Ortsvorsteher Sven Kuhlmann hat seinen ersten Spaziergang schon hinter sich. Von daheim ist er zu Fuß bis zum Treffpunkt für den Ortsteilspaziergang gekommen, zum Rathaus. Nach der Begrüßung stellt er seinen Schrittzähler ein. Insgesamt werden er und der Autor gemeinsam noch 3,97 Kilometer zurücklegen beim Spaziergang durch den höchstgelegenen und kleinsten Ortsteil Rheinfeldens.

Sven Kuhlmann
Sven Kuhlmann | Bild: Ralf H. Dorweiler

342 Einwohner leben in Nordschwaben. Schon die Telefonvorwahl 07622 zeigt die intensive Verbindung ins nahe Schopfheim. Bis zum Rheinfelder Rathaus ist es mit neun Kilometern doppelt so weit. Zum Einkaufen fahren viele darum in die Nachbarstadt, wie Kuhlmann im Rathaus erklärt.

Mit 500 MBit durch Nordschwaben

Kuhlmann ist Polizist, er arbeitet im Bezirksdienst in Rheinfelden mit dem Schwerpunkt Cybercrime und Rauschgift. Cyberkriminalität war bis vor Kurzem in Nordschwaben gar nicht möglich. Es konnten nicht einmal mehr neue Telefonleitungen verlegt werden. Aber seit Dezember 2019 ist das Glasfasernetz des Zweckverbands im Ort aktiv. „Jetzt gibt es 500 MBit“, sagt Kuhlmann. „Früher dauerte es ewig, ein Video aufzumachen, jetzt läuft es rund in Nordschwaben.“

Zuerst soll es auf den Altreb gehen, den Hausberg Nordschwabens. Der Weg führt an ein paar markanten Punkten vorbei: Am Farrenstall, der jetzt Lagerraum ist, an der S-Kurve, durch die gerade ein Wagen fast etwas zu schnell fährt. „Wir wollen gerne in der Ortsdurchfahrt Tempo 30“, sagt Kuhlmann. Das Thema würde in der nächsten Verkehrsschau besprochen. Wichtig sei das auch wegen der Kinder. Als der 43-Jährige selbst jung war, gab es viele Kinder in Nordschwaben, dann nahm die Zahl irgendwann ab. Jetzt ist die nächste Generation am Zug und auf einmal sind wieder viele Kinder im Ort.

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Der Altreb ist erreicht mit den paar Reben am Hang, den sonst oft belegten Himmelsliegen, für die es an diesem Morgen noch zu kühl ist, und der Hütte. Wie sie denn sind, die Nordschwabener? „Sehr gesellig und hilfsbereit“, sagt Kuhlmann spontan. Das Vereinsleben sei sehr wichtig im Ort. „Und wenn einmal etwas ist, stehen alle parat.“ Vieles, was es hier oben anzusehen gibt, stammt noch aus der Ära Rita Rübsam, von der Kuhlmann das Amt erst übernommen hat. „Sie hat viel gemacht für Nordschwaben!“ Dazu gehört auch die Megabank. „Man sieht sonst fast immer jemanden hier sitzen.“

Gasthaus hat nur sporadisch geöffnet

Zeit, weiterzugehen. Auf dem Weg zurück in den Ort erzählt der Ortsvorsteher von der Busverbindung. Die habe sich zu früher verbessert, sei aber immer noch schlecht, aber nicht ganz übel. Es geht vorbei am Feuerwehrhaus, das komplett selbst gebaut wurde, am Gasthaus „Adler“, das nur noch sporadisch oder auf Reservierung öffnet. Wenn allerdings offen ist, sei der Stammtisch voll.

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Früher hätte man auch oft am Niggitalbrunnen gesessen, als die natürliche Quelle schön gemacht worden war. Kenner von Nordschwaben wissen schon, wohin der Spaziergang führt: Es geht zur Mauritiuskapelle samt Friedhof, von der auch ein Bild im Rathaus hängt. „Vor zwei Jahren hatten wir unser 750-Jahre-Jubiläum“, erinnert Kuhlmann. So alt müsse die Kapelle also mindestens sein.

Nordschwaben setzt auf A 98

Kuhlmann zeigt in den Süden. Dort wird einmal die Autobahn verlaufen, außer Sicht des Ortes, aber man werde sie sicher ab und an hören. Und wenn die Autobahn in Minseln endet, geht man auch in Nordschwaben von zeitweise etwas mehr Verkehr aus. Darum liegt auch Nordschwaben ein zügiger Weiterbau der A 98 am Herzen.

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Kuhlmann geht weiter über das Skulpturenwegle, denn er will noch den Stolz der Nordschwabener zeigen, die Halle, bevor noch ein Blick aufs Baugebiet Leberholz geworfen wird. Abschnitt II soll im Mai in Offenlage gehen und sechs bis acht neue Bauplätze bieten. Gerne für Leute aus dem Ort, die hier bleiben wollen.

Etwas Neues für den Ortsvorsteher

Die Sonne steigt höher, als Kuhlmann wieder in Richtung Rathaus führt. Dort gibt es auch für ihn noch eine Überraschung. Über dem Eingang zur Ortsverwaltung findet sich das alte Originalwappen Nordschwabens, bei dem die Zahl der Tannenzweige im Verhältnis acht zu sechs angeordnet ist. „Ich gehe hier so oft durch, aber dass es das alte Wappen ist, war mir bis heute nicht aufgefallen.“