr verkauft, zum Beispiel Mehl und Toilettenpapier natürlich“, lacht Mutter-Wilhelm.
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  • Wie die großen Supermärkte überrannt worden sei der Dorfladen aber nicht. Mutter-Wilhelms größte Sorge sei die Beschaffung von Hefe gewesen: „Wir mussten unsere Hefe mehr als drei Wochen lang aus den verschiedensten Ecken und Regionen zusammenkratzen, um weiterbacken zu können.“ Glück im Unglück sei da die Unterstützung der Kunden gewesen. „Viele, die von unserem Hefenotstand wussten, haben uns eigeninitiativ einfach ein paar Würfel mitgebracht. Das war sehr herzerwärmend und eindrücklich für uns“, erzählt die Bäckerin.
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  • In „Anett‘s Buurelade“ in Minseln hatte Inhaberin Anette Matt ebenfalls viel zu tun. „Dadurch, dass der Laden geöffnet bleiben konnte, war der Zulauf und auch der Umsatz in der Coronazeit wesentlich höher als sonst“, berichtet die Inhaberin. So sei zum einen ein neuer Kundenstamm entstanden, zu dem auch viele junge Leute gehören. Zum anderen habe sich das Einkaufsverhalten der Menschen in der Krisenzeit verändert. „Um nicht wegen jeder Mahlzeit den nächsten Supermarkt aufsuchen zu müssen, wurde viel auf Vorrat gekauft. So stieg zum Beispiel die Nachfrage nach unseren mehrere Kilo schweren Rindfleischpaketen, die man einfrieren kann“, erzählt Annette Matt. Der Vertrieb von Geschenkkörben sei dagegen aufgrund fehlender Festlichkeiten und Veranstaltungen zurückgegangen. „Insgesamt bin ich froh, dass es zwar mehr Arbeit gab, ich mir aber keine Sorgen darum machen musste, wie lange ich meine Mitarbeitenden noch beschäftigen kann“, meint Matt.

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