Früher als geplant ist der Ringschluss des öffentlichen Glasfasernetzes an den Gemarkungsgrenzen von drei Ortschaften verkündet worden. „Hier ist der Backbone gelegt, das sollte erst bis Ende 2020 fertig sein“, verkündete Bonndorfs Bürgermeister Michael Scharf. Entsprechend fröhlich war die Runde der Bürgermeister von Bonndorf, Grafenhausen (Christian Behringer) und Schluchsee (Jürgen Kaiser), als man sich mit den Fachleuten aus den Rathäusern in der „Gemarkungs-Grenz-Gegend“ – also an der Hummelhütte – traf.

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Alle Bürgermeister, die sich bereits an das Backbone-Netz des Landkreises Waldshut angehängt haben oder sich in naher Zukunft daran hängen können, haben bewiesen, dass ihnen reines Kirchturmdenken nicht liegt. Denn sie haben sich für ihre Antragstellungen in Gruppen interkommunaler Zusammenarbeit (IKZ) organisiert, um die ortsinternen öffentlichen Netze für den Glasfaserbetrieb, teils auch das Landkreis-Backbone-Netz, zu realisieren.

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Bonndorf und Grafenhausen sind in der IKZ Stühlingen organisiert, Schluchsee in der IKZ Dachsberg. Also trafen sich hier auch die Mitstreiter zweier IKZs. Und es ist noch mehr als das: Man arbeitet auch über Landkreisgrenzen hinweg – gerade dann, wenn es allen Beteiligten nützt. Schluchsee liegt nämlich im Nachbarlandkreis, Breisgau-Hochschwarzwald. Natürlich müssen sich in einem solchen Fall auch die Landräte absprechen. Wichtig war aber vor allem, dass die Fachleute, jeweils an der Praxis orientiert, entsprechende Lösungsvorschläge unterbreitet haben.

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Die Trassenführung an dieser Stelle stammt aus dem Bonndorfer Bauamt. Mit dem Backbone konnte der Landkreis Waldshut sinnvoll über Schluchsees Gemarkung fahren, statt dort einen Schlenker einbauen zu müssen. Schluchsees Bürgermeister Jürgen Kaiser machte kein Geheimnis daraus, froh darüber zu sein, dass Schluchsee damit Teil der IKZ-Dachsberg geworden ist.

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Koordinierungsthemen habe es mit der gleichzeitig im Ort zu verlegenden Nahwärme gegeben. „Bis zum Jahresende wird einiges gegangen sein“, sagte Kaiser, will heißen: Er hegt die vorsichtige Hoffnung, dass bis dahin die meisten Haushalte in der Gemeinde Schluchsee Anschlussverträge ans ortseigene Netz abschließen könnten.

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In Grafenhausen seien bis Jahresende 70 Prozent der Tiefbaumaßnahmen abgeschlossen und somit könnten sich etwa 50 Prozent der möglichen Anschlussnehmer ans Glasfasernetz hängen, kündigte Stefan Bernauer, Grafenhausens Breitbandfachmann, an. Matthias Ketterer, der Bonndorfer Glasfaserspezialist, terminierte zudem den Backbone-Glasfaseranschluss von Bonndorf in Richtung Wutach auf das dritte Quartal dieses Jahres. „Dann können wir den großen Ringschluss machen“, sagte Ketterer.

Die Positive Seite der Corona-Krise

Jürgen Kaiser lobte mit Blick auf die teilnehmenden Gemeinden im Landkreis Waldshut: „Die Einigkeit hat die Geschichte schnell gemacht.“ Die Grafenhausener Verwaltungsspezialistin Selma Dengler fasste das Prinzip zusammen: „Jeder hilft jedem.“ Das konnte trefflich auf die Corona-Zeiten angewandt werden. Und Michael Scharf, stets bemüht, auch in der Krise immer das Positive zu sehen, hob in diesem Zusammenhang hervor: „Für die Tiefbauarbeiten war die Corona-Krise kein Nachteil.“ Weniger Straßen- und Publikumsverkehr aus unschönen Gründen, hätten zumindest für die Arbeiten positive Auswirkungen gehabt. „Mir blutet das Herz, wir haben keine Touristen, aber das ist gut für den Bau“, bestätigte Jürgen Kaiser.

Ein weiterer Umstand hatte diesen „Backbone-Zusammenschluss“ beflügelt. Durch Vertragskündigungen bisheriger Telefonie-Anbieter hätten die Anschlussnehmer in der Sommerau viele Wochen weder Internet-, noch Telefonanschluss gehabt. Deshalb hat man im Bonndorfer Rathaus diesen Bauabschnitt vorgezogen. „Ganz glücklich war eine Mutter aus der Sommerau, dass die Tochter in der heißen Phase der Corona-Kontakt-Minimierungen in die Sommerau gekommen ist. Nicht nur die Wohn- und Epidemie-Situation war hier ungleich besser. Die Tochter konnte auch noch online via Glasfaser studieren“, erzählte Michael Scharf.

Zukunftsmusik

Ob man eventuell über die Corona-Krise hinaus die meist langen Wege zu weiterführenden Schulen teilweise auch kompensieren könnte durch schnelles Internet, bewertete Grafenhausens Bürgermeister Christian Behringer nur vorsichtig optimistisch. „Wir haben uns früher schon mit dem Thema Gymnasium befasst. Dafür müssen auch die Lehrer und Rektoren mitmachen“, so Behringer.