Bernhard Maier, Biolandwirt aus dem Dachsberger Ortsteil Ruchenschwand, hat Angst vor dem Wolf. Ein Vorfall vor einigen Wochen hat ihn aufgerüttelt, der Schreck sitzt ihm immer noch in den Gliedern. Nun will er seine Umgebung für die Wolfsproblematik sensibilisieren.

Kälber verschwinden plötzlich im Wald

„Es war ja schönes Wetter am dem Samstag“, erzählt Maier, „da wollten wir unsere Kühe mit den Jungtieren mal aus dem Stall lassen. Dabei sind uns zwei Kälber ausgebüxt“. Das sei normalerweise kein Problem, meint Maier, die kämen von alleine wieder zurück zur Mutter. Anders an diesem Samstag. Da seien die Kälber plötzlich im Wald verschwunden, und kurz darauf habe eines in Todesangst gebrüllt. Maier lief in die Richtung, aus der die Schreie kamen, und sah ein Tier, das sich am Ohr eines Kälbchens festgebissen hatte.

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„Im ersten Moment habe ich dieses Tier für einen Wolf gehalten“, schildert Maier, erst beim Näherkommen habe er das Halsband entdeckt. Es stellte sich heraus, dass Touristen ihren tschechischen Wolfshund beim Spaziergang von der Leine gelassen hatten. Was den eigentlich ganz zahmen Hund dazu veranlasst haben mag, auf das Kalb loszugehen, blieb allen ein Rätsel. Er ließ auch gleich wieder von dem Jungtier ab, mit den Hundebesitzern, so erzählt er, hat sich der Landwirt schnell geeinigt, das Kalb aber sei so verstört gewesen, dass es erst am Montag wieder eingefangen und zur Mutter zurückgebracht werden konnte.

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„Wenn schon mit einem Hund sein Instinkt so durchgeht, was würde passieren, wenn nun wirklich ein Wolf käme, der ja noch eine ganze Ecke wilder ist?“, schießt es seitdem durch Bernhard Maiers Kopf. Bei seiner Mutterkuhhaltung kommen die Kälber in der Regel auf der Weide zur Welt. Hätte das Kalb da überhaupt eine Chance?

Er will nicht schwarzmalen, aber auch nicht verharmlosen

Wölfe seien schlaue Tiere, ist Maier überzeugt, die würden schnell begreifen, dass ihnen keine Gefahr drohe, und würden sich nicht abschrecken lassen. Er wolle nicht Schwarzmalen, aber auch nicht Verharmlosen. Hier im Süden sei die Wolfsproblematik noch relativ weit weg, aber an der Entwicklung im Osten könne man erahnen, was auch hier auf die Landwirte zukommen könnte.

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„Unsere Vorfahren haben die Kulturlandschaft geschaffen, für deren Offenhaltung wir sorgen“, gibt Maier zu bedenken – „ohne Wölfe. Es kann nicht sein, dass wir zukünftig zur Offenhaltung der Landschaft unsere Tiere vor dem Wolf schützen müssen. Ich weiß, viele Naturschützer sehen das anders, aber auch wir Landwirte sind Naturschützer, und viele von uns denken ähnlich wie ich“. Für Bernhard Maier jedenfalls war es ein einschneidendes Erlebnis, und sein Kälbchen wird neben einem verkrüppelten Ohr auch einen Schreck fürs Leben davongetragen haben, da ist er sich ganz sicher.

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