Ein rundes Jubiläum ist es nicht, doch 140 Jahre sind schon ein Grund, an erfolgreiche Vergangenheit zu erinnern. Das St. Josefshaus wählt dazu ein spezielles Thema aus, das in den vergangenen Jahren immer stärker aus dem Blick der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit verschwand, die Tätigkeit der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz.

Bisher 537 Schwestern im Haus tätig

Schließlich war es mit Maria Theresia Scherer eine Oberin, die den entscheiden Impuls zur Einrichtung des St. Josefshauses gab. Seitdem wirkten die Schwestern in vielfältiger Weise am Aufbau der Einrichtung und an der Gestaltung des täglichen Lebens mit. Insgesamt waren bisher 537 Schwestern in sehr unterschiedlichen Funktionen tätig. Ein guter Anlass also, um diese ganze Vielfalt mit einer Fotoausstellung zu würdigen.

Ein Bild aus vergangener Zeit, als noch viele Nonnen im St. Josefshaus beschäftigt waren.
Ein Bild aus vergangener Zeit, als noch viele Nonnen im St. Josefshaus beschäftigt waren.

Sie hinterließen in jedem Jahrzehnt Spuren

Zur Vernissage am Dienstagabend erinnerte Geschäftsführerin Birgit Ackermann an viel Geschichte und unzählige Geschichten. Generationen von Mitarbeitern und Bewohnern seien durch die Arbeit der Schwestern geprägt worden. Schwester Benedicta Maria, Mitglied des Aufsichtsrats des St. Josefshauses, erinnerte an die uneigennützige Tätigkeit. Bereits vor 140 Jahren erkannten die Schwestern die Not der Zeit, in jedem Jahrzehnt hinterließen sie Spuren, an die noch gerne erinnert wird. „Es gab auch traurige Zeiten, für uns waren es Situationen der Machtlosigkeit und der inneren Verzweiflung“, führte sie mit dem Rückblick auf die 1940 erfolgten Deportationen an. „Diese Zeit hinterließ bei uns nicht verheilte Wunden und Narben.“

345 Frauen und Männer deportiert

Damals wurden 345 Frauen und Männer vom NS-Regime nach Grafeneck deportiert und ermordet. Georg Cremer, ehemaliger Generalsekretär der Caritas in Deutschland, griff die Gedanken von Schwester Benedicta Maria auf und begann seinen Rückblick mit Erinnerungen an seine Zeit im St. Josefshaus. Anfang der 1970er Jahre hatte er hier seien Zivildienst abgeleistet. Erst im Laufe der Jahre habe er die Weitsicht der Schwestern aus der Gründungszeit erkannt, denn am Ende des 19. Jahrhunderts war Deutschland kein Sozialstaat wie heute. Selbsthilfe von Familien und Nachbarn war die einzige Form, um Leid zu ertragen und zu mildern. Deshalb sei die Leistung der Schwestern sehr bedeutsam gewesen.

Lange eine schützende Insel

Auch nach dem Ersten Weltkrieg war der Staat nicht in der Lage, die Sozialleistung zu übernehmen, und mehr denn je mussten die Schwestern selbst anpacken. Um so tragischer waren die folgenden Jahre, als das NS-Regime bewusst jene Mitbürger abgeschnitten und ausgegrenzt habe, die nicht in das Bild eines gesunden „Volkskörpers“ passten, die der persönlichen Missachtung und Verfolgung ausgeliefert waren. In dieser Zeit erwies sich das St. Josefshaus lange als schützende Insel, die die Schwestern mit all ihrer Kraft verteidigten. In Erinnerung an diese Leistungen sei es völlig gerechtfertigt, dass sich die heutigen Mitarbeiter des Hauses mit ganzer Kraft für den Erhalt der Demokratie einsetzen. Derzeit arbeiten noch vier Schwestern und eine Praktikantin aus dem Kloster Hegne in Herten.

Ausstellung in zwei Etagen

Die Ausstellung in zwei Etagen des Hauptgebäudes, die noch bis zum 11. Oktober zu sehen ist, zeigt mit Fotos und Dokumenten die Vielfalt des Wirkens. In den Gruppen, in Küche, Waschhaus, Gartenbau und Sonderschule leisteten die Schwestern unverzichtbare Tagesarbeit, mit ihrem Eifer rissen sie alle anderen, die sich um Betreuung und Beschäftigung der Bewohner kümmerten, mit. Die Bilder geben Einblick in die Schwere der Arbeit, etwa in der Küche mit den damals großen Kesseln. Rund 60 Freunde, Hertener Einwohner und Mitarbeiter waren zur Vernissage gekommen.

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