Extrem ländlich sollte die Kulisse für den ersten Tatort aus dem Schwarzwald ausfallen: Mit seinen zehn Einwohnern, drei alten Bauerhäusern und 200 Kühen war der Bernauer Weiler Goldbach nahe dem Schluchsee genau das, was Tatort-Regisseur Robert Thalheim suchte, erzählt Margit Schmidt (42).

Die Suche nach dem perfekten Drehort


Ihr Haus wurde zwei Wochen lang zum Krimi-Drehort. „Als ich einmal alleine zu Hause war“, erzählt ihre Schwiegermutter Elsi Schmidt (80), „klingelte es an der Türe und ein fremder Mann stand dort. Ich hatte Angst und habe ihm die Türe gar nicht erst aufgemacht.“ Wie sich später herausstellte, war der Mann vom Südwestrundfunk (SWR) und wollte Bilder von Schmidts Haus machen. Erst nachdem die Agentur ein zweites Mal anklopfte und Bilder von jedem Zimmer gemacht hatte, erfuhr die Familie Schmidt: Ihr Haus und das ihrer beiden Nachbarn wurde unter 20 anderen Schwarzwald-Dörfern ausgewählt. Es sollte Drehort für den ersten Schwarzwald- Tatort werden. Alle Nachbarn seien sofort einverstanden gewesen. Denn ihnen war klar: Hätten sie abgelehnt, wäre der Tatort nicht in Bernau, sondern woanders gedreht worden.
Margit (links) und Elsi Schmidt zeigen SÜDKURIER-Mitarbeiterin Annika Vogelbacher Zeitungsausschnitte über die Dreharbeiten. Margit will daraus ein Fotoalbum machen.
Margit (links) und Elsi Schmidt zeigen SÜDKURIER-Mitarbeiterin Annika Vogelbacher Zeitungsausschnitte über die Dreharbeiten. Margit will daraus ein Fotoalbum machen. | Bild: Annika Vogelbacher

Also zog die Familie Schmidt für zwei Wochen aus ihrem Haus aus und in eine nahegelegene Ferienwohnung ein. „Für mich war die Zeit wie Urlaub“, erzählt Elsi Schmidt. „Ich war viel bei meiner Schwester und wir haben schon morgens Karten gespielt.“ Ihre Schwiegertochter Margit wurde gefragt, ob sie im Tatort mitspielen wollte. Sie hatte aber genug mit dem Umzug zu tun. Dafür sprach sie ein paar Leute aus Bernau an, die dann als Komparsen vor die Kamera traten. „Auch mein Mann Martin spielte in zwei Szenen als Polizist im Hintergrund mit.“ Margit und Martins Tochter Katrin (11) gaben das Kinderzimmer für die Dreharbeiten her.

„Wir waren erstaunt, wie nett die Fernsehleute waren. Katrin wurde noch einmal selbst gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn ein Junge in ihrem Bett schläft. Und sie durfte die ganze Zeit bei den Dreharbeiten zuschauen“, sagt die Mutter Margit. Neben Katrins Zimmer wurde die Werkstatt von Martin Schmidt zum Drehort. „In unserem Haus wohnte eine eingeborene Familie“, erzählt Margit. Der Vater war Schreiner. Martin Schmidt hat zufällig den gleichen Beruf. Er hatte vor den Dreharbeiten seine Werkstatt gefegt und sauber gemacht. „Das hat der Fernseh-Crew aber überhaupt nicht gefallen“, erinnert sich seine Frau. Alle Sägespäne mussten erneut im Raum verteilt werden. „Auch Katrins Zimmer sah während der Dreharbeiten aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen“, erzählt Margit. 
So ist der Schwarzwald: Bei den Dreharbeiten im März hatte das Tatort-Team mit Schnee zu kämpfen. Vor dem Haus in Bernau steht die Technik, vor Feuchtigkeit und Kälte geschützt, unter Schirmen.
So ist der Schwarzwald: Bei den Dreharbeiten im März hatte das Tatort-Team mit Schnee zu kämpfen. Vor dem Haus in Bernau steht die Technik, vor Feuchtigkeit und Kälte geschützt, unter Schirmen. | Bild: Annika Vogelbacher


Alle Mädchensachen wurden ausgeräumt und ein Bubenzimmer daraus gemacht. Auch der Keller der Familie Schmidt wurde Tatort-Schauplatz. Ein Waffenschrank trat an die Stelle des Gefrierschranks. Weil die Schmidts immer dabei sein durften, kennen sie schon die ungefähre Handlung des ersten Schwarzwald- Tatorts: Es gibt eine Arztfamilie, eine bodenständige Familie und die Familie des Schreiners. Sie sind alle gute Nachbarn. Doch eines Tages wird ein elfjähriges Mädchen erschossen und ein Junge verschwindet. „Es war eine interessante Zeit“, sagt Margit. „Man schaut Filme jetzt ganz anders an, wenn man weiß, wie aufwendig sie gedreht werden.“ Der Tatort gehört seit März zu Schmidts sonntäglichem Ritual. Auch die kleine Katrin schaut nun immer gespannt zu. „Sie weiß jetzt, wie das ist. Dass das Blut kein Ketchup ist, sondern Kunstblut, und dass alles nur gespielt ist. Bei zu gruseligen Szenen halte ich ihr einfach die Augen zu“, sagt ihre Mutter.

Alle Schauspieler, Techniker und der Regisseur seien offen und bodenständig gewesen, freut sich Margit Schmidt. Jetzt hoffen die Schmidts nur noch, dass der Tatort, der im Herbst ausgestrahlt wird, sehenswert ist. Apropos Harald Schmidt: Über die Absage des Entertainers, der ursprünglich als Kommissar mitwirken sollte, kursiert unter den Bernauern eine kuriose Theorie: Schmidt sei hier einmal wegen zu schnellen Fahrens geblitzt worden. Dichtung oder Wahrheit?