Wie kam es zu der deutsch-russischen Friedensinitiative?

Die Tatsache, dass sich das Verhältnis zwischen Deutschland beziehungsweise dem Westen und Russland immer mehr verschlechtert und sich da Feindbilder aufbauen, treibt mich schon länger um. Ich habe mich gefragt, was ich als einfacher Musiklehrer, der ja weder Politiker noch Diplomat ist, für ein friedliches Zusammenleben tun könnte. Ich hatte den Gedanken, dass wir seitens der Musical Company zweimal Power haben: einmal die Musik und dann die Jugend. Zudem war es immer der Wunsch der Jugendlichen nach den Aufführungen des Musicals eine Tournee zu machen. Diese Gedanken haben sich miteinander zur Friedensinitiative verbunden.

Wie gestaltet sich diese?

Die zwölf letzten Tage der Sommerferien fahren 40 Schüler zu unserer Partnerschule nach Twer an der Wolga, wo wir gemeinsam proben und eine Aufführung im dortigen Theater haben. Nach sechs Tagen geht es zusammen mit 40 russischen Schüler des Theaterensembles „Premier“ weiter nach Moskau, dort wird ein Konzert an der renommierten Gnessin-Musikhochschule stattfinden. In dieser Zeit wird auch die Gründung der Stadt Moskau gefeiert und die Deutsche Botschaft möchte unsere Aufführung als Beitrag in diese Feierlichkeiten integrieren. Die russischen Schüler besuchen uns dann im Herbst.

Wie haben Sie das Projekt vorbereitet?

Vor etwas mehr als einem Jahr bin ich mit meiner Frau im Internet auf die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gestoßen. Auf deren Bitte hin, haben wir das Projekt in ihrem Online-Forum vorgestellt. Sehr schnell hat sich die Leiterin der auf Schüleraustausch spezialisierten Organisation Interkrug gemeldet. Wir haben uns zur Planung hier und in Russland getroffen. Interkrug übernimmt die Organisation für Twer und Moskau.

Wie ist die Reise nach Russland organisiert?

In Twer werden die Schüler in Familien untergebracht. Um sich kennen zu lernen, haben sich die Schüler schon gegenseitig Steckbriefe geschickt. Von unserer Seite fahren sechs Lehrer und drei Musiker mit. Außerdem eine Elterngruppe, die gemeinsam mit Bürgermeister Tobias Benz und Direktor Frank Schührer an einem Extra-Programm teilnehmen. In Moskau sind wir im Hostel untergebracht und es wird auch ein Kulturprogramm geben. Die russischen Schüler werden beim Gegenbesuch hier ebenfalls in Familien untergebracht.

Da sitzen aber einige Partner mit im Boot?

Was ganz klein am Küchentisch angefangen hat, involviert inzwischen ganz viele Leute, die das unterstützen. Neben Interkrug und unserer Partnerschule in Twer ist auch der Kulturattaché der Deutschen Botschaft beteiligt. Die Verbindung zur Deutschen Botschaft in Moskau wurde über den dortigen Rotary Club hergestellt und der Rotary Club in Müllheim hat im Mai ein Benefizkonzert mit unseren Schülern veranstaltet. Ein Künstlerzentrum und die Deutsche Schule in Moskau sind auch beteiligt. Da sind ganz viele Beziehungen entstanden durch den kleinen Impuls.

Was ist die Zielsetzung der Initiative?

Es geht darum, dass eine persönliche Begegnung stattfindet, dass sich Menschen in die Augen schauen und gemeinsam an einem musikalischen Projekt arbeiten. Musik ist eine internationale Sprache. Nur wenige unserer Schüler sprechen Russisch, aber die Musik, die Emotionen, der gemeinsame Rhythmus hilft uns, sich kennen und verstehen zu lernen. Das Projekt dient der Förderung der deutsch-russischen Freundschaft.

Was für eine Show präsentieren die Schüler?

Über das Internet haben wir Songs ausgetauscht, die wir in Twer gemeinsam einüben und aufführen. Aber jede Company singt auch eigene Songs. Es wäre zu aufwändig, ein ganzes Musical dorthin zu bringen, daher präsentieren wir Highlights aus unserem Musical „3 Musketiere“. Es soll aber kein reines Konzertprogramm sein, sondern szenisch aufgeführt werden. Zusammen werden auch Choreografien eingeübt. Der dortige Theaterleiter Andrew Korjakow schreibt seine Musicals selbst. Er wird Dialoge für eine Rahmenhandlung schreiben.

Eine unserer Schülerinnen, die gut Russisch spricht, und ein russischer Jugendlicher werden so durch das Programm führen.

Fragen: Horatio Gollin

Infos im Internet:
http://www.musical-lmg.de