Wie kann das Radfahren in der Stadt und den Ortsteilen sicherer gestaltet und gefördert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Verwaltung im Rahmen des Verkehrs- und Mobilitätsplans seit geraumer Zeit; nun wollte sie ans Parkraum- und Radschutzstreifenkonzept einen Knopf machen und dem Bau- und Umweltausschuss eine Prioritätenliste vorlegen. Auf Intervention von Jürgen Räuber, Ortsvorsteher von Karsau, wurde die Beratung allerdings vertagt.

Fachbüro präsentiert Ergebnisse

Denn der Ortsteil hatte keine Gelegenheit, das Thema vorzuberaten, da die Stellungnahme des Fachbüros von der Stadt versehentlich nicht weitergeleitet wurde. In der Sitzung des Karsauer Gremiums wurde deutlich, dass das Konzept in vielen Punkten nicht den Vorstellungen entspricht.

Deshalb beantragte Räuber im Bau- und Umweltausschuss die Absetzung des Tagesordnungspunkts, dem alle Fraktionen folgten. Der OB Klaus Eberhardt hatte dazu keine Einwände. „Wir arbeiten seit zwei Jahren daran und haben keine Eile.“ Schließlich wolle man kein Konzept, das den Eindruck erweckt, man habe es durchgepeitscht. Eine Präsentation der Ergebnisse durch das beauftragte Fachbüro gab‘s dennoch.

Darum geht‘s

Die Aufgabe ans Fachbüro Fichtner war klar umrissen: In welchen Straßen eignen sich Schutzstreifen für Radfahrer? Und welche Auswirkungen hätten die Schutzstreifen – also weiß gestrichelte Linien – auf den Parkraum? „Schutzstreifen sind dabei nur ein Mosaikstein und kein Allheilmittel“, so Fachreferent Florian Krentel. Die Voraussetzungen dafür sind unter anderem Mindestfahrbahnbreiten oder das Verkehrsaufkommen.

In 30er Zonen sind Schutzstreifen nicht zulässig. Auf Grundlage der Studie wurde eine Prioritätenliste erstellt. Diese sieht zum Beispiel mit Priorität hoch einen beidseitigen Schutzstreifen entlang der B 316 und eine sogenannte Radschleuse am Übergang zum Roten Weg in Degerfelden vor. „Ich sehe partout nicht ein, warum Unstrittiges warten soll, nur weil es manchen Stellen harzt“, so Ortsvorsteherin Karin Reichert-Moser. OB Klaus Eberhardt gab ihr Recht und stellte eine kurzfristig anberaumte Sitzung in Aussicht, um die unstrittigen Punkte rasch zu klären.

Beispiel Kafü

Klärungsbedarf gibt es nicht nur in Karsau; auch in der Karl-Fürstenberg-Straße (Kafü) gibt es einen Zielkonflikt zwischen Parken und Radfahren, der die Gremien wohl noch weiter beschäftigen wird. Denn wenn ein beidseitiger Schutzstreifen käme, fielen 76 Parkplätze entlang der Straße weg, bei einem einseitigen 22 im östlichen, 17 im westlichen Bereich. Das Ziel könnte demnach Tempo 30 auf der gesamten Kafü sein, womit der Mischverkehr auf der Fahrbahn zwischen Fahrzeugen und Fahrrädern angemessen wäre. Der Antrag der SPD, die Karl-Fürstenberg-Straße als Fahrradstraße auszuweisen, hat laut Planer wenig Aussicht auf Erfolg. Das Rad sei hier nicht das vorherrschende Verkehrsmittel, zudem sei die Kafü kein Unfallschwerpunkt. Auch sei ruhender Schwerverkehr in Fahrradstraßen nicht zulässig, dafür gebe es aber keine Alternative.

Für den ruhenden Verkehr auf der Kafü lautet die Empfehlung der Planer, Parkplätze zu markieren, weil damit der Verkehrsablauf beruhigt werden könne.