Lachen Fußball Deutschlandfahne Sieben Eins Brasilienfahne Feuerwerk Lachen. Was ausgeschrieben wie Kauderwelsch aussieht, ergibt übersetzt in sogenannte Emojis mehr Sinn - mit diesen Symbolen könnte man das sensationelle Ergebnis im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 kommunizieren.

Das Halbfinale der Fußball-WM 2014, Deutschland gegen Brasilien, in Emojis.
Das Halbfinale der Fußball-WM 2014, Deutschland gegen Brasilien, in Emojis. | Bild: SK

Die kleinen Bildchen nutzen viele, die über Apps wie WhatsApp, iMessage, Instagram oder Twitter Nachrichten verschicken. Mittlerweile sind die kleinen Symbole so präsent, dass große Unternehmen auf den Trend aufspringen.

Die Seite emojitracker.com verfolgt in Echtzeit die Nutzung von Emoji auf Twitter - Nummer eins ist der Tränen lachende Smiley.
Das beliebteste Emoji auf Twitter lacht Tränen.
Das beliebteste Emoji auf Twitter lacht Tränen. | Bild: SK

Der ursprüngliche Emoji-Satz kommt aus dem asiatischen Raum. Im Herbst 2010 nahm das Unicode-Konsortium die kleinen Bildchen in seine international genormte Zeichen-Palette auf. Seitdem können weltweit Nutzer Tränenlach-Smileys, rote Herzen oder kleine Schweinchen verschicken und empfangen.

Mehr Missverständnisse durch weniger Sprache?

Weniger Schrift und mehr Bild - da gibt es reichlich Potenzial für Missverständnisse, oder? "Bei den Emojis gibt es kein richtig oder falsch", sagt Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler an der Freien Universität Berlin.

Er untersucht Emojis in der öffentlichen Kommunikation, zum Beispiel bei Twitter und Facebook. Der Stinkefinger ist eindeutig - das Schwein könnte man aber als Beleidigung oder als Glücksschwein lesen.

Mit Personen, die man gut kenne, könne man sogar ganze Gespräche in Emojis führen, "solange es sehr einfache und vorhersehbare Dinge sind", sagt der Sprachwissenschaftler. Bei dem Versuch, mit seiner Partnerin eine Woche lang nur über die Bilder zu kommunizieren, sei es aber durchaus zu Missverständnissen gekommen.

"Man kann versuchen, mit Emojis ganze Sätze darzustellen, aber man stößt sehr schnell an mindestens zwei Grenzen", sagt Stefanowitsch. Erstens sei es schwer, über Abstraktes wie Uhrzeiten zu sprechen. Zweitens gebe es in einem Satz aus Emojis keine Grammatik.

Wieso wir Emojis lieben

Doch wieso benutzen wir so gerne und so viele dieser Gefühlsbilder? Grundsätzlich sagt ein Bild nicht nur sprichwörtliche mehr als tausend Worte.
Mit Emojis ist es möglich, seinen geschrieben Sätzen eine zusätzliche Ebene zu geben. 

Mit den Bildchen können wir beispielsweise Ironie, Freude oder Trauer ohne Worte ausdrücken. Dieser non-verbale Faktor gibt den eigentlich unpersönlichen Nachrichten eine menschliche Note und suggeriert Nähe zwischen den vielleicht kilometerweit getrennten Chat-Partnern.

Im Gegensatz zu den früher verbreiteten Smileys, beispielsweise :) oder :'( , sind die Emojibildchen für jedermann klar verständlich.

Unternehmen entdecken Emojis für sich

Emoji halten auch Einzug in die Popkultur. Disney erzählt auf seinem YouTube-Kanal Filme im Emoji-Stil, ganze Songtexte werden mit den Bildchen nachgespielt.

Die Automarke Chevrolet verschickte jüngst eine komplette Pressemitteilung in Emoji. Selbst der Literaturklassiker "Moby Dick" wurde als "Emoji Dick" in die Bildsprache übersetzt, finanziert per Crowdfunding. Sony Pictures Animation will demnächst sogar einen Kinofilm über oder mit Emojis produzieren - wie das genau aussehen soll, ist noch unklar.

Bald Passwörter aus Bildern?

Und auch praktische Anwendungen könnten die kleinen Symbole demnächst haben: Eine britische Sicherheitsfirma überlegt, statt Zahlen Emojis für Passwörter zu verwenden. Mit über 1200 Zeichen gibt es deutlich mehr Kombinationen als mit den Zahlen 0 bis 9, das soll die Passwörter sicherer machen.

Die ganze Emoji-Palette in der Unicode-Sprache.
Die ganze Emoji-Palette in der Unicode-Sprache. | Bild: emoji.ink (emoji.ink)



Außerdem könne man sich Geschichten mit den Zeichen einprägen, was einfacher ist als bei einer losen Zahlenfolge. Nicht nur Fußballfans hätten schnell eine gut eingeprägte Passwort-Geschichte zusammen.

Emojis,die wir falsch benutzen

Viele Emojis benutzen wir im täglichen Gebrauch eigentlich falsch. Da die Bildchen erst spät einen internationalen Emoji-Standard verpasst bekommen haben, werden die Emotionen, je nach Kultur, anders gedeutet. Daher gibt es eine Reihe Emojis, die wir Deutschen für einen falschen Zweck benutzen.

Bild: SK