Die Kunst in Zeiten von Corona – keine einfache Sache. Das Programm im Schloss Bonndorf hat darunter gelitten. Susanna Heim und Udo Eggi mussten in diesen Monaten viele Register ziehen, um Veranstaltungen möglich zu machen. Sie als Kulturamtsleiterin ziehe ein durchwachsenes, gemessen an den Umständen aber positives Resümee des bisherigen Veranstaltungsjahrs, so Susanna Heim.

Das könnte Sie auch interessieren

Musik, Literatur und Kunst sollen im Schloss weiterhin präsentiert werden, so Susanna Heim in einem Interview im Mai. Gesellschaftliche Entwicklungen, Trends, Zeitgeistthemen sollen aufgegriffen werden – einen festgeschraubter Kulturbegriff gebe es nicht: Inhaltliche, thematische Öffnung, Öffnung für Menschen und deren Interessen.

Auch Ernährungstrends im Fokus

Deutlich wird diese Zielsetzung durch die neue Ausstellung „Stil leben: Essen“. Kulinarik, Essen – das sei in der Menschheitsgeschichte ein uraltes Thema, und sei in der Kunst oft aufgegriffen worden, erläuterte Susanna Heim im Gespräch. Im Bonndorfer Schloss wird dies in thematisch fein aufgearbeiteten Räumen gespiegelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Susanna Heim, Leiterin des Amts für Kultur, Archivwesen und Öffentlichkeitsarbeit, und Udo Eggi, verantwortlicher Mitarbeiter des Kulturamtes, die beide die Ausstellung konzipiert haben, beleuchten im Schloss nicht nur Formen der Gegenwartskunst und der Fotografie, sondern auch gesellschaftliche Ernährungstrends wie Fast Food bis hin zur Pizza und dem Dessert, das in der Ausstellung als Intro optisch in einem violetten Licht getaucht kredenzt wird. Nicht ausgespart bleiben Stillleben aus der Essensproduktion (etwa Ralph Fleck). Spannend ist der Gegensatz, Nahrungsmittel als perfekt aufgearbeitete Kunstobjekte fotografiert und die Ästhetik des Unvollendeten aus der Natur zu erleben.

Wo geht die Reise hin?

Susanna Heim spricht von einem enorm hohen Aufwand, um Veranstaltungen in diesen Monaten stattfinden lassen zu können. Und trotzdem lohne sich der Kunst und der Teilhabe der Besucher wegen dieser Aufwand. Das Gespräch mit Kurienerzbischof Georg Gänswein im Schlossgarten sei tontechnisch ein beredtes Beispiel hierfür. Oder die Veranstaltung „Schöner Schein: Kultur trifft Mode“ – Mode und deren Signalwirkung – über mehrere Säle hinweg – eine organisatorische Herausforderung. Susanna Heim: „Wir betreten dabei organisatorisch bislang unbekannte Pfade.“

Die Karikaturenausstellung „Die lieben Nachbarn Du & Ich“ Schweizer und deutscher Künstler war mit 1600 Besuchern in vier Wochen (üblich sind 300 bis 400 Besucher) die erfolgreichste der vergangenen fünf Jahre. Mit Blick auf die beschränkten Möglichkeiten wohl ein Sternenerlebnis.

Die Kulturamtsleiterin Susanna Heim möchte Kulturerlebnis über den Landkreis hinaus vorantreiben. Im Aufbau sei ein digitales Netzwerk, das Kulturschaffende aller Couleur, auch Vereine, neue Möglichkeiten geben soll. Finanzielle Unterstützung gibt es durch das Land. Als sinnvoll erachte sie neue Strukturen der Kulturfinanzierung. Warum nicht eine Art regionale Budgetierung durch das Land, auf die beispielsweise das Kulturamt des Landkreises ohne aufwendige Antragsverfahren Zugriff habe? Hierzu gehöre natürlich der politische Mut, den regionalen Entscheidungsträgern durch übergeordnete Verwaltungsstrukturen Kompetenz zuzugestehen, dass die richtigen Schwerpunkte gesetzt werden.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €