Die beiden Stuttgarter Imker der Initiative „pro biene“ und ihre Unterstützer haben, unabhängig davon, welchen weiteren Weg das Volksbegehren nimmt, zwei wichtige Ziele erreicht. Zum einen zwingen sie die Landesregierung, den Konflikt zwischen Grünen und CDU in Sachen Pestizideinsatz und Bienen- und Artenschutz nicht länger auszusitzen, sondern deutlich schneller und stärker aktiv zu werden, als es sonst vermutlich je der Fall gewesen wäre.

Zum Handeln gezwungen

Denn die steten Beteuerungen vor allem der Grünen, man sei ja ohnehin in Baden-Württemberg in Sachen Artenschutz schon viel weiter als andernorts, täuschten darüber hinweg, dass bei Grün-Schwarz in den letzten Monaten in Sachen Pestizidreduktion Stillstand herrschte.

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Zum anderen wird durch das Volksbegehren landauf, landab intensiv über sinnvolle und weniger sinnvolle Maßnahmen zum Artenschutz debattiert, in einer Breite und Tiefe, die ohne die Initiative wohl nie erreicht worden wäre. Deutlich wie nie zuvor kamen die möglichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen eines radikalen Arten- und Naturschutzes auf den Tisch.

Jeder muss Position beziehen

Wann schon bekamen Landwirte zuletzt ein solches Forum für ihre Arbeit und Nöte? Wann mussten sich Bauern und Naturschützer zuletzt so gründlich mit den Argumenten der Gegenseite auseinandersetzen? Zudem wurde klar, welchen Anteil auch die individuelle Lebensführung auf die Ausrichtung von Landwirtschaft hat und auf die Art und Weise, wie Natur genutzt wird.

Wer einkauft, entscheidet mit

Obstbauern und andere Landwirte sind in ihrer Existenz bedroht, wenn sie auf Spritzmittel verzichten müssen, weil nur makellose Früchte verkäuflich sind. Öko-Landwirtschaft lohnt sich nicht, weil der Verbraucher lieber zur Billigware greift und die Bio-Produkte liegen bleiben. Hier geht die Rechnung für das Arten- und Bienensterben direkt zurück an den Verbraucher.

Erst solche öffentlichen Debatten, wie sie das Volksbegehren ausgelöst hat, schaffen das Bewusstsein für diese Zusammenhänge und die Basis für Veränderungen. Allein dafür gebührt den beiden Stuttgarter Imkern Dank.