Internationale Vielfalt prägt die katholische Kita St. Josef. 87 Prozent der 100 Kinder, die in vier Gruppen der Einrichtung betreut werden, haben einen Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. Leiterin Martina Rückert ist es seit Jahren wichtig, in der Kita die Sprachfähigkeit der Kinder voranzubringen. Dazu gehört auch das erfolgreiche Projekt „Mama lernt Deutsch“. Für 2020 hat sich die Einrichtung ein zentrales Thema gesetzt, das unter dem Motto Kulturküche steht und sich auch an Eltern richtet, die keine Kinder in St. Josef haben. Dabei geht es um die Bedeutung von Essen und Sprechen.

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Ein Auslöser, sich dieses Themas anzunehmen sind, wie Rückert im Gespräch sagt, die Beobachtungen in der Stammgruppe der Kita. „Viele haben kein kindgerechtes Essen dabei“, stellt Martina Rückert fest. Sogar am ungerösteten Toastbrot werde noch die Rinde abgeschnitten, so dass die Kinder überhaupt nicht mehr kauen und deshalb auch keine Muskeln im Mund mehr entwickeln. Die Folge davon sind Sprachverzögerungen, undeutliche Aussprache und dass Kinder einzelne Buchstaben nur schlecht oder gar nicht sprechen.

Besorgter Blick in die Vesperdose

Für eine Kita, die von der Erzdiözese beauftragt ist und dafür gefördert wird, sich um die Sprachförderung im Vorschulalter zu kümmern, stellt eine solche Erfahrung deshalb eine Alarmsituation dar. Deshalb wird ein aufbauendes Programm für Eltern und Kinder in Angriff genommen. Das soll zu einer sinnvollen Esskultur anleiten, die sich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Die Erzieherinnen stellen beim Blick auf die Vesperdose mancher Kinder besorgt fest, dass Eltern auch überfordert sind in Zeiten von Fertigprodukten dafür zu sorgen, dass das Kind sich richtig ernährt. „Das traditionelle Leberwurstbrot mit Kruste“ ist inzwischen verschwunden, meint Rückert.

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Als Kita im Plus-Projekt nimmt es die Kita St. Josef mit den Elternarbeit sehr ernst und wird sich den Mahlzeiten als pädagogischer Herausforderung widmen. Dabei stützt sich die Leitung auch auf eine Studie amerikanischer Wissenschaftlicher, die herausgefunden haben, dass Familien oft nicht mehr zu den Mahlzeiten gemeinsam am Tisch sitzen und Rituale pflegen, damit fehle Wichtiges für die Entwicklung des Kindes.

Regeln für das Essen

Weil heute viele Kinder auch alleine essen und selbst in Gemeinschaft am Tisch am Handy gespielt wird statt miteinander gesprochen, empfiehlt die Kita St. Josef den Familien Regeln festzulegen, wonach es bei Tisch kein Handy gibt und auch nicht Fernsehen geschaut wird. Die Mitarbeiter in St. Josef erleben oft, dass „viele eigentlich selbstverständliche Rituale und Sitten den Kindern nicht mehr gängig sind und immer mehr verloren gehen“, heißt es in Verbindung mit der geplanten Kulturküche.

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Auch fehle oft unter den Kindern das Verständnis für die Vielfalt der Kulturen und landestypischen Gewohnheiten beim Essen.Vor diesem Hintergrund widmet sich die Einrichtung im Rahmen des Bundesprogramms „Sprach-Kita – weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ und als Einrichtung, die sich zum Kinder- und Familienzentrum entwickelt, der Kulturküche. Es soll ermutigen „gemeinsam bewusster zu essen“, erklären die Verantwortlichen und gegenseitige Akzeptanz der Kulturen zu fördern.

Veranstaltungen für alle Eltern

Geplant sind mehrere Veranstaltungen. Die sind öffentlich und richten sich somit nicht nur an Eltern und Kinder der Kita. Dabei stellt sich St. Josef breit auf mit Partnern. Beteiligt werden der Rhein Bildungs- und Kulturverein, das Familienzentrum, der russische Bildungs- Kultur- und Integrationsverein, die italienische Frauengruppe und die Quartiersarbeit der Stadt mit den Integrationslotsen. Diese Zusammensetzung spiegelt sich auch die internationales Vielfalt der Kinder in der Einrichtung wider.

An den Veranstaltungen gibt es im Miteinander praktische Tipps und Tricks, auch wie sich mit einfachen Tischspielen Kinder zum Essen und Sitzenbleiben motivieren lassen.

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Martina Rückert und ihrem Team ist es im Zuge der Aktionen auch ein wichtiges Anliegen, Nachhaltigkeit zu fördern und die Selbständigkeit der Kinder. Es gebe Kinder, die mit der Aufforderung „bitte bringe den Teller in die Küchen“ nicht anfangen können, weil sie nicht verstehen, was von ihnen erwartet wird. Kinder werden in den Angeboten mit eingebunden, damit sie mit den Vorgängen vertraut werden. Deshalb wird für die Veranstaltung auch beim Auftakt am Donnerstag, 13. Februar, ein Zeitraum zwischen 17 und 19 Uhr gewählt. Beim ersten Thema dreht es sich um die Türkei. Dabei werden auch typische Nahrungsmittel vorgestellt, Tischsprüche erklärt. Weitere Abende zu einzelnen Ländern folgen.

Beim Werte-Jahr dabei

Mit diesem Jahresprojekt beteiligt sich die katholische Kita am Werte-Jahr der Stadt, das auf Integration und Teilhabe abzielt. Zum Abschluss soll es im Juli ein multikulturelles Fest in der Kita geben, bei dem sich alle Länder mit landestypischen Speisen präsentieren. Alle Rezepte, Tischgebete und Sprüche die zuvor bei den Veranstaltungen gesammelt werden, wird die Kita in einem Buch zusammenfassen und verkaufen. Der Erlös dient der Einrichtung, sagt Martina Rückert.