Draußen schien die Sonne, im Orffsaal der Musikschule Rheinfelden herrschte konzentrierte Workshop-Atmosphäre. Den ganzen Samstagnachmittag über arbeiteten zwei Stipendiaten der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung mit drei Violinschülern der Musikschule an Kammermusikwerken von Schubert und Beethoven.

Auch wenn stundenlang an Klang, Artikulation, Bogentechnik und Interpretation gefeilt wurde, war die Stimmung offen, freundlich und entspannt. Das lag vor allem an den Workshopleitern, der 25-jährigen südkoreanischen Bratschistin Hwayoon Lee und dem 18-jährigen Cellisten Lionel Martin, der in Zürich studiert. Die jungen Solisten, die in den erlesenen Kreis der Mutter-Stipendiaten aufgenommen wurden und international konzertieren, waren schon mit Stargeigerin Anne-Sophie Mutter auf Konzertreisen und sind von Oktober an bei der neuen „Mutter‘s Virtuosi-Tournee“ unterwegs.

Ohne Starallüren

Doch von Starallüren gibt es keine Spur. Locker, nahbar und zugewandt gehen Hwayoon Lee und Lionel Martin mit den Rheinfeldener Violinschülern um, die nur wenig jünger sind als sie selbst. Oder fast gleichaltrig wie die 19-jährige Angeli Brenner, die mit fünf Jahren mit dem Geigenspiel begonnen und seit acht Jahren Unterricht bei Monika Kordowich an der Musikschule hat.

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Kordowich saß mit im Saal und verfolgte gespannt, die Noten in der Hand, wie ihre Schülerin Schuberts Streichtrio B-Dur mit den Workshopleitern erarbeitete. „Wie Du diese Stelle spielst, ist richtig knusprig. Das hat uns gut gefallen“, sagt Hwayoon Lee zu der jungen Geigerin. Die Bratschistin und der Cellist geben ihr Tipps, wie sie das Tempo und die Dynamik besser gestalten kann, was sie beim Legato und beim Phrasieren beachten sollte.

Mit ihrer aufbauenden Art, auf Augenhöhe mit der Geigenschülerin zu kommunizieren und zusammenzuspielen, nehmen sie ihr jede Nervosität und holen sie hinein ins kammermusikalische Miteinander – nicht mit strengem pädagogischem Zeigefinger, sondern aus dem musikalischen Gespür, dem gemeinsamen Spielfluss heraus. Im Forte, so raten sie Angeli Brenner, könnte sie sich als Hauptstimme noch entschlossener behaupten. Auch in den Achtelbewegungen, damit „die Musik immer weiter fließt“, wie es Hwayoon Lee ausdrückt. Länger wird an einer Piano-Stelle gearbeitet. „Piano heißt nicht nur, dass es leise ist, sondern es ist auch etwas verspielt“, meint Cellist Lionel Martin.

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„Ich fand das wunderschön, dass Du Dir die Zeit gelassen hast, das ist Dein Moment“, lobt Hwayoon Lee die Geigenschülerin für eine besonders gelungene Stelle. „Deine lyrischen Sachen sind wunderschön. Du spielst sehr schön, Du kannst Dich noch mehr trauen“, ermuntert sie Angeli Brenner und gibt ihr Selbstvertrauen. Bei der Kammermusik, sagt Hwayoon Lee, gehe es darum, sich zuzuhören, aufeinander zu reagieren, um eine „friedliche Übereinstimmung“: „Dann klappt die Magie von Kammermusik.“

Auch für die Besucher ist es interessant, bei diesem öffentlichen Workshop zu beobachten, wie die Mutter-Stipendiaten die Musikschüler in den kammermusikalischen Klangkosmos hineinnehmen. So wird Schuberts Streichtrio mit Angeli Brenner komplett durchgespielt, um in den Spielfluss zu kommen. Begeistert von diesem Workshop ist auch Musikschulleiter Bernward Braun, der Fotos macht, Getränkekisten herbei schleppt und es „ganz toll“ findet, dass Violinschüler der Musikschule in den Genuss der Zusammenarbeit mit Stipendiaten der Mutter-Stiftung kommen und am Ensemblespiel arbeiten können.

Die Violinschüler Nikolas Kassubek (links) und Erich Petraschka.
Die Violinschüler Nikolas Kassubek (links) und Erich Petraschka. | Bild: Roswitha Frey

Nach Angeli Brenner sind zwei Violinschüler aus der Klasse von Tobias Schlageter an der Reihe: der 16-jährige Erich Petraschka, der seit zehn Jahren Geige spielt und seit fünf Jahren Unterricht bei Tobias Schlageter hat, und der 17-jährige Nikolas Kassubek, der seit elf Jahren Violine spielt. Jeweils anderthalb Stunden sind beide nacheinander auf dem Podium mit Hwayoon Lee und Lionel Martin aktiv, um zwei Sätze aus Beethovens Streichtrio Es-Dur op.3 einzustudieren. Kassubek ist beeindruckt, wie „offen und freundlich“ die jungen Top-Musiker sind und wie entspannt die Atmosphäre ist.