Freundliche und kritische Worte zum Jahresanfang, damit zeichnet sich der Neujahrsempfang des Gewerbevereins der Stadt aus. Am Freitagabend waren etwa 70 Teilnehmer gekommen, selbstverständlich Händler und Gewerbetreibende, aber auch Gäste. Allerdings, und das hob Vorsitzender Gustav Fischer hervor, war dies erstmals ein Neujahrsempfang, zu dem weder Oberbürgermeister noch Bürgermeisterin wegen andere Termin kommen konnten. Aber alle Fraktionen des Gemeinderates waren vertreten.

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Launig, freundlich und selbstverständlich deftig kritisch blickte Fischer sowohl aufs vergangene als auch ins neue Jahr. Die erste Spitze auf die, in diesem Falle Bundespolitik, war seine Bemerkung, dass er eigentlich die Begrüßung auf einem Kassenbon notieren wollte. Selbstverständlich erzeugte gerade diese Neuregelung auch in Rheinfelden nur Kopfschütteln bei den Händlern.

„Rheinfelden bewegt sich“

„Rheinfelden hat seit einigen Jahren seine abwartende Stellung verlassen und sich bewegt,“ lobte er mit Blick auf die Entwicklung des Gewerbes. Gleichzeitig schränkte er aber ein: „Es sind dabei in erster Linie die privaten Initiativen, die wesentliche Anstrengungen unternommen und damit gerade im Innenstadtbereich für neuen Schwung gesorgt haben.“ Dann allerdings, so ergänzte er, mit Unterstützung der Stadt.

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Als Beispiel nannte er die umfangreiche Investition des Juweliergeschäfts Ihringer, das eben zur Stadt gehöre wie der Wasserturm. Gelegentlich allerdings stießen Investitionen bei Anwohnern auf wenig Zustimmung, weil dafür Altbauten weichen mussten, mit denen sie Erinnerungen verbanden. Die enge Verzahnung von Investoren und Geschäftsleuten mit der Politik und den Anwohnern sollte künftig den Kurs bestimmen, um das Gemeinwesen weiter voranzubringen.

Hoffen auf Tiefgarage

Noch einmal wandte sich Fischer gegen den aus seiner Sicht überstürzten Versuch, die Kapuzinerstraße als Fußgängerzone umzugestalten. Das sei verwegen gewesen. Sichtlich werde die Eröffnung der neuen Tiefgarage unterm Hochrheincenter die Verkehrssituation dort deutlich verändern, aber das gemeinsame Vorgehen dabei solle sich nicht auf die Umwidmung von Straßen zu Radwegen beschränken.

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Fischer griff auch die erforderliche Neugestaltung der Friedrichstraße auf. Dass diese Bedeutung weit über die eigentliche Straße an sich hinaus findet, sei bekannt. Jedoch schließe er sich nicht der Meinung an, dass zunächst die Fertigstellung der Autobahn abzuwarten sei, um die dann veränderte Verkehrssituation einzubeziehen. Er wandte sich an die Wirtschaftsförderung der Stadt, sich dort für die Wiederansiedlung bedarfsgerechten Handels einzusetzen, damit das einst pulsierende Leben in die Friedrichstraße zurückkehren kann.

Lob für die städtische Wohnbau

Mit viel Anerkennung bedachte der Vorsitzende des Gewerbevereins die städtische Wohnbau GmbH und vor allem deren Geschäftsführer Markus Schwamm. Der Aufwind für den Wohnungsbau sei eine wichtige Chance für das einheimische Handwerk, hier vor Ort Aufträge zu erhalten. Eben dies sei wohl die Strategie von Schwamm und seinen Mitarbeitern. Dass Handwerk, Gewerbe und Stadtverwaltung künftig gemeinsam mehr Augenmerk auf klimatische Auswirkungen ihrer Arbeit legen müssen, bekräftige Fischer. Deutlich wandte er sich aber gegen die Ausrufung eines „Klimanotstandes“. Dieser Begriff belaste mehr die eigene Arbeit, schaffe Barrieren im Kopf und stehe der angemessenen Bearbeitung dieses Themas im Weg.

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Er wandte sich dagegen, die Diskussion über klimafreundliche Lösungen mit dem Begriff Notstand zu belasten, und schloss sich der Freiburger Umweltbürgermeisterin an, die den Klimanotstand als aufgeblasene Symbolpolitik bezeichnet hatte. An dieser Stelle verließ Heinrich Lohmann, Fraktionssprecher der Grünen im Gemeinderat, murrend den Saal, um aber später wieder zurückzukehren. Gustav Fischer widmete sich noch kurz der ärztlichen Versorgung, die für anhaltende Diskussionen in der Öffentlichkeit sorgt und erklärte, dass der Gewerbeverein die weitere Ansiedlung von Ärzten unterstütze.

Mit einem kleinen Programm unterhielt Klaus Böffert die Gäste. Er hatte wie stets lokal bezogene und spitz formulierte Liedtexte mitgebracht. Die Teilnehmer des Empfangs nutzten ihre Begegnungen zu vielen Gesprächen miteinander.

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