Die Maispflanzen in der Region haben sich durch die Regentage im Mai/Juni prächtig entwickelt. Nun ist die Zeit gekommen, dem Schädling Nummer eins, dem Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) Einhalt zu gebieten.

Der Kleinschmetterling, der zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Maisschädlingen zählt, legt bis zu 500 Eier an die Blattunterseiten der Maispflanze und ernährt sich fortan von ihr. Blüten- und Fruchtstände als auch Stängelmark fallen den Raupen zum Opfer. Weltweit sorgt dieser Falter für Missernten. Gebietet man ihm keinen Einhalt, dann kann er im Extremfall die Hälfte der möglichen Ernte vernichten. Biobauern und auch die konventionellen Landwirte vertrauen schon seit Jahren auf den natürlichen Feind, eine Schlupfwespe namens Trichogramma brassicae. Als Eiparasit legt sie ihr Ei in das Ei des Maiszünslers, wodurch der Nachwuchs des Wirts getötet wird.

Maximilian Meinert (TB Copters) macht das Fluggerät startklar, Hubert Sprich und Markus Kaiser (ZG Raiffeisen) und Landwirt Wilfried Kaiser am Maisacker auf der Oberen Alb.
Maximilian Meinert (TB Copters) macht das Fluggerät startklar, Hubert Sprich und Markus Kaiser (ZG Raiffeisen) und Landwirt Wilfried Kaiser am Maisacker auf der Oberen Alb. | Bild: Wolfgang Scheu

Vor drei Jahren waren es schon 60 Prozent der Landwirte aus dem Raum Stühlingen, die dabei waren, als zum ersten Mal Trichogramma mittels Multikopter aus der Luft ausgebracht wurden. Früher wurden die Eier der Trichogramma-Schlupfwespe mit Karten an die Pflanzen gehängt, seit 2000 arbeitet man mit den Kugeln, in denen sich die Larven der Schlupfwespen in Mehlmotteneiern entwickeln. Fünfzehn Minuten Fußweg legte man pro Hektar zurück. Bereits 2013 machte die ZG Raiffeisen erste Versuche mit der Ausbringung der Nützlingseier aus der Luft mit Multikoptern.

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Sogenannte Optikugeln mit mindestens 1000 Trichogramma-Eiern – 100 Stück pro Hektar – werden systematisch verteilt. Der erfahrene Partner der ZG Raiffeisen bei der Ausbringung ist die ehemalige Studenten-Start-up-Firma TB Copters GmbH aus Stuttgart. Wilfried Kaiser aus Wangen ist dabei, als Pilot Maximilian Meinert, der die Drohne befüllt und den Flug über die sieben Hektar mit Körnermais fürs Hühnerfutter startet. Die Flug-App wurde mit GPS-Daten aus FIONA und GPSO programmiert, eine perfekte Verteilung der Optikugeln ist gewährleistet, wie sie manuell gar nicht möglich wäre.

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„Zum richtigen Zeitpunkt erreichen wir einen Wirkungsgrad von bis über 70 Prozent mit dieser Art der biologischen Schädlingsbekämpfung“, so die Erfahrung von Wilfried Kaiser und seinen Landwirtskollegen. Es freut ihn, dass in diesem Jahr fast 90 Prozent der gesamten Maisanbaufläche zwischen Stühlingen und Bonndorf (dort ist die „Maisanbaugrenze“) mittels Trichogramma behandelt werden. „Vor fünf bis sechs Jahren wurde dies noch als Hirngespinst abgetan“, erinnert er sich lächelnd. In Baden-Württemberg, wo diese biologische Art der Schädlingsbekämpfung bezuschusst wird, sind es in diesem Jahr 20 000 Hektar, die abgeflogen werden, weiß Hubert Sprich, Produktionsmanager der ZG Raiffeisen in Karlsruhe. Kleinere Teile in Hessen und in Bayern kommen hinzu.

Richtige Temperatur

Die Maiszünsler fliegen seit etwa zwei Wochen und werden noch sechs Wochen unterwegs sein. Nach einer Woche werden die Schlupfwespen ihre Arbeit aufnehmen. Wichtig für den Erfolg ist die richtige Temperatur und Feuchtigkeit. „Zwischen 20 und 30 Grad sind die Wespen am aktivsten“, berichtet Hubert Sprich. „Ein Zünsler legt 30 Gelege ab, pro Gelege spricht man von fünf lebenden Larven, die viel Schaden in der Pflanze anrichten, sie fressen sich von oben nach unten. Die Anbaufläche sollte nach Möglichkeit nach der Ernte gemulcht werden.

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Die Ausbringung der Schlupfwespeneier mit dem Multicopter schlägt mit 12 Euro zu Buche, die Kosten der Trichogramma selbst liegen bei 60 bis 70 Euro. Hubert Sprich von der ZG spricht vom größten biologischen Verfahren in Deutschland (die Gesamtanbaufläche Mais in Deutschland liegt bei 2,6 Millionen Hektar, davon zirka 40.000 Hektar in Baden-Württemberg). „Es funktioniert perfekt“, ergänzt er. Mit dem Niederlassungsleiter der ZG Stühlingen, Markus Kaiser, trafen wir uns am späten Nachmittag bei einer Wetterstation im Versuchsfeld mit 32 angebauten Maissorten und bei einer Insektenfalle auf der Höhe über Lausheim, die täglich wireless ein Foto versendet.

Aktuell ist zu diesem Zeitpunkt ein Maiszünsler im wahrsten Sinn des Wortes auf den Leim gegangen. Am gleichen Ort treffen wir gegen 19 Uhr noch einmal den Piloten des Copters. „Feierabend“, sagt er zufrieden – in 14 Tagen wird er die Stühlinger und Bonndorfer Maisanbauflächen zum zweiten Mal befliegen – um den Maisschädling zu bekämpfen.

Natürliche Feinde

Trichogramma brassicae sind etwa 0,5 Millimeter kleine Schlupfwespen, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Sie sind die natürlichen Feinde des Maiszünslers. Sie parasitieren die Schädlings-Eier und töten sie damit ab, sodass sich die Maiszünsler nicht weiter entwickeln können. Zudem schlüpft aus den parasitierten Eiern eine neue Nützlings-Generation, welche sich wiederum auf die Suche nach weiteren Maiszünsler-Eiern begibt. Sind keine Maiszünsler mehr da, stirbt die Schlupfwespe.

Mindestens 1000 Schlupfwespen-Eier sind in einer Kugel. Zirka 100 Kugeln werden pro Hektar abgeworfen.
Mindestens 1000 Schlupfwespen-Eier sind in einer Kugel. Zirka 100 Kugeln werden pro Hektar abgeworfen. | Bild: Wolfgang Scheu

Trichogramma-Schlupfwespen können auf verschiedene Arten im Maisfeld ausgebracht werden: Als Hängesystem (Optibox, Trichocap Plus) oder als Kugeln zum Werfen oder dem Verteilen per Drohne (Optikugel). Dieses Bekämpfungsverfahren ist sehr umweltverträglich und ungefährlich für Nützlinge und Bienen und hat entsprechend keine Umweltauflagen.