Die Insolvenz der Warenhauskette Galeria-Karstadt-Kaufhof (GKK) trifft Baden-Württemberg weniger heftig als befürchtet. In letzter Minute ist es gelungen, zwei von sechs von der Schließung betroffene Filialen im Land zu retten. Nach Zugeständnissen der Vermieter blieben die Warenhäuser in Leonberg und in Singen erhalten, wie der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Warenhauskette Jürgen Ettl am Freitag mitteilte. Allein in Singen sind damit zunächst gut 120 Jobs gesichert.

Verdi und Politik kämpfen für Standorte

Über mehrere Wochen hatte sich die Gewerkschaft Verdi und Politiker für den Erhalt der Kaufhäuser eingesetzt, darunter Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und die Waldshuter Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD). Am Ende waren es aber die Vermieter, deren Zugeständnisse, das drohende Aus verhinderten.

In Folge der Corona-Krise hatte GKK Anfang April ein Schutzschirmverfahren eingeleitet und befindet sich mittlerweile in einer Insolvenz in Eigenverwaltung. Von den bundesweit 172 Warenhäusern sollten ursprünglich 62 geschlossen werden. Mit der heutigen Ankündigung hat sich deren Zahl auf 50 reduziert. In Baden-Württemberg sind nun nur die GKK-Häuser in Mannheim, Göppingen sowie zwei Stuttgarter Filialen betroffen.

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Das Konzept des Warenhauses, das ab der Nachkriegszeit prägend für Hunderte deutsche Innenstädte wurde, ist seit Jahren in Bedrängnis. Vor elf Jahren rutschte Hertie in die Pleite. 2001 verschwand Kaufring.

Welches Profil haben die Häuser?

Aktuell wird die ehemalige Metro-Tochter Real zerschlagen, was das Aus für bis zu 30 Märkte bedeuten dürfte. Auch viele kleinere Warenhäuser, teils familiengeführt, befinden sich in Schwierigkeiten.

Nur wenigen Häusern ist es gelungen, in dem zusehends vom Online-Geschäft geprägten Einzelhandel ihren Platz zu finden. Galten sie früher als besonders günstig, bedienen dieses Segment heute Discounter und Modeketten wie Primark. Spezialmärkte für Elektronik, Sportartikel oder Babybedarf unterbieten die Warenhäuser zudem preislich in wichtigen Produktgruppen. Ihr einstmals größter Trumpf, die Produktauswahl, wird durch Internetkonzerne wie Amazon mit Millionen gelisteten Waren zudem entwertet. Ein eigenes Profil zu finden, ist nur wenigen Warenhäusern, und da speziell im Luxussegment gelungen. Zudem altert die Kundschaft massiv.

Neue Konzepte müssen her

Experten empfehlen daher neue Strategien, wie die Spezialisierung auf ältere Käufer. Angepasste Angebote für diese Klientel könnten eine Lösung bieten, heißt es vom Handelsverband Baden-Württemberg. Dort betont man auch die große Bedeutung der Warenhäuser als „Frequenzbringer für die Innenstädte“.

Zudem müsse nun massiv investiert werden. Für den Singener Standort sollen entsprechende Zusagen von GKK gemacht worden sein. Immerhin habe das Haus im bisherigen Jahresverlauf keine roten Zahlen geschrieben.

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