Die Tinte unter den Verträgen ist gerade getrocknet und schon können sich Franziska Tanner und Alexander Schwabe als neue Besitzer von Schloss Beuggen kaum retten vor Aufmerksamkeit. Kein Wunder eigentlich – denn das Schweizer Gastronomenpaar schlägt nicht nur ein neues Kapitel in der 800-jährigen Geschichte des Hauses auf, sondern beendet auch ein kurzes, aber schwieriges unter dem Vorbesitzer. Dieses Gefühl machte sich am Montag unter den rund 90 geladenen Gästen breit, die mit dem Neustart große Hoffnungen verbinden.

Franziska Tanner und Alexander Schwabe freuen sich auf die Zukunft.
Franziska Tanner und Alexander Schwabe freuen sich auf die Zukunft. | Bild: Verena Pichler

Schwierige Verhältnisse mit Vorgänger

17 Tage, so präzisierte Schwabe, sind seit der notariellen Beurkundung vergangen. Diese hätten er und seine Lebenspartnerin Tanner genutzt, um mit Nachbarn, der Stadtverwaltung und weiterer Menschen ins Gespräch zu kommen. Viel hätten sie dabei zur Geschichte und der Bedeutung von Schloss Beuggen erfahren.

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Und auch, dass „die Erwartungen der Menschen rund um Schloss Beuggen mit den Zielen von Kai Flender nicht korrespondiert“ hätten. Der Tiengener Architekt, der das Ensemble als erster Privateigentümer nach dem Verkauf durch die Landeskirche geführt hatte, habe es aber verstanden, das Schloss mit seinen Gebäuden so zu sanieren, „dass es sich heute in einem weitgehend tollen Zustand“ befände.

Toll sei auch, wie er und seiner Partnerin, zuvor zehn Jahre lang auf dem Röttlerhof in Lörrach Haagen mit Events tätig, in Rheinfelden aufgenommen worden seien. „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, zitierte Schwabe das Ende eines Bonhoeffer-Gedichts. Dieses habe sich sein Vater, der im Alter von 90 Jahren friedlich verstorben sei, für seine Todesanzeige gewünscht.

Von diesen „guten Mächten“ hätten sie in den vergangenen Tagen und Monaten viel gespürt. „Die Hilfe, die uns für die Zukunft von Schloss Beuggen versprochen wurde, ist geradezu herzergreifend“, so Schwabe zu seinen Gästen, unter denen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft aber auch Gewerbe befanden.

„Alle wollen, dass Beuggen wieder blüht und aus dem Dornröschenschlaf geweckt wird.“ Dies zeige aber auch die große Erwartungshaltung. Die Menschen wollten von den neuen Besitzern wissen, wann sie den Schlosspark wieder nutzen dürften, wann die Insel – Privilegien, die unter Flender der Öffentlichkeit nicht gewährt worden waren.

„Ein Ort für die Bevölkerung“

Gerade das hatte die Bevölkerung aber geschmerzt, wie Oberbürgermeister Klaus Eberhardt in seiner Rede festhielt. Denn Beuggen sei nicht nur ein besonderer Ort mit wechselvoller Geschichte, sondern auch ein „Ort für die Bevölkerung mit wunderbaren Festen“ und einer, der eine ganz besondere Bedeutung für den Stadtteil Karsau habe.

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Beuggen, so Eberhardt, sei wohl „der geschichtsträchtigste und interessanteste Ort am Hochrhein in unserem Landkreis“, für die Stadt sei er dies auf jeden Fall. Deshalb stehe die Verwaltung zum Schloss und habe sich in den vergangenen Jahren sehr für den Erhalt eingesetzt. Die erneute Veräußerung sei „Glücksfall“.

Auch Schlosskonzerte finden wieder statt

Dass Beuggen nicht irgendein Objekt sei, machte Rainer Liebenow, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden, deutlich. Das Kreditinstitut hat den Verkauf begleitet und Schwabe drückte seinem Berater Stephan Ernst ganz persönlich großen Dank aus. Die Sparkasse sponsert seit zehn Jahren die sehr beliebten Schlosskonzerte, die es auch unter den neuen Besitzern geben soll. Was die beiden als ihre Kernkompetenz betrachten, verdeutlichte Franziska Tanner. Sie ist Marketing- und Vertriebsfachfrau, ihr Lebenspartner Alexander Schwabe Hotelier, Restaurantfachmann und Meisterlandwirt. „Vom Bauernhof zum Schloss, das hört sich vielleicht etwas widersprüchlich an“, so Tanner am Montag. Aber es sei gerade die Natur rund um Schloss Beuggen, welche dieses so attraktiv mache.

Künftig werden Tanner, Schwabe und ihre Dienstleister Anlässe aller Art als Rundum-Service-Paket anbieten, wobei auf Hochzeiten besonderen Wert gelegt werde. Denn gerade dafür sei Schloss Beuggen sehr geeignet. Den Apero am Montag wollte Tanner als „Auftakt unseres Wirkens“ verstanden wissen. „Noch sind wir ein Bäumchen, das soeben eingepflanzt wurde. Wir brauchen etwas Zeit, um Wurzeln zu schlagen und unsere Tätigkeiten zu konkretisieren.“

Diese Zeit dürften die beiden von allen Seiten eingeräumt bekommen. Ganz besonders aber wohl von Karsaus Ortsvorsteher Jürgen Räuber, der in sehr emotionalen Worten seiner Freude über den gelungenen Verkauf Ausdruck verlieh. „Gemessen an dem, was hinter uns liegt, haben wir sehr sehr wertschätzende Gespräche geführt.“ Seitens des Ortsteils „begleiten Sie die allerbesten Wünsche“.

Dem offiziellen Teil folgte ein Apero im Restaurant Beuggen 1 unter der Leitung von Geschäftsführer Erhan Kmaci sowie eine Führung durch einige Räume.