Das öffentliche Kulturleben in der Region ruht, hinter den geschlossenen Türen des Hans-Thoma-Museums geht die Arbeit aber weiter. In Abänderung des ursprünglich geplanten Ausstellungsprogramms soll, sobald dies möglich ist, unter dem Titel „Wir sind die Neuen“ ein Teil jener Werke gezeigt werden, die in den vergangenen fünf Jahren dem Haus übereignet wurden. In einer Reihe werden wir einige dieser Werke vorstellen. Das Haus wolle und müsse flexibel auf die Corona-Epidemie reagieren, sagt Museumsleiterin Margret Köpfer. Die Ausstellung mit dem renommierten Künstler Thomas Putze werde in das Jahr 2021 verschoben. An ihrer Stelle würden, „unbekannte Schätze aus unserem Magazin gezeigt“.

Ölarbeiten und Aquarelle

Den Anfang der Reihe macht der Maler Hans Brasch mit seinem Aquarell „Urberg“. Inge Waldschmidt hatte Braschs künstlerischen Nachlass dem Förderverein der Bernauer Museen geschenkt. Der Nachlass umfasst mehrere hundert Werke, darunter Ölarbeiten und zahlreiche Aquarelle.

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Braschs Meisterschaft belegt unter anderem das noch nicht restaurierte und nicht datierte Werk „Urberg“ (31 mal 46 cm, Aquarell auf Papier). Es zeigt einen Blick von den Höhen des Dachsbergs nach Süden. Die Farbabstufungen reichen von Ockergelb und sattem Wiesengrün über Blaugrün und mehrere andere Blaustufen bis zum Gletscherweiß und zum zarten Himmelsblau. Das Bild öffnet den Raum, es zieht unser Auge hinab ins Tal und wieder hinauf zu den sich aus dem Dunst erhebenden höchsten Alpengipfeln. Braschs Bild erzeugt eine Harmonie, die sich die Kunst von heute kaum noch gestattet.

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Brasch ist im Südschwarzwald alles andere als ein Fremder. Vor einigen Jahre zeigte das Kreismuseum St. Blasien eine Einzelausstellung mit Arbeiten des Künstlers. Um 2018 waren einige seiner Werke in der großen Schau „August Babberger und die Höll“ in Bernau zu sehen, mit der das Thoma-Museum die Reihe der Präsentationen zur südwestdeutschen Klassischen Moderne fortsetzte. Der Südschwarzwald war für längere Zeit Braschs Wahlheimat. Sein Wohnhaus stand in Außerurberg und brannte 1939 ab.

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Geboren wurde der Künstler 1882 in Karlsruhe. Im Anschluss an eine Ausbildung im väterlichen Dekorations- und Malergeschäft und an der Kunstgewerbeschule nahm Brasch das Studium an der Kunstakademie Karlsruhe auf. Nach mehreren Semestern bei bedeutenden Lehrern war der Maler vier Jahre lang auch noch Meisterschüler Hans Thomas. Der Briefwechsel mit dem großen Maler zeugt von der Aufmerksamkeit, die Thoma Hans Brasch entgegenbrachte. Ein längerer Parisaufenthalt und eine kurze, aber intensive Zusammenarbeit mit Ferdinand Hodler bildeten den Abschluss von Braschs Studium. Er lebte und arbeitete in Mannheim, am Bodensee und ab 1913 in Frankfurt am Main, wo er wie Babberger und Gudden im Haus Lichtenstein sein Atelier hatte.

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Nach dem Ersten Weltkrieg wurden für Brasch sowohl Goethes Farbenlehre als auch die Anthroposophie und das Studium der Natur auf dem Dachsberg wichtig. Damit gewann die Aquarellmalerei für ihn mehr und mehr an Bedeutung. Insbesondere nach seiner Übersiedlung nach Stuttgart im Jahr 1930 entstanden jedoch auch zahlreiche große Wandgemälde und Glasfenster in öffentlichen Gebäuden. Neben seiner künstlerischen Arbeit, mit der er einen wesentlichen Beitrag zur Klassischen Moderne leistete, war Brasch von 1949 bis 1969 im Verwaltungsrat des Württembergischen Kunstvereins tätig. Außerdem war er langjähriger Vorsitzender des Verbands bildender Künstler Württemberg. Er starb im Alter von 91 Jahren in Murrhardt.