Josef Kraft und seine Kinder sind im Moment Bonndorfer. Nachdem am 2. März ihr Wohnhaus in Schwaningen vollständig niedergebrannt ist, nahm Josef Kraft das Angebot von Pfarrer Fabian Schneider an, vorübergehend im ehemaligen Vinzentiusheim neben der katholischen Kirche zu wohnen. Dieses Angebot war ein Glücksfall, ist es derzeit doch kein Leichtes, eine Bleibe für eine sechsköpfige Familie zu finden.

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Diese spontane Offerte war eines von sehr vielen Hilfsangeboten, das Josef Kraft und seine Kinder nach dem Brand erfahren durften. „Angefangen von den Feuerwehrleuten über den Stühlinger Bürgermeister und sein Team haben wir sofort von unglaublich vielen Menschen Unterstützung erfahren. Ich kann das alles gar nicht fassen.

So viel Hilfsbereitschaft ist einfach überwältigend“, sagt Josef Kraft. Gute Bekannte nahmen noch während des Brandes spontan die Kinder bei sich auf. Ihm wurde in Schwaningen eine Ferienwohnung zur Verfügung gestellt. Die Hilfe, die ihm und seinen Kindern von so vielen Menschen aus völlig unterschiedlichen Richtungen zuteil wurde und immer noch wird, übersteige sein Vorstellungsvermögen.

Lehrer schnüren Schülernotfallpakete

Der Mann empfindet tiefe Dankbarkeit und es ist ihm ein persönliches Anliegen, diese zum Ausdruck zu bringen. So haben drei Schülerinnen der 5b der Tiengener Realschule in Eigenregie, zudem auch die 7a mit ihrer Klassenlehrerin spontan einen Kuchenverkauf organisiert, deren Erlöse ihm und seinen Kindern gespendet wurden.

Der Rektor des Klettgau-Gymnasiums in Tiengen fragte unmittelbar nach dem Brand, wie man helfen könne. Die Klassenlehrerinnen von Josef, Gabriel und Elias stellten gemeinsam mit Eltern Schülernotfallpakete zusammen.

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Auch der Schulleiter der Grundschule Weizen bemühte sich persönlich um komplett bestückte Schulranzen für die beiden jüngeren Kinder, Tatjana und Johannes. Am ersten Schultag nach den Fastnachtsferien konnten alle fünf Kinder komplett ausgestattete Schulranzen in Empfang nehmen. Sie freuten sich darüber, als sei Bescherung.

Bei dem Brand am 2. März wurde das ehemalige Gasthaus „Adler“ in Schwaningen ein Raub der Flammen und die Familie Kraft über Nacht obdachlos.
Bei dem Brand am 2. März wurde das ehemalige Gasthaus „Adler“ in Schwaningen ein Raub der Flammen und die Familie Kraft über Nacht obdachlos. | Bild: Lucia van Kreuningen

Eine Familie aus Mundelfingen kam mit einem Schrank und Spielen für die Kinder, als sie von dem Unglück hörte. Nachbarn, die noch gar nicht lange nebenan wohnten und die er bislang kaum kannte, brachten nicht nur ein großzügig gefülltes Portemonnaie, sondern Vesper, Kuchen, Getränke und sogar einen gut bestückten Werkzeugkasten zur Brandruine, als er dort mit seinen Kindern zu bergen versuchte, was nicht vollständig vom Feuer zerstört worden war.

„Gerade diese menschlichen Zuwendungen geben uns in der jetzigen Situation viel“, sagt Josef Kraft. Nichtsdestotrotz empfindet er freilich auch große Dankbarkeit für die materielle Hilfe und die zahlreichen Geldspenden, die nach einem Aufruf von Bürgermeister Joachim Burger aus der ganzen Region auf einem Konto der Stadt Stühlingen eingegangen sind.

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Seine Mutter, die momentan vor Ort ist, sagt: „Die Schwarzwälder haben ein großes Herz. Sie reden zwar nicht viel, aber sie tun viel Gutes.“ Josef Kraft kann all das noch gar nicht überblicken, hat im Augenblick keine Vorstellung, wie es weitergehen wird. „Was soll ich mir um Zukünftiges Gedanken machen, wenn ich die nächsten fünf Minuten noch nicht mal überschauen kann“, sagt er.

Nachdem die tägliche Grundversorgung geregelt ist, wird ihm und seinen Kindern nach und nach erst bewusst, dass sie wirklich alles verloren haben – auch Fotos, persönliche Erinnerungsstücke, zwei Flügel, etliche weitere Musikinstrumente, ein als Wohnmobil hergerichtetes altes Feuerwehrauto. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Am 2. März brannte das Haus der Familie Kraft in Schwaningen nieder.
Am 2. März brannte das Haus der Familie Kraft in Schwaningen nieder. | Bild: Olaf Thor

Josef Kraft versucht, mit Gottvertrauen nach vorne zu schauen. Er versucht, seinen Kindern wieder die Verlässlichkeit und Geborgenheit eines Zuhauses zu geben. Der Bonndorfer Bevölkerung und Pfarrer Schneider wollen er und seine Kinder danken, indem sie am kommenden Sonntag den Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche in Bonndorf musikalisch mitgestalten.