Herr Weber, Ihr Vorgänger, Alfred Winkler, hat sich ziemlich überraschend aus dem Gemeinderat zurückgezogen. Haben Sie damit gerechnet?

Sagen wir mal so: Als ich nach der Wahl der erste Nachrücker wurde, war die Wahrscheinlichkeit, dass ich nachrücken werde, schon recht hoch.

Alfred Winkler war lange im Gemeinderat. Hat er Ihnen etwas mitgegeben?

Er hat mir mitgegeben, und das fand ich sehr nett, dass er mir das gönnt. Weil ich mich doch sehr engagiert hätte und es verdient hätte, nachzurücken.

Ihr Vorgänger ist bekannt für seine Debattenfreudigkeit. Pflegen Sie auch den politischen Streit?

Ich glaube, dass ich etwas ruhiger bin. Ich höre eher zu. Aber dort, wo ich etwas zu sagen habe, werde ich durchaus etwas sagen und Dinge kritisch benennen. Aber klar, der Herr Winkler ist schon eine ganz besondere Person. Ihn kopieren möchte ich bestimmt nicht.

Sprechen wir doch über Inhalte. Wofür wollen Sie sich besonders einsetzen?

Als ehemaliger Schulleiter interessiert mich alles im sozialen und im Bildungsbereich. Die Pandemie hat gezeigt, dass manche Dinge bislang nicht so eng gesehen wurden – die wir Pädagogen schon lange als Baustelle erkannt hatten. Gerade der IT-Bereich war immer ein Stiefkind. Wobei: In meinen letzten Jahren als Schulleiter hat mich die Stadtverwaltung da ganz gut unterstützt.

Das Thema scheint Ihnen sehr am Herzen zu liegen.

Na ja klar, wenn man das 40 Jahre gemacht hat, lässt einen das nicht mehr los. Die Zusammenarbeit der Schulen mit der Stadt muss schon sehr gut sein. Wenn und wo es nötig ist, wäre ich gern bereit, als Gemeinderat zu vermitteln. Aber auch das Thema der Ökologie begleitet mich schon sehr lange. Und die Bauentwicklung, die betrifft uns ja auch im Ortschaftsrat Minseln immer wieder.

Sehen Sie sich im Gemeinderat auch als Vertreter von Minseln?

Ja, ich denke, dass wir diese Themen verstärkt einbringen können, zum Beispiel die Erweiterung des Kindergartens. In Minseln wird viel gebaut und wir gehen davon aus, dass die Bevölkerung um rund 200 Personen zunimmt – da werden auch Kinder kommen.

In Ihrer ersten Gemeinderatssitzung haben Sie sich gleich für die längere Überdeckelung an der A 98.5 eingesetzt. Ist Verkehr für Sie auch ein Herzensthema?

Grundsätzlich ja. In Minseln befürchten wir mehr Durchgangsverkehr, wenn der Zubringer an die Autobahn angeschlossen ist. Und mich interessiert auch der Radverkehr. Zur Schule nach Karsau bin ich regelmäßig mit dem Fahrrad gefahren. Ganz bewusst.

Was bringen Sie mit in die politische Arbeit?

Lebenserfahrung. Ich bin sehr früh politisiert, mit 15 Jahren im Streik gegen den Numerus clausus am Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach. Und die Erfahrung aus dem Ortschaftsrat ist sicher auch ein guter Baustein. Aber im Gemeinderat ist die Bandbreite der Themen größer. Und gerade in Baufragen berät der Ortschaftsrat eher. Im Gemeinderat hat man mehr Verantwortung.

Was bedeutet es für Sie, dass Sie in einem Jahr in den Gemeinderat kommen, in dem für kaum etwas Geld da ist?

Das heißt, noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Genauer abzuwägen, welche Ausgaben nicht sein müssen. Wir werden sehr verantwortlich mit dem Haushalt umzugehen haben, auch im Vergleich zu früheren Jahren.