Der Bauer ruft über die Wiesen im Tal, und laut muhend setzt sich die Rinderherde in Bewegung, bis sie bei dem Mann mit Vollbart und Filzhut angekommen ist. Der serviert Futter aus einem roten Plastikeimer, und die Rindviecher präsentieren sich im besten Licht und ausgesprochen fotogen vor dem Weidfeldkomplex „Schönengrund“ im Bernauer Naturschutzgebiet Taubenmoos.

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Aber die Idylle ist Ergebnis harter Arbeit und schwer zu erhalten, erläutern der Mann mit dem Filzhut, Landwirt Markus Köpfer, und sein Geschäftspartner Markus Spiegelhalter an diesem sonnigen Nachmittag bei der Vorstellung der „Initiative für heimische Landwirtschaft“. Ziel der Initiative ist es, die regionalen Landwirte nicht nur als Erzeuger von Lebensmitteln, sondern auch als Landschaftspfleger, Partner des Naturschutzes und damit auch Wegbereiter des Tourismus in den Fokus der Bürger zu rücken.

„Konkrete, praktische Beispiele“, sollen laut Landrat Martin Kistler dafür sorgen, diese Bedeutung für die Gesellschaft deutlich zu machen. Daher traf man sich auf Einladung von Hansjörg Stoll von der Geschäftsstelle des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) am Waldrand, mit Blick auf Wiesen und Weiden, auf denen ihre Rinder grasen, um sich von Köpfer und Spiegelhalter ihre Arbeit als Vertragspartner der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind (EZG) sowie des LEV erläutern zu lassen.

Zwei Landwirte bewirtschaften 225 Hektar

„Wir haben die ganzen Flächen aufgefangen“, sagte Markus Köpfer über die im Jahr 2000 gegründete Gesellschaft mit Thomas Spiegelhalter. 26 Landwirte hätten die Rinderhaltung in dieser Zeit aufgegeben, insgesamt 225 Hektar bewirtschafteten die beiden Landwirte nun. Wenn man davon ausgehe, dass in den meisten kleineren Betrieben Mann und Frau sich die Arbeit teilten, so hätten sie, was Pflege und Offenhaltung der Landschaft angehe, die Aufgaben von 52 Personen übernommen.

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„Wir hätten vielleicht gar nicht so groß werden wollen“, betonte Köpfer, der aktuell gemeinsam mit Spiegelhalter 68 Rinder hält, die meisten davon Hinterwälder. Nur zwei Hektar des von ihnen bewirtschafteten Landes seien Mähwiesen, der Rest Weiden, erklärte Köpfer weiter. Vermarktet werde das Fleisch ihrer Tiere über die Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind, zudem nähmen zwei Bernauer Gastwirte rund zehn Tiere im Jahr ab.

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Thomas Spiegelhalter berichtete von dem Spagat der Landwirte, die einerseits die Kulturlandschaft im Schwarzwald pflegen, indem sie die auf den Wiesen nachwachsenden jungen Bäume entfernen, sich aber auf der anderen Seite bei vielen Themen rechtfertigen müssten. Sie brauchten, so Spiegelhalter weiter, gute Rahmenbedingungen durch die Politik.

Auch die Jungrinder sind mit ihren Müttern auf der Weide.
Auch die Jungrinder sind mit ihren Müttern auf der Weide. | Bild: Claudia Renk

„Der Verbraucher kann kein Gras fressen, er schafft es einfach nicht“, brachte Markus Kaiser, Vorstand der EZG, die Anwesenden kurz zum Schmunzeln. 30 bis 40 Prozent des Grünlandes, das die Rinder beweiden, läge ansonsten ungenutzt da, erklärte er. So werde das Gras der menschlichen Ernährung zugeführt und durch das Mähen und Abweiden und erneuten Aufwuchs Kohlendioxid gebunden.

Auch der Verbraucher ist gefragt

Zudem, so erklärte Hansjörg Stoll, bilden die Weidfelder des Schwarzwaldes das Rückgrat für die Artenvielfalt im Landkreis Waldshut. So gebe es auf den Wiesen seltene und bedrohte Pflanzen wie Arnika, oder die Sumpf-Fetthenne sowie seltene Schmetterlinge und Vogelarten. Diese Kulturlandschaft könne nur durch die Landwirte erhalten werden. Dafür, da waren sich alle Beteiligten einig, brauche es auch die Verbraucher, die heimische Produkte kaufen und so die Arbeit der Landwirte unterstützen.

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