Ortsvorsteherin Karin Reichert-Moser sitzt in ihrem Büro in der Ortsverwaltung und beendet schnell ihr Telefonat für den geplanten Ortsspaziergang mit der Zeitung. Pünktlich um 9 Uhr steht sie vor dem Rathaus des Dorfs der Bäche. Reichert-Moser hat sich viel vorgenommen. Am liebsten will sie ganz Degerfelden zeigen. Gleich vorweg: Nach einer Stunde und 40 Minuten war erst ein Teil davon geschafft, bevor sie und der Reporter sich auf den Rückweg begaben, weil beide noch Termine hatten.

Karin Reichert-Moser
Karin Reichert-Moser | Bild: Ralf H. Dorweiler
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Doch der Reihe nach: „Wir haben nicht viele Straßen in Degerfelden, aber viele schöne Ecken“, gibt sie zu Beginn eine Kurzbeschreibung des Dorfs. Es geht durch das Sträßchen „Am Waidbach“ zur Rebetsmatt. Seit 1963 konnten in diesem Baugebiet neue Häuser gebaut werden. Reichert-Moser hat auch die anderen Entwicklungsflächen mit Jahr herausgesucht: Die Terrassenhäuser entstanden ab 1970, Degerfelden-Süd ab 1974 und Langgärten-Süd ab 1995. Zusammen mit den alten Teilen des Dorfs leben rund 1500 Menschen in Degerfelden zusammen.

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Es könnten noch mehr sein. „Wir hoffen seit langem auf ein neues Baugebiet“, sagt die Ortsvorsteherin. Gleichzeitig ist sie aber auch froh, dass der Ortsteil sich in Ruhe entwickeln konnte. „Das war wichtig für das Zusammenleben“, betont sie. Das Gemeinschaftsgefühl der Degerfelder wurde in jüngerer Vergangenheit noch durch einen weiteren Faktor gestärkt: Das Dorf am Hagen- und Waidbach nahm am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teil.

2008 teilte man sich mit Tannenkirch den ersten Platz im Kreisentscheid, 2009 reichte es im Bezirksentscheid für einen Sonderpreis für ehrenamtliches Engagement. Und das hat sich bis heute gehalten. „Unsere Bürger geben sich sehr viel Mühe, dass alles schön ist“, sagt Reichert-Moser. Davon legen etwa Blumen Zeugnis ab, die den öffentlichen Raum schmücken und von Blumenpaten versorgt werden.

Jetzt geht es ans Wasser, genauer auf die Grenzacher Straße, die alte Ortsdurchfahrt, die lange parallel zum Hagenbach verläuft, der ab der Vereinigung mit dem Waidbach zum Dorfbach wird. „Der Charakter im Dorf soll erhalten bleiben“, wünscht sich die 68-Jährige, die seit 1994 dem Ortsteil vorsteht. Der Ortschaftsrat möchte dafür eine Satzung für Bauvorschriften im unbebauten Innenbereich beantragen. Und viele schöne, alte Gebäude sind hier auch zu sehen, etwa das alte Milchhüsli, das heute Domizil des Narrennests ist.

Auf die Frage, wie sie einen typischen Degerfelder charakterisieren würde, muss Reichert-Moser etwas nachdenken. „Der Degerfelden ist traditionell, aber Neuem gegenüber aufgeschlossen“, sagt sie und ergänzt: „Und man ist gesellig und fürsorglich.“ Man sei für alle neuen Bewohner offen, die sich in bestehende Strukturen einbringen könnten. Mit den bestehenden Strukturen meint sie vor allem auch die Vereine, deren rege Aktivität für den Ortsteil äußerst wichtig sind, wie sie am Dorfplatz erzählt, der gerade Baustelle ist. Bis zum Mai sollen die abgeschlossen sein, hofft sie.

Immer wieder ist der Bach Thema. Klar, dass am Dorfplatz auch vom Bachfest gesprochen wird. Und etwas weiter von der „Rialtobrücke“. Als die Ortsvorsteherin die originale Rialtobrücke in Venedig sah, fühlte sie sich an die Brücke in Degerfelden erinnert. So kam es zu dem Namen. Doch bevor sie darüber geht, wird in der alten Schule ein Zwischenstopp eingelegt, um den in viel Eigenarbeit geschaffenen Ausstellungsraum zu zeigen. Der Weg führt schließlich weiter zur Fridolinhalle, die einen Anbau erhält und zur Schule samt Spielwiese. Reichert-Moser hätte gerne noch so viel mehr gezeigt, aber die geplante Zeit ist schon lange verstrichen. „Vergessen Sie nicht zu schreiben, dass wir eine tolle Feuerwehr-Abteilung haben“, ruft sie zum Schluss zurück am Rathaus. Versprochen!

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