Bei den kostenlosen landesweiten Schnelltest-Aktion zu Weihnachten können sich die Hilfsdienste, die vor Ort die Tests durchführen, kaum vor Anfragen retten. Allerdings gehen viele Testwillige leer aus.

„In Schopfheim wurden innerhalb von 40 Minuten nach Öffnung des Anmeldetelefons 10.000 Anrufversuche registriert“, sagt Pressesprecherin Karin Bundschuh vom Badischen Roten Kreuz. Auch ihr Kollege Udo Bangerter vom Landesverband Baden-Württemberg meldet: „Bei uns sind fast überall dort, wo eine Terminanmeldung telefonisch oder online möglich ist, alle Termine vergeben.“ Beide appellieren dringend an die Bevölkerung, sich vorab über Testkapazitäten zu informieren und nicht einfach auf gut Glück an einen Teststandort zu fahren. Die Tests sollten ausschließlich denjenigen vorbehalten bleiben, die besonders gefährdete Angehörige besuchen möchten, die andernfalls an Heiligabend allein bleiben müssten.

Nicht als Massentestung gedacht

80.000 Antigen-Schnelltests stellt das Sozialministerium aus der Notreserve des Landes für die zweitägige Aktion zur Verfügung. Die Verteilung und die Testlogistik vor Ort übernehmen ehrenamtliche Helfer des DRK, der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), des Malteser Hilfsdienstes (MHD) und des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB).

Auch Markus Jox, Pressesprecher des Sozialministeriums, verweist darauf, dass das Angebot keinesfalls als Massentestung gedacht sei. „Es ist eine einmalige Aktion, damit niemand aus Angst, sich zu infizieren, Weihnachten allein feiern muss. Und das Angebot sollte denen vorbehalten bleiben, die es wirklich brauchen.“

Weder das Sozialministerium noch die Landesverbände der beteiligten Hilfsdienste DRK, Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), Malteser Hilfsdienst (MHD) und Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) konnten genau beziffern, an wie vielen Standorten im Land am Mittwoch und Donnerstag tatsächlich Schnelltests angeboten werden und wie viele ehrenamtliche Helfer an den beiden Tagen ihre Freizeit opfern, um das möglich zu machen.

114 Städte und Gemeinden machen mit

Ursprünglich war von angestrebten 150 Teststationen die Rede gewesen, Stand Dienstag verzeichnete die Übersicht des Sozialministerium 135 Teststationen in 114 Städten und Gemeinden. „Das ändert sich gerade noch täglich, es kommen neue hinzu und es fallen welche wieder weg“, sagt DRK-Sprecher Bangerter. „Zum Teil wissen nicht mal die Kreisverbände, welche Ortsverbände das noch hinbekommen.“

Für viele Nachfragen und auch Unverständnis vor Ort sorgt zudem, dass das kostenlose Testangebot nicht landesweit flächendeckend, sondern regional höchst ungleich verteilt ist. In einzelnen Landkreisen – etwa Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald oder der Region Rhein-Neckar waren Stand Dienstag etwa gar keine Schnelltest-Standorte vorgesehen, wogegen im vergleichsweise kleinen Ravensburg allein fünf Standorte gelistet waren.

Die Weihnachts-Testaktion

„Das hat verschiedene Gründe“, sagt Bangerter. Mancherorts werde bewusst auf mehrere Teststandorte und kurze Zeitfenster verteilt, andere Städte bündeln ihr Angebot an einem Standort, bieten es aber über mehrere Stunden an beiden Tagen an. Oft fehle es schlicht an Personal in den Ortsgruppen, anderswo könne in der Kürze der Zeit nichts organisiert werden, mancherorts fehle es an den erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Denn auch nicht in allen Landratsämtern und Rathäusern trägt man die Aktion mit.

Das bestätigt auch seine badische Kollegin Bundschuh. „Es gibt Befürchtungen, dass es einen großen Andrang gibt und sich die Menschen beim Warten oder in den Hallen anstecken könnten“, so der DRK-Sprecher. In Karlsruhe waren die zunächst vom ASB geplanten Schnelltests nach Bedenken der Behörden wieder abgesagt worden, auch in Mannheim sollte es wegen fehlender Kapazitäten von Ehrenamtlichen keine Tests geben. Zum Teil, so die Erfahrung der Organisatoren, werde wohl auch eine zusätzliche Belastung der Gesundheitsämter über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel befürchtet. Wenn es positive Befunde gibt, müssen diese in den Gesundheitsämtern erfasst werden.

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