Schulen und Kindergärten geschlossen, wichtige Verbindungsstraßen gesperrt, Hausdächer teilweise beschädigt, selbst das Rathausteam Bonndorf arbeitete nur mit halber Mannschaft – Sturmtief Sabine leistete in Bonndorf und im Umland ganze Arbeit.

Bonndorf

Noch in den frühen Morgenstunden fegte Sturmtief Sabine mit Böen der Windstärke 6 bis 7 über Bonndorf und das Umland. Das Landratsamt Waldshut hatte bereits in den gestrigen späten Abendstunden die Empfehlung an die Schulverwaltungen ausgegeben, die Bildungseinrichtungen im Landkreis am Montag geschlossen zu halten.

829 Schüler des Bildungszentrums Bonndorf blieben dann auch auf Anordnung der beiden Rektoren zu Hause – 275 Grundschüler und Schüler des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) sowie 554 Realschüler. Allein die Schülerschaft der Realschule rekrutiert sich aus rund 60 Prozent Fahrschülern aus Lenzkirch, Ühlingen-Birkendorf, Feldberg und Ewattingen.

Rektor Felix Lehr steht vor der leeren Schule.
Rektor Felix Lehr steht vor der leeren Schule. | Bild: Juliane Kühnemund

Die Informationskette bis in die Familien hinein habe funktioniert, bestätigten sowohl Birgitta Stephan, Leiterin der Grundschule und des SBBZ, wie auch Tilman Frank, Konrektor der Realschule. Der Sturm dünnte das Kollegium stark aus, lediglich in Bonndorf ansässige Lehrer seien in das Bildungszentrum zur Arbeit gekommen, so Tilman Frank. Auswärtige Lehrer arbeiteten von zu Hause aus. Die sechs Kindergärten der Bonndorfer Gesamtstadt blieben geschlossen, bestätigte Hauptamtsleiter Harald Heini.

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In den Kindergärten warteten Erzieherinnen bis um 9 Uhr, um Kinder aufzunehmen, was aber nicht der Fall gewesen sei. Selbst im Rathaus arbeite man mit halber Besetzung. An die zehn Mitarbeiter hatten sich aufgrund von Straßensperrungen oder weil Kinder wegen der Schul- und Kindergartenschließungen zu Hause betreut werden mussten, abgemeldet.

Beim Bike-Park am Bonndorfer Sportplatz beschädigte ein Baum einen Zaun.
Beim Bike-Park am Bonndorfer Sportplatz beschädigte ein Baum einen Zaun. | Bild: Juliane Kühnemund

Wutach

Auch in Wutach blieben die Grundschule sowie Kindergarten samt Krippe in Ewattingen geschlossen. 48 Kinder mussten nicht in die Grundschule. Im Kindergarten waren 45 Kinder betroffen, bestätigte Anna Böhler, zweite Kraft in der Kinderkrippe. Lediglich sie selbst aus Ewattingen und eine Praktikantin schauten im Kindergarten vorbei, um bis um 9 Uhr die Bereitschaftsaufnahme zu signalisieren.

Grafenhausen

Auch vor Grafenhausen machte die stürmische Sabine keinen Halt. Wie Bürgermeister Christian Behringer bestätigte, war die Kommandozentrale im Feuerwehrgerätehaus seit 6.20 Uhr besetzt. „Die Wehr ist aber nur in absoluten Notfällen ausgerückt“, hob der Bürgermeister hervor. Der gesamte Sturmschaden war im Laufe des Vormittags noch nicht komplett absehbar, da viele Bereiche der Gemarkung Grafenhausen aus Sicherheitsgründen nicht begangen werden konnten.

Vor dem Hüsli bei Rothaus entwurzelte Sturmtief Sabine ebenfalls Bäume.
Vor dem Hüsli bei Rothaus entwurzelte Sturmtief Sabine ebenfalls Bäume. | Bild: Wilfried Dieckmann

Im Ortsteil Rothaus in Richtung Bonndorf sowie auf der Brandhalde in Richtung Buggenried mussten Bäume von der Straße geräumt werden. „Vor den ehrenamtlichen Leistungen der aktiven Wehrmänner kann ich nur den Hut ziehen“, betonte der Bürgermeister.

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Auch Mitarbeiter des Bauhofs waren den ganzen Tag über im Einsatz. So musste unter anderem das Geländer am unteren Eingang in den Rathausanbau von der Straße geräumt werden. Es hatte dem Sturm nicht standgehalten. Die Schule war für die 151 Schüler aus Sicherheitsgründen geschlossen. Lehrkräfte waren aber zumindest während der ersten Schulstunden vor Ort. Im Grund genommen war auch der katholische Kindergarten mit 100 Kindern in Grafenhausen geschlossen. Da Eltern jedoch aus beruflichen Gründen darauf angewiesen sind, ihre Kinder in die Einrichtung zu bringen, wurde vom Kindergarten eine Art Notgruppe eingerichtet.

Auch auf freiem Feld wütete der Sturm und warf einen Werbeanhänger um.
Auch auf freiem Feld wütete der Sturm und warf einen Werbeanhänger um. | Bild: Wilfried Dieckmann

Feuerwehreinsätze

Die Abteilungen Bonndorf, Wellendingen und Wittlekofen der Bonndorfer Feuerwehr waren seit 5.30 Uhr mit drei Fahrzeugen im Einsatz, bestätigte Pressewart Olaf Thor. Straßen mussten wegen Baumwürfen gesperrt werden, von Bonndorf Richtung Schwaningen, die L 171 nach Münchingen und Ewattingen, die L 170 ab Steinasäge bis Rothaus und zwischen Wittlekofen und Birkendorf.

Die Feuerwehr Bonndorf arbeitete seit frühen Morgenstunden, um von Bäumen blockierte Straßen freizubekommen, hier kurz vor der Schattenmühle bei Boll.
Die Feuerwehr Bonndorf arbeitete seit frühen Morgenstunden, um von Bäumen blockierte Straßen freizubekommen, hier kurz vor der Schattenmühle bei Boll. | Bild: Olaf Thor

Das Landratsamt Waldshut ergänzte in den Vormittagsstunden die Mitteilungen über Straßensperrungen auf der K 6593 zwischen Birkendorf und Illmühle Richtung Bettmaringen, der K 6517 zwischen Birkendorf und Roggenbach sowie der K 6592 zwischen Schluchsee und Bonndorf. Die Straße zwischen Münchingen und Lausheim war ebenfalls wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Auch Stephan Keller, Abteilungskommandant in Ewattingen bestätigte einen Feuerwehreinsatz mit sämtlichen tagesverfügbaren Kräften aus Münchingen und Ewattingen, um Straßen von umgestürzten Bäumen wieder freizubekommen. In Ewattingen seien Dachziegel von Hausdächern gerissen worden.

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Zwischen Rothaus Richtung Ebnet saßen zwei Lastwagen und ein Auto fest, nachdem zwei Baumwürfe die L 170 blockierten, bestätigte Jochen Schäuble, Leiter des Polizeipostens Bonndorf. Ebenso erging es einem Einsatzfahrzeug der Bonndorfer Polizei. Sie wurden alle aus der misslichen Lage durch die Feuerwehr und den Bauhof Grafenhausen befreit. Die Straßenmeisterei des Landkreises war auch in Bonndorf und dem Umland im Dauereinsatz.

Busausfälle

Bereits ab 4 Uhr fiel im Raum Bonndorf der Öffentliche Personen-Nah-Verkehr dauerhaft aus, bestätigte Busunternehmer Ingo Bauer. Die Busfahrer blieben jedoch ganztags in Bereitschaft. In Wellendingen fiel zudem das Mobilfunknetz aus.

Stromausfälle

Das Orkantief „Sabine“ hat durch umgestürzte Bäume, die in Leitungen fielen, zahlreiche Versorgungsstörungen im Gebiet der ED Netze GmbH vom Markgräflerland bis in den Hochschwarzwald verursacht. Besonders betroffen waren die Gebiete Bonndorf und Titisee-Neustadt. Zu Stromausfällen in Bonndorf war es kurzzeitig im Amselweg, dagegen mehrere Stunden in der Waldallee sowie in Wellendingen und Brunnadern gekommen. Rund 100 Mitarbeiter waren seit Montagmorgen im Dauereinsatz, teilt das Unternehmen mit. Die Netzbetriebsmonteure arbeiteten mit Hochdruck daran, Störungen im Nieder- und Mittelspannungsnetz zu beheben. Die Reparaturen dauern teilweise noch an. Aus Sicherheitsgründen werden sie bei Einbruch der Dunkelheit unterbrochen und am Dienstagmorgen bei Sonnenaufgang fortgesetzt. ED Netze rechnet mit weiteren Stromausfällen aufgrund umstürzender Bäume Montagnacht und Dienstagfrüh. Der Bereitschaftsdienst der ED Netze ist daher verdoppelt, um Stromausfälle schnell beseitigen zu können.