216 Sagen und Geschichten aus Bonndorf, Stühlingen, Wutach und der näheren Umgebung sammelte im Verlauf etlicher Jahre Emil Kümmerle und stellte diese im gleichnamigen Buch zusammen. In einer losen Serie veröffentlichen wir Auszüge oder Zusammenfassungen aus einigen dieser Erzählungen.

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Gündelwangen feiert das 285-jährige Bestehen der Marienkirche. Neben den Fakten, die in einer Ausstellung zusammengefasst sind, gibt es auch in Kümmerles Sagensammlung Überlieferungen dazu. Demnach sollte der jetzige Kirchenbau nicht mehr am Platz der ehemaligen Kapelle des Vogtshofes errichtet werden, sondern gegenüber des früheren Wirtshauses „Lamm“, welches später in Gasthaus „Lothenbach“ umbenannt wurde. Auf unerklärliche Weise seien jedoch die tagsüber für den Bau des Gotteshauses herbeigeschafften Steine nächtens immer wieder zum alten Kirchplatz am Vogtsberg gelangt.

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Einer der Baugesellen wollte diesem unbegreiflichen Phänomen auf die Spur kommen und hielt Wache. Doch selbst der couragierte Wächter fand sich am folgenden Morgen mitsamt dem Baumaterial am Standort der alten Kapelle wieder. Als Zeichen des Himmels habe man daraufhin anerkannt, dass Maria wohl an diesem und keinem anderen Ort verehrt werden wolle. Es wurde gar vermutet, Engel hätten eingegriffen. Also wurde die Marienkirche am vorherigen Standort erbaut. Obschon nicht Wenige den leisen Verdacht hegten, der Vogtsbauer habe mit Unterstützung seiner Knechte Vorsehung gespielt, um die Kirche weiterhin in der Nähe seines Hofes zu haben.

Die Marienkirche entspricht ziemlich genau diesem Entwurf aus dem Jahr 1832.
Die Marienkirche entspricht ziemlich genau diesem Entwurf aus dem Jahr 1832. | Bild: Martha Weishaar

Dass die Pfarrgemeinde Gündelwangen vor Jahrhunderten vorübergehend ihre Selbstständigkeit einbüßte und der Pfarrei Bettmaringen unterstellt wurde, soll indes einen anderen Grund gehabt haben. Die Pfarrei unterstand von jeher dem Kloster St. Blasien, das übrigens 1775 der Gemeinde die immer noch vorhandene, älteste Glocke spendierte. Zu Zeiten des Reformators Calvin habe ein allzu strenger Priester den Gündelwangern rigorose Zucht und Ordnung abverlangt. Der Pfarrer habe Strafen für unentschuldigtes Fehlen bei den täglichen Gottesdiensten auferlegt, Tanz und Spiel als Teufelswerk gebrandmarkt und Heiligenstatuen aus der Kirche entfernen lassen. Das weckte den Unmut der Gemeinde. Ein über alle Maßen erboster Zeitgenosse habe den Pfarrer daher im Zorn erschlagen. Daraufhin wollte kein Priester mehr freiwillig nach Gündelwangen, also sei die Gemeinde zu Bettmaringen eingepfarrt worden. Erst um das Jahr 1610 habe Gündelwangen seine Selbstständigkeit mit eigenem Pfarrer zurückerhalten, erzählt die Sage. Die aktuelle Ausstellung erwähnt diesbezüglich das Jahr 1640.

Eine altehrwürdige Bibel in lateinischer Ausführung ergänzt die Ausstellung in der Gündelwanger Kirche.
Eine altehrwürdige Bibel in lateinischer Ausführung ergänzt die Ausstellung in der Gündelwanger Kirche. | Bild: Martha Weishaar

Ihre Streitbarkeit sollen die Gündelwanger indes auch in Sachen Wasserversorgung unter Beweis gestellt haben. So habe es dereinst handfeste Auseinandersetzungen und Querelen um die Quelle gegeben, welche die Gündelwanger seit jeher mit Wasser versorgte, nachdem diese von den Bonndorfern angezapft wurde, um den Zufluss zur Stadtmühle über den Mühlenbach zu sichern. Daher werde die Quelle an der einstigen Gemarkungsgrenze zwischen Bonndorf und Gündelwangen „Scharmützelbrunnen“ genannt.

Die Dokumentation mit Bildern zum 285-jährigen Bestehen der Gündelwanger Marienkirche sowie alte Messgewänder und Prozessionsfahnen sind in der Kirche bis Allerheiligen, 1. November, ausgestellt. Die Kirche in Gündelwangen ist für Besucher täglich geöffnet.

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