Peter König von der Volksbank Hochrhein Stiftung begrüßte die illustre Schar, die sich zum zweiten Preisträgerkonzert des Jahres ins Schloss Bonndorf aufgemacht hatte. Zu Gast war Patrick Jüdt, Förderpreisträger aus dem Jahr 2000 und inzwischen international tätiger Solist sowie Professor an der Hochschule der Künste Bern. Mitgebracht hatte Jüdt seine Bratschenkollegin Geneviève Strosser und mit ihr ein exquisites Duo-Programm mit Bach, zeitgenössischen Komponisten sowie einer Serie von kurzen Eigenkompositionen Patrick Jüdts, die das Konzertprogramm einrahmten.

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Mit dem Friedrich Gulda zugeschriebenen Zitat „…aber das tut in diesem Fall wirklich nichts zur Sache!“, bezogen auf Franz Schubert als Komponist eines volkstümlichen Walzers, der indes in seiner quasi allgemeinverbindlichen Machart über seinen Ursprung hinausweise, hat Jüdt seine 20 Walzer und Ländler überschrieben. Dabei nennt er sie in Anführungszeichen „anonym“, weil sie den Eindruck erweckten, als habe man sie schon einmal irgendwo gehört, obwohl das gar nicht möglich sei, da sie aktuell gerade zum ersten Mal erklängen, wie er beteuerte.

Viele kleine Ohrwürmer

Tatsächlich sind diese zwei Mal zehn Stückchen teils recht eingängige, durchaus mit Liebreiz und Anmut ausgestattete kleine Ohrwürmer, mal tänzerisch bewegt, mal von zupackender Fröhlichkeit, dann wieder mit dem leichten Hauch von Melancholie versehen, auch mal im leicht übertriebenen Impetus der Gewichtigkeit daherkommend. Dazwischen aber klingen auch sozusagen „misslungene“ Interpretationen an, rhythmisch oder tonal in sich verschoben, die immer wieder abbrechen, neu anzusetzen versuchen, erneut scheitern. In der zweiten Abteilung am Ende des Programms gibt es dann neben an bestimmte Idiome wie das Slawische anknüpfenden auch solche Exemplare kleiner Ländler oder Walzer, die bewusst atonal komponiert zu sein scheinen.

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Ein Stück wird ganz pizzicato vorgetragen, die letzte Komposition ist eine Kombination von aus Durchgangsdissonanzen aufgebauter Seufzerpassage mit einem sanften Wiegenlied, das ganz leise verklingt – alles in allem ein köstlicher musikalischer Spaß. Darin eingebettet erklang zunächst „La Malinconia“ des 1947 geborenen Salvatore Sciarrino, ein kurzes, quasi tonloses Stück, das mit großer Verve vorgetragene steile Akkordbrechungen in Szene setzt, gefolgt von einer Reihe von Tremoli, alles so angestrichen, dass nur eine vage Andeutung von Klang mit dem erzeugten Geräusch mitschwingt.

Klangvariationen mit Froschtupfer

Darauf folgte eine den Titel „Toccatina“ im Sinne von italienisch „berühren, betasten“ in besonderer Weise wörtlich genommenes Stück von Helmut Lachenmann, mit einer schier übermenschlichen Konzentration von Geneviève Strosser vorgetragen und von den Konzertbesuchern mit angehaltenem Atem verfolgt. Dieses Stück nämlich tupft seine Melodie mit dem rückwärtigen Ende des Froschs auf die Saiten, zwischendurch akzentuiert mittels eines jähen linke-Hand-Pizzicatos. Im weiteren Verlauf kommen dann noch absichtlich von der Saite abgerutschte Froschtupfer sowie mit den Bogenhaaren gestrichene Stellen an Steg, Korpus oder Stimmwirbel des Instruments als Klangvarianten hinzu.

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Mit Johann Sebastian Bachs „Partita“ BWV 1002 kamen die beiden Künstler wieder zurück auf bekannteres Terrain. Das Besondere an diesem Werk ist die Doppelung der Sätze. Auf jeden der vier Suitensätze nämlich folgt eine Double, eine Variation, die jeweils die ausgefeilte Rhythmik des Vorgängers in ein gleichmäßigeres Laufwerk umwandelt. Diesen Unterschied machten die beiden Interpreten anschaulich, indem Geneviève Strosser jeweils mit sattem Klang, aus der Dynamik des akzentuierten Anfangstons einer Phrase heraus die sich entwickelnde Bewegung oder, wie im Fall der „Sarabande“, aus dem gebrochenen Akkord sich aufbauend als lang gehaltener Zielton den sich entfaltenden Organismus hervorhob. Patrick Jüdt seinerseits setzte den Fokus mehr auf die fließend dahineilende Leichtigkeit virtuoser Geläufigkeit, die quasi aus sich selbst heraus agiert, ein spielerisches Perpetuum mobile ohne erkennbaren Antrieb.